Gratulation, Herr Bush! Das war Spritze!

Ernst Corinth 06.12.2000

Hinrichtungsrekord in Texas

Da kann man wirklich nur gratulieren, denn mit der 38. Hinrichtung in diesem Jahr allein in Texas hat der Bundesstaat und damit der dort noch regierende Gouverneur George W. Bush einen neuen landesweiten Rekord aufgestellt. Die alte Höchstmarke stand bei 37 Hinrichtungen im Jahre 1997, auch für die war Texas verantwortlich.

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Von Staats wegen getötet wurde in der vergangenen Nacht im Staatsgefängnis von Huntsville der 33-jährige Garry Dean Miller. Er hatte im Jahr 1988 die siebenjährige April Wilson entführt, vergewaltigt und erschlagen und später die grausame Tat gestanden. Bereits heute und am morgigen Donnerstag will der Bundesstaat noch einen oben drauf setzen. Geplant sind nämlich Hinrichtung Nummer 39 und 40.

Wie inzwischen üblich wird dabei zur Giftspritze gegriffen, die mit Chemikalien gefüllt ist, die lediglich 38 Dollar kosten. Auch in Texas muss halt gespart werden. Den Tötungsvorgang selbst beschreibt ein Bericht, der nachzulesen ist bei www.todesstrafe-texas.de.

Dazu wird der Hinzurichtende auf einer Liege festgeschnallt; Injektionsnadeln führen in beide Arme. Eine neutrale Kochsalzlösung sorgt zunächst dafür, dass das Gift anschließend ungehindert seinen Weg finden kann. Nachdem der Delinquent seine letzten Worte gesprochen hat, fließen maschinell gesteuert nacheinander drei unterschiedliche Stoffe in seinen Körper: 1.eine so hohe Dosis des Betäubungsmittels Natriumpentothal, dass der Hinzurichtende davon ins Koma fällt; 2. Pancuroniumbromid, das die Muskeln lähmt und damit vor allem die Tätigkeit der Lunge stoppt; 3. Kaliumchlorid, das das Herz zum Stillstand bringt. Der ganze Prozess dauert etwa 7 Minuten.

Zur Zeit sitzen in Texas 445 Menschen in der Todeszelle, unter ihnen sind lediglich sieben Frauen. Auffällig ist die hohe Anzahl von Schwarzen. Nach einem dpa-Bericht befinden sich unter den Gefangenen in den "death row" 180 Schwarze, 160 Weiße, 100 Hispanier und vier weitere. 422 der Todeskandidaten sind US-Bürger, dazu kommen 19 Mexikaner und jeweils ein Gefangener aus Argentinien, Thailand, Kambodscha und Bangladesh.

Das extreme Ungleichgewicht zwischen Frau und Mann, Weiß und Schwarz sollte den vermutlich neuen US-Präsidenten Bush schon zudenken geben, schließlich ist für die amerikanische Gesellschaft politische Korrektheit von enormer, ja fast hysterischer Bedeutung. Und angesichts einer solchen Statistik besteht, was die Hinrichtungen von Frauen und Weißen angeht, großer Nachholbedarf. Aber George W. Bush wird das gewiss schon richten.

http://www.heise.de/tp/artikel/4/4417/1.html
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