Rekord: Über 90 Millionen US-Amerikaner stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung

25.10.2013

Im Unterschied zu anderen Ländern schrumpft in den USA das Erwerbspersonenpotenzial seit Beginn der Wirtschaftskrise

Die Arbeitslosenrate lag in den USA im September bei 7,2 Prozent. 11,3 Millionen Menschen waren arbeitslos gemeldet, während gegenüber dem Vormonat 140.000 Jobs entstanden sind. 36,9 Prozent der Arbeitslosen sind Langzeitarbeitslose.

Aber die Zahlen täuschen. Das Bureau of Labor Statistics kennt auch den Begriff des Erwerbspersonenpotenzials, also die Zahl der Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Zur Labor Force Participation Rate gehören die Beschäftigen und die Arbeitslosen über 16 Jahren, die aktiv in den letzten vier Wochen nach einem Job gesucht haben. Aber es gibt auch Menschen, die älter als 16 Jahre sind und sich nicht oder nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Und diese Zahl hat im September mit 90,609.000 Millionen einen Rekordwert erreicht.

Erstmals ist die Zahl der Amerikaner, die weder einen Job haben, noch nach Arbeit suchen, im August über die Mark von 90 Millionen geklettert. In einem Monat wendeten sich mehr als eine halbe Million Menschen vom Arbeitsmarkt ab. Das heißt natürlich keineswegs, dass sie nicht arbeiten, sie können dies ja schwarz tun. Das Erwerbspersonenpotenzial ist logischerweise im selben Zug auf 63,2 Millionen gefallen. Zwischen 2003 und 2007 schwankte die Zahl um 66 Millionen, seit 2008, also seit Beginn der Wirtschaftskrise, ist es kontinuierlich gesunken, während die Zahl der Menschen, die seit Obamas Amtsantritt 2009 mitten in der Finanzkrise nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, um mehr als 10 Millionen angestiegen ist.

Neben der allgemeinen Arbeitsmarktsituation wird die steigende Zahl der Baby Boomer dafür verantwortlich gemacht, die sich aus dem Arbeitsleben in die Rente zurückziehen und die nicht durch junge Menschen ersetzt werden. Ein anderer Grund ist, dass der Anteil der Frauen am Erwerbspersonenpotenzial gesunken ist, auch wenn die Arbeitslosenrate bei Frauen geringer ist als bei den Männern: Hatte er 2000 noch 47 Prozent betragen und ist auf 59,4 Prozent im Jahr 2009 gestiegen, so fiel er danach auf 57,1 Prozent im September 2013 zurück. Allerdings wuchs die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter auch in den letzten Jahren in den USA etwa von 233,788 Millionen im Jahr 2008 auf 243,284 Millionen im Jahr 2012 im Unterschied zu Ländern wie Deutschland, Japan oder Frankreich weiter an.

Frauen haben seit den 1960er Jahren das Erwerbspersonenpotenzial stark mit einem jährlichen Zuwachs von 2,6 Prozent ansteigen lassen: von 34 Prozent 1950 (18 Millionen Frauen) auf 60 Prozent (66 Millionen) im Jahr 2000. 2002 nahm man noch an, dass das Wachstum weiterhin jährlich 0,7 Prozent betragen wird. Allgemein ging man von einem Wachstum bei Männern und Frauen von 0,6 Prozent aus. So können also unvorhergesehene Entwicklungen Prognosen falsifizieren.

Das Erwerbspersonenpotenzial ist in den USA von 65,4 Prozent (2009) auf 63,7 Prozent (2012) gefallen. Damit liegt es gleichauf mit dem in Großbritannien (63.4%), während es noch deutlich über dem von anderen europäischen Ländern wie Italien (49%), Frankreich (55,9%) oder Deutschland (59,2%) liegt. Der Grund besteht auch darin, dass in diesen Ländern ein kleinerer Teil der Frauen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. In Schweden oder Holland liegt das Erwerbspersonenpotenzial bei 65,2 bzw. 64,8 Prozent, weil hier ebenso wie in den USA mehr Frauen arbeiten. In den meisten Ländern ist jedoch das Erwerbspersonenpotenzial nicht gesunken, sondern hat meist geringfügig zugenommen.

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