Yahoo denkt an die Einführung von geografischer Lokalisierung der Internetbenutzer

08.01.2001

Was beim Prozess in Frankreich noch als technisch unmöglich galt, soll jetzt für den Erhalt von Sportrechten doch funktionieren

Wenn es ums Geld geht, dann führt man ein, was man ansonsten - auch wegen des Geldes - erst einmal bekämpft hat. Das französische Gerichtsverfahren gegen den Internetgoliath Yahoo hat nur an den Tag gebracht, was Sache ist: die Einführung von Grenzen im Internet aus den verschiedensten Motiven. Inzwischen hat Yahoo zwar angekündigt, die Versteigerung von Nazi-Gegenständen nicht mehr zuzulassen (Yahoo geht in die Knie), doch das Urteil, bestimmte Inhalte für französische Internetnutzer zu sperren, hat das Unternehmen just bei eigenen Interessen erwischt.

Während des Verfahrens hatte Yahoo behauptet, die Einführung von geografischen Filtern zur Sperrung bestimmter Inhalte für Bürger bestimmter Staaten sei technisch nicht wirklich möglich. Überdies hat man sich darauf zurückgezogen, dass ausländisches Recht für eine amerikanische Firma im Hinblick auf Inhalte, die von der US-Verfassung geschützt sind, nicht bindend sein kann. Vor wenigen Tagen wurde sogar eine Resolution in den amerikanischen Kongress eingebracht, die Yahoo den Rücken stärken soll und betont, dass US-Provider im Ausland nicht rechtlich für verfassungsgemäße Inhalte von Dritten zur Verantwortung gezogen werden dürfen (Kongress will US-Internetprovider schützen). Begründet wird die Resolution unter anderem damit, dass die Beachtung von nationalen Gesetzgebungen das Internet als globales Kommunikationsmedium schädigen könne. Andererseits macht die Resolution deutlich, dass eben amerikanisches Recht dominieren soll.

Der französische Richter hat in der Urteilsbegründung bereits hervorgehoben, dass Yahoo sowieso schon nationale Grenzen eingeführt habe, indem beispielsweise französische Besucher der Yahoo-Seiten französische Werbung erhalten: "Yahoo kann nicht wirklich behaupten, dass diese Praxis (also die geografische Identifizierung für das Schalten von Werbebannern) eine 'unausgearbeitete Technik' mit begrenzter Zuverlässigkeit darstellt", so das Urteil fast ironisch, "es sei denn, man meint, Yahoo habe sich entschlossen, Geld ohne die Hoffnung auf Gewinne auszugeben, oder dass das Unternehmen bewusst die Werbekunden über die Qualität der Dienste getäuscht habe, die es ihnen anbietet, was hier nicht der Fall zu sein scheint."

Jetzt aber scheint man bei Yahoo auch noch auf anderer Seite umzudenken, berichtet AP. Tonya Antonucci, Sportproduzent von Yahoo, erwägt die geografische Identifizierung der Internetbenutzer, um Rechte für Internet-Direktberichte von der Olympiade zu erhalten. Ende des letzten Jahres hatte das IOC entschieden, das Internet als Medium der Berichterstattung mehr oder weniger auszuschließen, weil es nicht erlaubt, Senderechte regional zu vermarkten (Das IOC mag das Internet nicht). Zwar sei die geographische Lokalisierung der Internetbenutzer, mithin die Voraussetzung für einen regionalen Zugang zu Inhalten und für die Blockierung von Nutzern aus anderen Gegenden, noch nicht 100prozentig, so Antonucci, aber die Technik dafür sei bereits im Wesentlichen vorhanden.

Die Sachverständigen im französischen Yahoo-Prozess, darunter auch Vint Cerf, meinten, dass die geografische Lokalisierung der Internetnutzer nach Herkunftsländern durch ihre IP-Adressen zwischen 20 und 30 Prozent der Benutzer nicht identifizieren könne (IP-Index). Und sie meinten, dass dieser Prozentsatz noch weiter durch internationale Provider wie AOL oder firmeneigene Intranets ansteigen werde. Zudem ließe sich die geografische Identifizierung leicht umgehen. Andererseits gibt es bereits eine ganze Reihe von Firmen, die eine geografische Lokalisierung anbieten. Wer etwa auf die Seite von Infosplit geht, wird gleich einmal verortet (mein Computer wurde nach Deutschland, Niedersachsen, Hannover gebracht, weil die IP-Adresse vom Heise-Verlag mit Sitz in Hannover stammt, während ich aber in München bin).

Um die Genauigkeit zu verbessern, so Antonucci, könnten Sportsites die Identifizierung der IP-Adressen mit Kreditkartenregistrationen oder anderen Prüfungen verbinden. Zutritt zu regional angebotenen Inhalten erhielte dann nur derjenige, der sich vorher ausgewiesen hat. Unumstritten ist die Sache bei Yahoo allerdings nicht, zumindest wahrscheinlich so lange nicht, bis sich die Auswirkungen des französischen Urteils gezigt haben. Heather Killen, die Vizepräsident für internationale Operationen bei Yahoo, sagt so, dass Grenzen "dem Wesen des Internet entgegengesetzt" seien: "Man kann die Menschen nicht wirklich daran hindern, auf alle Informationen zugreifen zu können." Das aber wird dem IOC wiederum nicht gefallen ...

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