Carnivore im FBI-Test

Ernst Corinth 19.11.2000

Das FBI-Schnüffelprogramm ist noch perfekter als bisher vermutet worden ist

Offenbar hat das FBI die Öffentlichkeit bewusst falsch unterrichtet. Das von ihr entwickelte E-Mail-Schnüffelprogramm Carnivore kann nämlich mehr als bisher angenommen worden ist. Nach einem dem Electronic Privacy Information Center (EPIC) zugegangenen FBI-Dokument, haben interne FBI-Tests ergeben, dass Carnivore alle E-Mails und Chats, die über einen Internet-Provider laufen, auffangen und auf FBI-Computern speichern kann. Bisher hatte das FBI stets erklärt, dass mit Hilfe des Programms nur die Mails verdächtiger Personen gesucht und gespeichert werden.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Die Tests, die bereits im Frühjahr stattgefunden haben, sind nach Angaben des FBI nur durchgeführt wurden, um alle Möglichkeiten der Software zu ermitteln. Gleichzeitig betonten FBI-Offizielle erneut, dass Carnivore nur im Rahmen der Gesetze angewandt werde. Dagegen haben verschiedene Bürgerrechtsorganisationen und Abgeordnete schon bei der Vorstellung des Programm im vergangenen Sommer den Verdacht geäußert, dass das bereits eingesetzte System die Verfassung verletzte und dem FBI eine unkontrollierbare Lauschtätigkeit erlaube. Sie befürchten zudem, dass damit auch die elektronische Post unbescholtener Bürger kontrolliert werden könnte.

Gegenüber der Washington Post erklärten nun mehrere Datenschützer, dass das FBI die Öffentlichkeit über Carnivores wahre Fähigkeiten falsch unterrichtet habe. Außerdem findet es Wayne Madsen vom Electronic Privacy Information Center sehr verwunderlich, warum das FBI etwas teste, was es angeblich gar nicht anwenden wolle: "Sie bleiben weiterhin dabei, dass es nur eines machen kann, und wir finden heraus, dass es sehr viel mehr machen kann."

Eine unabhängige Untersuchung des FBI-Schnüffelsystems ist von Experten des Illinois Institute of Technology Research Institute (IITRI) durchgeführt worden. Der Bericht müsste bereits am 17. November dem Justizministerium übergeben worden sein, das diesen noch überarbeiten wird. Für David Sobel, ebenfalls von EPIC, lassen die neuen Informationen aber noch dringender die Notwendigkeit nach der uneingeschränkten Veröffentlichung aller Leistungen des Systems entstehen: "Die wenigen Informationen, die veröffentlicht wurden, lassen ernsthafte Fragen über die Auswirkungen dieser Technik auf die Privatshäre entstehen. Man kann nicht erwarten, dass die amerikanische Öffentlichkeit ein Internetlauschsystem akzeptiert, das in Geheimniskrämerei gehüllt ist."

http://www.heise.de/tp/artikel/4/4288/1.html
Kommentare lesen (10 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Wanted: Carnivore

Das FBI stellt einen Zeitplan auf

Amerikanisches Gericht schränkt Abhörmöglichkeiten ein

Das FBI habe zu weitegehende Möglichkeiten, die Kommunikation von Mobiltelefonen zu überwachen

Carnivore soll von Universitätsinstitut überprüft werden

Generalstaatsanwältin kündigt Untersuchung des umstrittenen Email-Schnüffelsystems durch eine unabhängige Expertengruppe an

Eigenschaften des FBI-Schnüffelsystems Carnivore müssen veröffentlicht werden

Die Bürgerrechtsorganisation EPIC hatte vor dem Gericht Erfolg

Das Internet ist ein Tummelplatz für Verbrecher und Terroristen

Das FBI musste sich wegen des Schnüffelsystems Carnivore vor einem Kongressausschuss rechtfertigen

Das Fleisch des Internet

Mit dem Carnivore-System kann das FBI angeblich stündlich Millionen von Emails überwachen und gezielt diejenigen an oder von einem Verdächtigen herausfischen

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS