Was Musikdaten so verraten
EMusic überwacht Napster-User mit Open-Source-Technologie
Der MP3-Anbieter EMusic.com hat gestern angekündigt, von nun an ein wachsames Auge auf das Napster-Netzwerk werfen zu wollen. Bietet jemand EMusic-MP3s zum Filesharing an, bekommt er Post von der Firma. Die Ankündigung entfacht auch die Debatte über Privatsphäre in den Zeiten digitaler Musikdistribution neu.Wer künftig Bad Religions "21st Century Digital Boy" über Napster zum Download anbietet, muss sich auf eine unfreundliche Email gefasst machen. EMusic wird von nun an alle Anbieter von MP3s aus dem Katalog der Site auffordern, das Tauschen der betreffenden Dateien zu unterlassen. Kommt jemand dem nicht nach, verlangt EMusic von Napster eine Sperrung des Users. Bleibt auch dies erfolglos, will EMusic direkt zum jeweiligen Internet-Provider Kontakt aufnehmen und eine Sperrung des Accounts erwirken. Als Ultima Ratio hebt sich die Firma außerdem den Gang vor Gericht auf.
EMusic vetreibt 140 00 Songs aus dem Repertoire kleinerer Labels zum kostenpflichtigen Download im MP3-Format. Davon sind angeblich etwa 30-50 Prozent auch über Napster verfügbar. Weil mit dem Pay-Per-Download-Geschäftsmodell bisher kaum Umsätze erziehlt werden konnten, startete die Firma im Frühjahr diesen Jahres einen Subscription-Service mit All-you-can-eat-Appeal. Für einen Festpreis von 10-20 Dollar hat man Zugriff auf den gesamten EMusic-Katalog. Angeblich haben sich aber auch für diese "Music Flatrate" erst rund 3000 Kunden begeistern können.
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Brancheninsider vermuten deshalb, dass sich hinter der gestrigen Ankündigung nicht viel mehr als eine nette PR-Aktion verbirgt. Tatsächlich stieg der Kurs der in den letzten Monaten arg dahindümpelnden EMusic-Aktie nach der gestrigen Pressekonferenz um rund 25 Prozent. Außerdem erklärte EMusic-CEO Gene Hoffmann bereits, er halte es für sehr unwahrscheinlich, auch nur eine Hand voll Naspster-Usern vor Gericht wiederzusehen.
Digitale Signaturen statt MD5
Interessanter als solches PR-Geplänkel ist der technische Ansatz, der hinter der Überwachung der Napster-Netzwerks steht. Anders als vorerst vermutet setzt EMusic dabei nicht auf MD5-Prüfsummen. Statt dessen wurde der gesamte EMusic-Katalog im September von der Firma Relatable indiziert. Relatable hat ein Verfahren entwickelt, das Audiosignale anhand einzelner Frequenzbänder analysiert. Diese Technik dürfte weit zuverlässiger sein als die Verwendung von MD5-Prüfsummen, die bereits mehrfach im Zusammenhang mit der Indentifizierung einzelner Tracks im Napster-Netzwerk im Gespräch war.
Pikant wird die Zusammenarbeit mit Relatable dadurch, dass die Firma auf Open-Source-Technologien setzt. Für jeden analysierten Track speist Relatable eine digitale Signatur in die Musicbrainz-Datenbank ein. Musicbrainz will kommerziellen und proprietär arbeitenden Anbietern wie Gracenote (vormals: CDDB) eine frei verfügbare Alternative entgegensetzen. Musikliebhaber sollen Playlists unabhängig von einzelnen Dateinamen austauschen können, Initiativen wie Fairtunes soll mit Musicbrainz die Vergütung von Musikern erleichtert werden. Und Firmen wie EMusic können damit leichter ihre Kunden überwachen.
Open-Source-Überwachung
Zu den möglichen negativen Implikationen einer weltweit verfügbaren, kostenlosen Musikdatenbank mit digitalen Signaturen und Trackingmöglichkeiten heißt es auf der Musicbrainz-Website:
"Natürlich hat die Medaille zwei Seiten. Die RIAA wird ebenfalls die Tracks ihrer Mitglieder-Firmen identifizieren und dann die Leute verfolgen können, die diese Tracks illegal anbieten. Diese Technologie wird entwickelt werden, ob wir es wollen oder nicht - wenn wir diese Technologie so entwickeln können, dass sie jedem nützt, gewinnt die Internet Community."
Manchmal nützt Technologie aber auch einem Beteiligten mehr als anderen. Wie Relatable gehört auch EMusic zu den Musicbrainz-Sponsoren. Für das Ziel einer umfassenden Datenbank wird allerdings der verhältnismäßig kleine EMusic-Katalog nicht ausreichen.
Deshalb setzt man bei Musicbrainz auf den Idealismus der MP3-Community. In Zusammenarbeit mit dem EMusic-gesponsorten Freeamp und Relatable bietet man einen MP3-Player an, der automatisch Musik auf dem eigenen Computer indiziert und mit den so gewonnenen Ergebnissen die Musicbrainz-Datenbank füttert. Eigentlich muss das Projekt also daran interessiert sein, zahlreiche Musikliebhaber von der eigenen Mission zu begeistern. Je mehr User das System hat, desto mehr MP3-Daten werden auch eingespeist. Nur könnten diese Datensätze irgendwann auch gegen jene verwendet werden, die sie eingespeist haben. Durch den EMusic-Vorstoß kommt diese zweite Seite der Medaille viel eher zum Vorschein, als es den Musicbrainz-Entwicklern lieb sein dürfte.
http://www.heise.de/tp/artikel/4/4309/1.html- Right ! (24.11.2000 16:39)
- Schuld der Musikindustrie ! (24.11.2000 16:37)
- Gääääääääääääääääääääääääähhhhn.... (24.11.2000 10:51)
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