Verbot von autonomen tödlichen Waffensystemen gefordert

15.11.2013

Wissenschaftler hoffen darauf, dass autonome Kampfroboter von den Vereinten Nationen zum Thema gemacht werden, um ein Verbot zu erreichen

Bislang sind nur ferngesteuerte bewaffnete Drohnen im Einsatz, aber sie haben die Schwelle zur Anwendung von Gewalt schon gesenkt. Bild: MoD

Im Oktober unterzeichneten fast 300 Robotik- und Computerwissenschaftler aus 37 Ländern einen Aufruf, die Entwicklung von autonomen Kampfrobotern zu stoppen. Das International Committee for Robot Arms Control (ICRAC) hat die vor kurzem gegründete Campaign to Stop Killer Robots mit begründet und hofft, auf der UN-Konferenz der Konvention über das Verbot oder die Beschränkung des Einsatzes bestimmter konventioneller Waffen (CCW) das Thema lancieren und ein Verbot erreichen zu können.

Die 2009 gegründete Gruppe mit dem Vorsitzenden Robotikwissenschaftler Noel Sharkey, fordert ein Verbot, weil autonome Kampfroboter den globalen Frieden und die Sicherheit gefährden würden. Die Begrenzungen und unbekannten Risiken dieser Technik seien zu groß. Entscheidungen über den Einsatz von tödlicher Gewalt müssten weiterhin zur Wahrung der Menschenrechte, der Menschenwürde, des humanitären Rechts und des öffentlichen Gewissens von Menschen und nicht von Maschinen getroffen werden. Zudem wird vor einem Wettrüsten gewarnt, autonome Roboter könnten auch gehackt, gestört oder nachgebaut werden.

Die Gruppe wendet sich nicht prinzipiell gegen ferngesteuerte Kampfroboter, da hier das Kriegsrecht weiter angewandt werden könne und die Verantwortung bei den Menschen liege. Sie zeigt sich erfreut über die Absicht der CCW, dass nächstes Jahr Expertenmeinungen über tödliche Robotersysteme eingeholt werden sollen, rät aber dazu, auch alle autonomen Waffensysteme zu einzubeziehen, weil auch weniger oder nicht tödliche Waffen unnötiges Leiden verursachen können. Auch wenn autonome Roboter nur programmiert seien, Material anzugreifen, könne das zu unerwarteten Folgen führen. Gefordert wird ein Mandat für eine Gruppe aus Regierungsexperten, nicht nur eine Anhörung, da man in drei Tagen kaum die Problematik angemessen behandeln könne.

Der hat der französische UN-Botschafter Jean-Hughes Simon-Michel den Vorsitz, so dass sich auf ihn die Hoffnungen stützen. An einem Veto könnte aber die Beratung über tödliche autonome Robotersysteme scheitern, Frankreich selbst dürfte auch nicht sehr interessiert sein, auch Simon-Michel im September bereits ein Seminar darüber veranstaltet hat, Großbritannien, Israel und die USA schon gar nicht.

In den USA gibt es das Phalanx Close-In Weapon System (CIWS) für die Marine, das offenbar auch automatisch Gefahren entdecken und zerstören kann. Südkorea hat schon vor Jahren an der Grenze zu Nordkorea Waffensysteme von Samsung installiert, die automatisch Bedrohungen entdecken und auf diese schießen können. Und in Großbritannien wird die halbautonome Tarnkappen-Kampfdrohne Taranis entwickelt, die den Weg zu einem autonomen System einleitet. Auch in Israel werden autonome Waffensysteme entwickelt.

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