Salzmeer auf Ganymed?

Florian Rötzer 18.12.2000

Nach der Auswertung von Daten gibt es neben den Jupitermonden Callisto und Europa vielleicht auch auf Ganymed Wasser - und Leben

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Vielleicht gibt es auf dem Jupitermond Ganymed flüssiges Wasser. Zumindest könnten die Existenz von flüssigem Salzwasser unter der Eiskruste die magnetischen Daten erklären, die die Galileo-Sonde der Nasa beim Vorbeiflug im Mai 2000 aufgezeichnet. Natürlich wird jetzt auch wieder über die Möglichkeit von extraterrestrischem Leben gesprochen.

"Diese Ansicht von Nicholson Regio und Arbela Sulcus auf Jupiters Mond Ganymed zeigt den deutlichen Kontrast zwischen dem glatten, helleren Band (Arbela Sulcus) und dem umgebenden, tektonisch deformierten dunklen Gelände. Diese Beobachtung wurde unter anderem auch deshalb durchgeführt, um zwischen verschiedenen theoretischen Modellen entscheiden zu können, die entweder eine tektonische oder eine vulkanische Ursache für die Entstehung von Arbela Sulcus (und auch anderen, geologisch ähnlichen Gebieten auf Ganymed) vorschlagen. Das vulkanische Modell nimmt an, dass eine relativ reine, wasserreiche "Lava" eine ursprünglich tektonisch entstandene Mulde gefüllt hat und sich anschließend abkühlte, wobei eine relativ glatte Oberfläche entstand. Tektonische Modelle schlagen vor, dass das ältere, dunkle Gelände Verwerfungs- und Deformationsprozessen ausgesetzt war, wodurch die vormals existierenden Oberflächenformen zerstört wurden und tiefer liegendes reines Eis nach oben gelangen konnte. Die Analyse der Fotos legt jedoch eine dritte, unerwartete Möglichkeit nahe

Bei einem Treffen der Amerikanischen Geophysikalischen Gesellschaft am Samstag in San Francisco sagten die Wissenschaftler, dass nach Auswertung der Daten nicht nur auf den Jupitermonden Callisto und Europa (Außerirdische Mikroorganismen auf »Europa«?), sondern auch auf Ganymed flüssiges Wasser sein könnte. Allerdings befände sich das Wasser - oder eine andere leitfähige Substanz - in einer Tiefe von 200 Kilometern unter der Oberfläche. Überdies würden Daten des Infrarot-Sprektrometers zeigen, dass die an manchen Stellen sichtbaren Mineralien auf der Oberfläche einmal von Salzwasser bedeckt gewesen seien.

Ganymed ist der größte Mond des Jupiter und unseres Sonnensystems, er ist sogar größer als die Planeten Merkur und Pluto. Allerdings seien die Hinweise auf Wasser schwieriger zu deuten als bei Europa und Callisto, sagte Margaet Kivelson von der University of California. Ganymed hat selbst ein starkes Magnetfeld, nicht nur ein sekundäres, das bedingt ist durch Jupiter wie bei den anderen Monden. Dennoch lege es das magnetische Feld aufGanymed nahe, dass es unter der Oberfläche, so Kivelson, etwas gibt, dass leitfähiger als Eis ist. Wenn die Schicht, wie angenommen, 200 Kilometer unter der Oberfläche ist, dann könnte sie flüssiges Wasser sein, falls es so salzig wie die Meere der Erde ist. Die im Inneren des Mondes gemessene Radioaktivität könnte ausreichend sein, damit das durch die Wärme das wahrscheinlich zwischen zwei dicken Eisschichten eingeschlossene Wasser flüssig bleibt. "Ich wäre überrascht, wenn es auf Ganymed keinen Ozean gäbe", meint Dave Stevenson von Caltech. "Aber die Frage, ob es das dort gibt, unterscheidet sich von der, ob man das deutlich von den Zahlen ablesen kann." Wo es Wasser gibt, könnte es auch Leben geben.

Am 28.12. wird Galileo noch einmal nahe an Ganymed vorbeifliegen. Seit Dezember 1995 kreist die Sonde um Jupiter. Und am 30. Dezember trifft die Sonde Huygens/Cassini beim Jupiter auf Galileo (Historische Begegnung beim Jupiter).

http://www.heise.de/tp/artikel/4/4506/1.html
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