Laserwaffe gegen Fernstreckenraketen

Florian Rötzer 16.01.2001

Eine kleinere Variante des von der Bush-Regierung geplanten Raketenschilds ist in Entwicklung: Flugzeuge, die mit Laserwaffen ausgestattet sind

Das von der Bush-Regierung geplante nationale Raketenabwehrschild (NMD), das den Abschuss von Anti-Raketen-Raketen nicht mehr nur, wie während der Clinton-Regierung geplant, auf dem Festland, sondern auch auf See und im Weltraum vorsieht, wird eine Kostenexplosio verursachen. Ursprünglich veranschlagt auf 60 Milliarden Dollar könnte die von Bush bislang favorisierte Variante leicht Hunderte von Milliarden Dollar kosten. Und bislang waren die drei bislang durchgeführten Tests gescheitert.

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Dabei wurden sie gewissermaßen unter optimalen Bedingungen ausgeführt, nicht unter schlechten Wetterbedingungen oder gar unter realistischen Kampfsituationen. Es geht schließlich nicht nur darum, dass der Abschuss einer feindlichen Langstreckenrakete ausgemacht und deren Flugbahn berechnet werden muss, um sie dann kurz nach dem Start durch ein eigenes Geschoss zielgenau ausschalten zu können. Relativ einfach ließen sich viele Attrappen vom Gegner verteilen, die die Zielerkennung täuschen oder verwirren könnten. Zudem könnten Gegner durch Langstreckenraketen Nuklearexplosionen in großer Höhe auslösen, deren Strahlung das NMD-System zerstören oder beeinträchtigen könnte.

Möglicherweise aber könnte ein billigeres System Ähnliches leisten, das früher zum Einsatz kommen und wahrscheinlich auch früher die Konflikte mit den anderen Großmächten wie China oder Russland weiter verschärfen könnte. In einem mit 1,6 Milliarden Dollar ausgestatteten Projekt, entwickelt Boeing für die amerikanische Luftwaffe gerade eine auf einem Flugzeug angebrachte Laserwaffe, mit der sich in Lichtgeschwindigkeit aufsteigende Langstreckenraketen in einer Entfernung von Hunderten von Kilometern zerstören lassen könnten.

Im Rahmen des Airborne Laser Program (ABL), das nach dem Irak-Krieg "Desert Storm" aufgestellt wurde, wird eine Boeing 747 umgerüstet, um aus der Spitze einen starken Laserstrahl ausschicken zu können. "Das Airborn Laser Program ist der Gipfel von über 20 Jahren Forschungsarbeit", sagte der Leiter des Projekt, Ellen Pawlikowski. "Das ist die erste gerichtete Energiewaffe der Air Force, und wir werden sie benutzen, um Scud-Raketen und anderen Raketen aus der Luft abzuschießen, um unsere Truppen auf dem Schlachtfeld zu schützen." Pedro Oms von der Air Force meint, dass die Möglichkeit, etwas mit Lichtgeschwindigkeit über Hunderte von Kilometern hinweg zerstören zu können, den Krieg jetzt und in Zukunft verändern wird: "Wir machen etwas, das möglicherweise revolutionär ist, und wir sind stolz darauf, daran beteiligt zu sein."

Bis dahin ist es noch ein langer Weg, auch wenn bereits 2002 die ersten Tests mit dem Prototypen stattfinden sollen. Fallen die Tests erfolgreich aus, sollen 2003 die ersten Schusstests mit Scud-Attrappen stattfinden - und dann bis 2009 möglicherweise eine Flotte von sechs umgerüsteten 747er bereit stehen.

Fantasie über den Einsatz

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Der Laser wird eine Stärke von mehr als einer Million Watt haben und soll bis zu sieben Minuten lang strahlen. Die Flugzeuge sollen während eines Fluges bis zu 30 solcher Schüsse abgeben können, die allerdings gar nicht den Mantel der feindlichen Rakete durchdringen müssen. Es genüge schon, den Metallmantel zu schwächen. Die Geschwindigkeit der Rakete und der Druck, der auf den Mantel einwirkt, würde dann den Rest besorgen. Bei zwei Attrappen, einer aus Metall und einer aus Polymerverbindungen, habe man die Wirkung des Lasers schon zeigen können.

Zur Erzeugung des Laserstrahls selbst wird die chemische Reaktion zwischen Chlor, Wasserstoffperoxid und Jod ausgebeutet, um die Lichtexplosion zu erzeugen. Der Strahl wird dann durch eine lange verspiegelte Röhre geleitet und tritt an der Spitze des Flugzeugs durch verstellbare Linsen aus. Dazu musste nicht nur die Spitze des Flugzeugs umgebaut und verstärkt werden, sondern auch die Kabine im Rumpf durch eine massive Wand vor dem gefährlichen Gebräu geschützt werden.

Beunruhigend ist, dass nicht mehr Menschen die Laserwaffe auslösen sollen, sondern dies die Aufgabe des Computersystems an Bord der umgerüsteten 747 sein wird. Menschen seien einfach nicht schnell genug, da es nur ein Fenster von 18 Sekunden gibt, um eine Rakete aufzuspüren und abzuschießen. Unter den vorgegebenen Bedingungen wird dann das Computersystem den Laser auslösen. "Wir müssen nicht nur schnell sein, sondern auch sehr vorsichtig damit sein, wohin wir schießen", versichert Oberst Lynn Wills vom Air Combat Command der Luftwaffe. Daher könne man das Abschusssystem auch manuell wieder abschalten.

Alle Fotos: Boeing

http://www.heise.de/tp/artikel/4/4696/1.html
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