2030 kommt ein Asteroid der Erde gefährlich nahe

Florian Rötzer 04.11.2000

Möglicherweise aber handelt es sich auch nur um eine alte Raketenstufe

Das Near-Earth Object Program der Nasa meldete gestern, eine internationale Expertengruppe habe berechnet, dass ein Asteroid in der Größe von bis zu 70 Metern möglicherweise in 30 Jahre der Erde so nahe kommen könnte, dass er auf sie einschlägt.

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Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Einschlag ist mit 1 zu 500 ungewöhnlich hoch. Der Name des möglichen Asteroiden ist wie immer bislang sehr prosaisch: 2000 SG344. Um unnötige Aufregungen der Öffentlichkeit zu vermeiden, die durch solche Meldungen von möglichen Einschlägen großer Objekte entstehen, zumal sie oft genug falsch waren, hat die International Astronomical Union ein Verfahren vor der Veröffentlichung solcher Berechnungen vorgeschlagen: eine internationale Gruppe von Experten muss die Daten und Berechnungen überprüfen, die darauf hinweisen, dass ein Objekt der Erde gefährlich nahe kommen könnte. Diese Überprüfung sei, so NEAP, geschehen, die Berechnungen wurden bestätigt.

Noch allerdings sind die Berechnungen der Flugbahn noch relativ ungenau. Und auch die Größe von 2000 SG344, entdeckt am 29. September mit einem Teleskop auf Hawaii von David Tholen und Robert Whiteley, kann bislang nur aufgrund seiner außergewöhnlichen Helligkeit geschätzt werden. Man geht davon aus, dass das Objekt zwischen 30 und 70 Meter groß ist, aber bemerkt auch, dass die "ungewöhnliche Umlaufbahn von 2000 SG344 die Möglichkeit nahe legt, dass es sich einfach um eine von Menschen gebaute Raketenstufe aus der Apollo-Zeit handelt." Das wäre dann freilich schon wesentlich harmloser. Wenn es sich aber doch um einen Asteroiden der geschätzten Größe über 30 Meter handelt, dann würde er auf der Turin-Skala in die Kategorie 1 fallen, was bedeutet, dass man ihn weiterhin genau beobachten sollte.

Sollte ein Asteroid in der Größe zwischen 50 und 100 Meter auf die Erde einschlagen, so entspräche dies der Zerstörungskraft einer großen Atombombe. Katastrophal wäre dies, wenn der Asteroid auf ein dicht bewohntes Gebiet treffen würde. 1908 ist ein Asteroid dieser Größe in Sibirien eingeschlagen und hat dabei den Wald in einem Umkreis von 40 Kilometern umgefällt.

Donald Yeomans, Leiter des NEAP, sagt, dass man sich wegen des Objekts nicht beunruhigen müsse. Bislang sagen die Berechnungen aus, dass der Asteroid am 21. September 2030 an der Erde in einer Entfernung von 6 Millionen Kilometern vorbeirasen wird. Das wäre 15 Mal größere Entfernung als die zwischen Erde und Mond. Da aber die Flugbahn noch nicht genau berechnet werden kann, besteht eine Wahrscheinlich von 1 zu 500, dass der Asteroid - oder die Brennstufe - auf die Erde einschlagen könnte. Würde es sich um Weltraumschrott, ein zunehmendes Problem bei der stattfindenden Kolonialisierung des Weltraums, handeln, dann würde die Brennstufe einfach in der Erdatmosphäre verglühen. Die Wissenschaftler vermuten jedoch, dass es eher ein Asteroid ist. Kommt der Asteroid, sollte es sich um einen solchen handeln, der Erde allerdings sehr nahe, so könnte sich durch die Beeinflussung der Erde dessen Umlaufbahn ändern, wodurch es nach 2030 schnell zu weiteren Begegnungen kommen könnte.

Im übrigen wird betont: "Es ist interessant festzustellen, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der das Objekt 2000 SG344 im Jahr 2030 auf die Erde einschlagen kann, in Wirklichkeit weniger groß ist als die, dass ein unbekanntes Objekt mit derselben Größe in jedem beliebigen Jahr auf die Erde einschlägt. Daher ist das Objekt 2000 SG344 eher interessant als bedrohlich, doch werden die internationalen Bemühungen, die Natur und künftige Laufbahn dieses Objekts zu beschreiben, fortgesetzt werden.

Das wird den Briten neuen Aufwind geben. Erst vor kurzem hatte eine Expertengruppe gefordert, mehr Geld in die Beobachtung von möglicherweise gefährlichen Asteroiden zu stecken und Großbritannien hier eine führende Rolle einnehmen zu lassen . Und auch Techniken, die möglicherweise zur Abwehr von Asteroiden, gleichzeitig aber auch als Weltraumwaffen für andere Dinge eingesetzt werden können, mögen durch eine solche Meldung attraktiver werden (Laser gegen Weltraummüll).

http://www.heise.de/tp/artikel/4/4185/1.html
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