Testet China eine neue Antisatellitenwaffe?

22.10.2013

Chinesische Satelliten tanzen ein ungewöhnliches Pas de Quatre im Orbit - und US-Beobachter werden nervös

Am 20.07.2013, um 05:37 UTC wurden vom Taiyuan Satellite Launch Center auf einer Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 4C drei Satelliten in den Orbit geschossen und begannen einen seltsamen Tanz. Die Fluggäste waren Shiyan 7 - Experimental-7 (NORAD "Payload A" 2013-037A/39208), Chuangxin 3 - Innovation-3 (NORAD "Payload B" 2013-037B/39209) und Shijian 15 - Praxis-15 (NORAD "Payload C" 2013-037C/39210). Der letztere ist, so wird vermutet, mit einem Roboterarm ausgestattet.

Start der Rakete mit den drei Satelliten am 20. Juli. Bild: china.cn

Die Bezeichnungen NORAD "Payload X" 2013-037X/ ... sind die Katalognummern der US-Raumüberwachung des North American Aerospace Defense Command. Die chinesischen Typbezeichnungen und die technische Ausstattung der Satelliten sind plausible Vermutungen, es bleiben an diesem Punkt jedoch gewisse Unsicherheiten, da die Chinesen nur sehr lückenhafte Informationen zu diesem Projekt bekannt geben. "Das Experiment diene einzig und allein wissenschaftlichen Zwecken", sehr viel mehr erfährt man nicht. Die Bahndaten der Satelliten beruhen jedoch auf gesicherten Beobachtungen.

Die drei Satelliten kreisten zunächst auf einem gemeinsamen Orbit zwischen 661 km und 673 km, wobei "Payload C" sich etwa 2000 km weit von seinen Kollegen absetzte. Das Ballett im Himmel begann, als "Payload C" offenbar Sehnsucht nach einem seiner Startpartner bekam, jedenfalls kehrte er zu "Payload B" zurück und rückte ihm am 6. August ziemlich auf die Pelle. Der Abstand betrug nur mehr 3 km und er ließ sich von seinem Tanzpartner ein- und überholen, um dann wieder durchzustarten und zu ihm aufzuschließen. Am 9. August flogen sie in Formation 10 km voneinander entfernt, bis "Payload C" die Sache zu langweilig wurde und er am 10. August langsam wieder Gas gab und in 2 km Distanz an ihm vorbeizog. Der Abstand wuchs auf einen halben Erdorbit an und es schien, als ob er sich an "Payload B", die Kreisförmigkeit der celestischen Bühne ausnutzend, tückisch von hinten anschleichen wollte.

Am 18. August hatte er jedoch offenbar von der Flirterei die Nase voll und suchte sich überraschend etwas Neues. Er wechselte den Orbit und flog zu dem schon etwas älteren Satelliten Shiyan 7 - Experimental-7 (NORAD 2005-024A/28737) aus dem Jahr 2005 auf der niedrigeren Bahnkurve zwischen 565 und 610 km, näherte sich dem neuen Objekt der Begierde bis auf ein paar hundert Meter, verbrachte die nächsten zwei Tage bei seinem neuen Freund und tändelte ein bisschen mit ihm rum. Doch die neue Beziehung hielt nicht lange und (reumütig?) kehrte er auf seinen alten Orbit und in die Nähe seines alten Flugpartners zurück, hielt sich aber auf Distanz von etwa 100 km zu ihm. Und so kreisen die vier noch heute. "Payload A" blieb die ganze Zeit merkwürdig unbeteiligt.

Die Bahndaten findet man hier. Eine detaillierte Beschreibung der vier Satelliten incl. Übersichtsgrafik und Hinweise zu den Typbezeichnungen gibt es hier. Infos über den Start, über die wissenschaftliche Legende und über die technische Ausstattung der Satelliten finden sich auch auf raumfahrer.net.

Auf dieser deutschen Seite zu Fragen der Raumfahrt und der Astrowissenschaft bleibt das Ganze jedoch sehr schön harmlos. Anders in den USA. Die kuriosen Flugmanöver von NORAD "Payload C" 2013-037C/39210 lösten dort helle Aufregung aus. Dass Satelliten komplizierte Flugbewegungen im Orbit ausführen, ist an sich schon ungewöhnlich. Die meisten fliehen ruhig vor sich hin. Es braucht eine avancierte Technik, um so etwas zu realisieren. Und dass sie einander dabei so nahe kommen, wie in diesem Fall ist ein sehr seltenes Manöver.

Schon die Überschriften klangen besorgniserregend:

Man glaubt der Erklärung der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, die drei Satelliten dienten "scientific experiments on space maintenance technologies", nicht so recht. Stattdessen gehen die Vermutungen dahin, China erprobe eine neue Antisatellitenwaffe, die den gegnerischen Satelliten im Nahkampf ausschalten soll.

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