Yahoo geht in die Knie

Claus Jahnel 05.01.2001

Das Internet-Portal entfernt Nazi-Angebote aus den Auktionen

Menschenrechtsaktivisten haben eine Erklärung begrüßt, die das Internet-Portal Yahoo am Dienstag abgegeben hat. Darin wird ausgeführt, dass Yahoo keinen Profit mehr aus den Verkäufen von Dingen ziehen will, die rassistisches Gedankengut glorifizieren oder bewerben. So soll ab 10. Januar der Verkauf von Nazi-Andenken und Ku Klux Klan-Memorabilia unterbunden werden.(Das französische Yahoo-Urteil gilt für alle Nazi-Inhalte)

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"Ich denke wir haben die Schlacht gewonnen, so Marc Knoble, ein führender Aktivist der "International League against Racism and Anti-Semitism" (LICRA), der sich einer doch verblüffend kriegerischen Wortwahl befleißigt. LICRA und die "Union of French Jewish Students" (UEJF) hatten die Firma im letzten Jahr angeklagt, über seine Auktionsseiten den Handel mit KZ-Uniformen, Nazi-Dolchen und ähnlichem Sammlergut begünstigt zu haben. Die Yahoo-Gegner unterstellten, dass damit gegen lokale Gesetze verstoßen würde, die Verkauf und/oder Bewerbung von "rassistischem Material" untersagen. Das Internet Portal argumentierte dagegen, dass die entsprechenden Seiten durch ihre Herkunft geschützt würden, man verwies auf den ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung, die legendäre "Freedom of Speech".

Im November wurde die kalifornische Firma von einem französischen Gericht dazu verdonnert, innerhalb von drei Monaten einen Filter einzubauen, der französische Yahoo-Teilnehmer vor der Teilnahme an solchen Auktionen "schützen" würde. Das Urteil wurde mit der Strafandrohung versehen, dass Yahoo für jeden Tag der Fristenüberziehung 100 000 Francs zu berappen hätte.

Gestern gab Yahoo Frankreich bekannt, dass der Beschluss, das Problemgut endgültig aus den Auktionen zu verbannen mit der Absicht verbunden sei, das Anbieten aller Auktionswaren mit Gebühren zu belegen - wovon sich die Firma "mehr Kontrolle über den Handel" verspricht. Allerdings wurde auch auf die Gefahr verwiesen, die dem Internet aus derartiger Regulierung erwachsen könnte:

Hier wurde ein Präzedenzfall geschaffen, dessen Auswirkungen auf die Entwicklung des Internets bedenklich sind. Wir hoffen, dass ein US-Richter feststellen wird, dass ein ausländisches Gericht nicht die Autorität besitzt, einer amerikanischen Firma vorzuschreiben, wie sie zu operieren hat,

so Managing Director Philippe Guillanton.

UEJF-Sprecher Ygal El Harrar vergleicht den Fall mit dem Kampf von David und Goliath. "Immerhin, ökonomische Macht stellt niemanden über das Gesetz oder die Moral", so El Harrar, "wir freuen uns, dass Yahoo seine Sinne wieder beisammen hat".

Die neue Liste von Yahoo beinhaltet Orden, Waffen, Uniformen und andere Gegenstände, die mit einem Hakenkreuz oder anderen Symbolen, die mit rechtsradikalen Gruppierungen identifiziert werden, "verziert" sind. Die selbe Liste verbietet den Handel mit Tabakprodukten, lebenden Tieren und getragener Unterwäsche. Um die neue Richtlinie durchzusetzen, will Yahoo ein neues Überwachungsprogramm in Betrieb nehmen, dass automatisch neue Einträge mit "offensive content" auflistet.

Bleibt abzuwarten, bis auch Napster/Bertelsmann das Nazi-Schreckgespenst dazu benutzt, um seine Benutzer zu kontrollieren und zur Kasse zu bitten. Bahnt sich hier ein Trend an?

http://www.heise.de/tp/artikel/4/4615/1.html
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