Aufruf zum Umlenken der Besucher der Website eines US-Präsidentschaftskandidaten

Florian Rötzer 06.11.2000

RTMark schaltet sich bei Voteauction.com ein

Es hatte schon einmal so schön geklappt, als die Künstlergruppe Etoy.com im Domainnamenkonflikt mit dem Onlinehändler für Spielzeug, eToys.com, sich mit der Agitationsgruppe RTMark zusammen getan hat, Internetbenutzer zu Protestaktionen aktivieren, eine breite Medienöffentlichkeit finden und schließlich gegen das große Dot.Com-Unternehmen siegen konnte (Wie die Etoy-Kampagne geführt wurde). Jetzt wollen RTMark und ehemalige Mitglieder von Toys.com, die eine Internetagentur für Schockmarketing eröffnet und als durchaus erfolgreichen Coup die Website Voteauction übernommen haben, an diesen Erfolg anscheinend anschließen.

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Am 1. November habe, so meldet RTMark, Network Solutions im Verein mit dem Internet Council of Registrars (CORE) auf Druck amerikanischer Behörden ohne Vorankündigung den Domainnamen www.vote-auction.com/ aus dem DNS ausgetragen. Seitdem kann die Website nur noch durch ihre IP-Nummer (62.116.31.68) aufgerufen werden. RTMark bietet jetzt Geld für denjenigen an, der es schafft, den Domainnamen der Website von einem der großen Präsidentschaftskandidaten auf die IP-Adresse der Website von Voteauction.com (62.116.31.68) umzulenken. Ein hohes Preisgeld konnte RTMark dafür anscheinend nicht einsammeln, denn der erste, der es schafft, die Internetbenutzer umzulenken, erhält gerade einmal 300 US-Dollar. Weitere 200 Dollar sind für denjenigen reserviert, dem es gelingt, die Domain der Website eines großen Internetmediums auf die Auktionsseite umzulenken.

Zudem rufen die Verantwortlichen für Voteauction.com, die Mitte August die Domain zur Versteigerung von Wählerstimmen von dem Studenten James Baumgartner gekauft hatten, die Internetbenutzer dazu auf, ihre Webseiten auf 62.116.31.68 zu richten, während sie selbst möglichst viele Domainnamen auf der ganzen Welt registrieren wollen.

Baumgartner hatte im August die Domain an die Österreicher verkauft, weil das Wahlkomitee von New York rechtliche Schritte gegen die Auktion androhte. Ubermorgen.com führte die Website mit der Hilfe eines österreichischen Provider weiter, bis am 21. Oktober der Zugang zur Website blockiert wurde, da diese von der amerikanischen Domain Bank registriert wurde. Sie konnte rechtlich von amerikanischen Gerichten belangt werden. Das Wahlkomitee von Chicago hatte zuvor die Betreiber der Website angeklagt, und auch Kalifornien wollte dagegen vorgehen. Unter einem leicht veränderten Domainnamen und mit einem Registrar aus Deutschland wurde die Website dann wieder ins Netz gestellt.

RTMark betrachtet wie die Betreiber und der ursprüngliche Erfinder Baumgartner die Auktionsseite für Wählerstimmen als Parodie oder als satirische Kritik gegenüber der Praxis, dass in Wahlkämpfen große Mengen an Spenden von Unternehmen den Kandidaten zukommen. Das Vorgehen von Network Solutions wird als illegale Aktion und als Verletzung der Meinungsfreiheit bezeichnet. Unbekannt sei bislang, wer dies Vorgehen gefordert und aufgrund welcher Berechtigung Network Solutions Vote-auctions.com aus den Root-Servern genommen hatte. RTMark betont, dass man nicht erst jetzt die Website unterstütze, sondern bereits im Juni als Sponsor für Baumgartner aufgetreten sei, weil er deutlich gemacht habe, wie Unternehmen Wahlen kaufen würden.

http://www.heise.de/tp/artikel/4/4198/1.html
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Die Website für die Auktion von Wahlstimmen wurde vom DNS-Server abgehängt

Florian Rötzer 03.11.2000

Dabei geht es darum, ob amerikanisches Recht Internetrecht sein kann - und um die Erfolgsstrategie eines provokativen Unternehmens

Die Agentur, die sowieso auf Spektakuläres oder Schockmarketing setzt, wird nicht unerfreut sein, dass die von ihr betriebene Website www.vote-auction.com schon wieder Opfer eines Zensurversuchs geworden ist, weil dadurch schlicht die willkommene Aufmerksamkeit wächst. Die sich nicht gerade unbescheiden www.ubermorgen.com nennende Agentur kann dadurch demonstrieren, dass sie weltweite Aufmerksamkeit erzeugen kann.

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