Das Piraten-Adventure lebt

Rainald Menge 19.12.2000

Monkey Island gehört zu den großen Meilensteinen des Adventure-Genres

Adventures hatten Mitte bis Ende der Achtziger Jahre ihre stärkste Zeit: Damals lieferten sich Lucas Games und Sierra ein Wettrennen mit immer neuen witzigen und ausgefeilten Spielen, die das Ende für das ältere Text-Adventure-Genre bedeuteten. In den letzten Jahren sind gute Adventure Mangelware geworden. Um so mehr dürfen sich die Spieler freuen, dass mit "Monkey Island" einer der Klassiker zurück kehrt. Guybrush Threepwood, der Protagonist des Spiels, ist wohl neben Sierras Leisure Suite Larry der bekannteste und liebenswürdigste Antihelden. Der vierte Teil "Flucht von Monkey Island" hat nichts von seinem ureigenen Charme verloren.

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Ungewöhnlich

Das Spiel beginnt mit den Flitterwochen von Guybrush und seiner geliebten Elaine, ihres Zeichens Gouverneurin von Mèlée Island. Nach einem schnell überwundenen Piratenangriff möchten die beiden gefeiert auf "ihre" Insel zurückkehren, nur um festzustellen, dass ein Widerling namens Charles L. Charles Elaine ihr Amt strittig macht. Die jüngste Vergangenheit verbrachte Charles damit, durch Beleidigungsduelle die halbe Insel in seinen Besitz zu bringen.

Doch es kommt noch ärger: Ein schmieriger Australier will die schöne Pirateninselgruppe in ein karibisches Touristenparadies für die ganze Familie verwandeln. Als sich Charles dann auch noch als Guybrushs Nemesis LeChuck, seines Zeichens Zombie-Kapitän der übelsten Sorte, entpuppt, zeigt sich, mit wem es der liebevoll trottelige Held es zu tun hat.

LeChuck ist wieder zurück

"Flucht von Monkey Island" nutzt das klassischen Adventure-Spielprinzip. Das heißt, Guybrush muss Gegenstände finden und miteinander kombinieren, um weiter zu kommen. Wie bei Lucas Games üblich, kann der Held weder sterben noch sich in einer spielerischen Sackgasse verlaufen.

Die Interaktion erfolgen nach dem Look-and-Click-Prinzip - Look-and-Click deshalb, weil der Spieler nicht die Maus, sondern den Joystick oder die Tastatur zum Steuern verwendet. Für jeden Gegenstand gibt es gewisse Standardaktionen. Dennoch besitzen die Rätsel eine Komplexität, die auch erfahrenen Adventure-Spielern Spaß macht. So muss Guybrush beispielsweise den Duft von Pegnose Pete aus den richtigen Zutaten mischen.

Die Dart-Spieler haben den Bildschirm getroffen

Die größte Stärke von Monkey Island ist der Humor. Die "Flucht von Monkey Island" zieht einfach alles durch den Kakao. Schon beinahe prophetisch erscheint Elaine's Art, sich gegen den politischen Widersacher Charles I. Charles alias Le Chuck zu wehren: Der Pirat von Welt greift nicht zum Schwert, sondern zu seinem Anwaltbüro. Ähnlichkeiten zum gerade beendeten Juristen-Marathon bei der US-Amerikanischen Wahl sind nur deshalb zufällig, weil das Spiel zu früh fertig wurde.

Der Humor von Monkey Island macht auch vor dem Spiel selbst nicht halt. So darf man die Anwälte fragen: "Wieso verklagen wir nicht die Hersteller von Computerspielen dafür, dass sie die Hardwarevoraussetzungen sogar für simple Abenteuerspiele in absolut lächerliche Dimensionen schrauben?". Leider bleibt diese Frage allerdings unbeantwortet.

Starbuccaneer's verkauft Grog statt Kaffee

Die moderne amerikanische Gesellschaft in ihrer Konsumausprägung bekommt auch ihr Fett ab: Der Australier eröffnet die Grog-Kette "Starbuccaneers" und den Schnellimbiss "Planet Threepwood". Die Touristen wirken wie jene Durchschnittsamerikaner, denen man verzweifelt versucht, in Disney World aus dem Weg zu gehen.

Der einzige Wermutstropfen im Grog des Piraten Threepwood ist die Steuerung. Obschon die Joysticksteuerung bereits bei Grim Fandango eher auf Ablehnung stieß, verzichtet Lucas Games auch bei Monkey Island 4 auf die Maus.

Abgesehen davon ist das Spiel aber ein gelungener Cocktail aus erfrischendem Humor und durchaus anspruchsvollen Rätseln. Für Adventurefans ist Monkey Island 4 ein Muss, aber auch andere Spieler werden an Lucas Games Piratenkomödie Gefallen finden.

http://www.heise.de/tp/artikel/4/4510/1.html
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