Probleme der Energiewende und die ganz andere Atomenergie

25.01.2014

Leichtwasserreaktoren werden heute vielfach als historische Sackgasse angesehen. Aber schüttet man nicht das Kind mit dem Bade aus, wenn man jede Form von Kernkraftnutzung tabuisiert?

2013 schlugen die Vereinten Nationen Alarm, die Welt werde ihren Kampf gegen die Klimaerwärmung verlieren, es sei denn, die Länder würden ihre CO2-Emissionen in kürzester Zeit drastisch zurückfahren. Bei weiteren Versäumnissen könnte gar ein Klima-Gau drohen, wenn auftauender Permafrostboden oder schmelzendes Methaneis auf dem Meeresgrund das im Vergleich zu CO2 etwa 25-fach wirksamere Klimagas Methan freisetzen würde. Durch einen Rückkopplungsprozess könnte die Situation dann völlig außer Kontrolle geraten. Präzise Prognosen lassen sich zu diesen Gefahren bislang kaum machen, aber da wir nur einen bewohnbaren Planeten haben, ist wohl allerhöchste Vorsicht geboten.

Die deutsche Politik hat sich zur sogenannten Energiewende entschlossen, die Begründungen dazu erinnern allerdings mehr an Glaubensbekenntnisse denn an fachliche Information. Es stehen massive politische, ideologische und auch wirtschaftliche Interessen dahinter, da kann gezielte Desinformation manchmal schon recht hilfreich sein! Deshalb soll in diesem Artikel versucht werden, dem Leser soviel technische Information an die Hand zu geben, dass er die Behauptungen selber auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen kann. Leider sind einige Literaturquellen englischsprachig, aber mit etwas Schulenglisch und Dreisatzrechnung ist die Sache zu verstehen.

Unsere Öko-Apologeten behaupten seit Jahr und Tag, dass Deutschland der Vorreiter einer Zukunftstechnologie sei, die das Problem lösen würde, zu der es keine sinnvolle Alternative gebe und die viele Arbeitsplätze im Lande schaffen würde. Bei der Solarenergie blättert der Lack aber schon langsam ab, da ist der Job des Konkursverwalters z.Zt. wohl der sicherste, denn auch ohne Subventionen können die Chinesen das billiger. Bei den Windkraftanlagen werden Chinesen und Koreaner wohl auch bald zu einer harten Konkurrenz.

Wenn Deutschland bei erneuerbaren Energien die Nase so weit vorn haben soll, muss man sich doch mal fragen, warum das Ausland diesen Fortschritt nicht einfach kopiert und auch seine Kernkraftwerke stilllegt. Anstatt Deutschland zu bewundern, verwundern sich ausländische Fachleute über Germany oder spotten gar auf Konferenzen über die Energiewende. Sollte es etwa so sein, dass die Versprechungen unserer Politiker nicht allzu viel taugen? Zumindest kann man festhalten, dass Deutschland allein diesen Weg einschlägt und damit für das Weltklima soviel wie nichts erreicht.

Im Spiegel-Debattenbeitrag Erdgas gegen den Klimawandel rechnet der dänische Experte Bjørn Lomborg vor, dass bei uns mit einem Aufwand von mehreren hundert Milliarden Euro bis zum Jahrhundertende die Erderwärmung gerade mal um fünf Tage verzögert wird, sprich das Geld verpulvert wird.

Da unsere Öko-Fanatiker den Rest der Welt zu so einer Luxussanierung des Weltklimas nicht zwingen können, müssen sie scheitern. Es wäre auch wohl keinem Entwicklungsland zuzumuten, seine knappen Ressourcen zur Behebung von Problemen auszugeben, die überwiegend von den reichen Industrienationen geschaffen worden sind. Man wird also weiterhin Kohlekraftwerke bauen, die den Strom am billigsten erzeugen können und deren Brennstoff, die Kohle, noch etwa 200 Jahre reicht, genug um den Planeten völlig zu ruinieren!

Es gibt nur einen Weg, diese Katastrophe zu vermeiden, und der besteht darin, eine klimaneutrale Energiequelle zu entwickeln, die Strom zu gleichen oder niedrigeren Preisen erzeugen kann wie ein Kohlekraftwerk. Dann braucht man keinem mehr etwas vorzuschreiben, da er es aus Eigeninteresse von selber machen wird!

Dass die erneuerbaren Energien dazu wenig taugen, wird wohl jeder angesichts der Strompreis-Diskussionen ahnen, weiter unten werde ich dies aber noch genauer belegen. Es gibt nur eine Energieform, die dazu das Potenzial hat, und das ist die Kernenergie!

Den Aufschrei der Grünen, den ich mit dieser Behauptung auslöse, höre ich schon und gebe ihnen bei fast allen Einwänden sogar recht, aber das sind Argumente, die eine veraltete und zweifelhafte Technologie aus den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts betreffen. Diese Schwierigkeiten könnte man heute mit einem total anderen Reaktorkonzept, dem Thorium-Flüssigsalzreaktor, weitestgehend vermeiden.

Dieser Reaktor würde geradezu hundertprozentige Sicherheit bieten, da alle bisherigen Unfallursachen wie in Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima bei ihm prinzipiell unmöglich sind. Mit einer angeschlossenen Aufarbeitung des flüssigen Salzes wäre es möglich, den im Betrieb erzeugten Atommüll auf ca. ein Tausendstel der Menge, die heutige Leichtwasserreaktoren produzieren, zu reduzieren, und man müsste diese geringe Menge nur etwa dreihundert Jahre lagern, eine überschaubare Zeit.

Es besteht bei diesem Reaktortyp sogar die Möglichkeit, durch Transmutation den Inhalt der alten Kernbrennstäbe heutiger Reaktoren ebenfalls in dreihundert Jahre zu lagernden Müll zu verwandeln und dabei noch eine gewaltige Menge Energie zu gewinnen. Unter diesem Gesichtspunkt ist es das Falscheste, was man machen kann, die alten Kernbrennstäbe zu vergraben, denn es wird wohl keiner behaupten wollen, dass es einfacher und billiger wird, auf diesen Müll ca. eine Million Jahre aufzupassen, als ihn gewinnbringend im Reaktor zu verbrennen.

Dieser Reaktortyp ist keineswegs Science-Fiction, man hat in Oak Ridge in den USA einen solchen Typ 1964 gebaut und ihn jahrelang erfolgreich betrieben. Dass diese Entwicklung eingestellt wurde, ist wohl eine der größten jemals getroffenen Fehlentscheidungen, die unter rein militärischen Gesichtspunkten getroffen wurde, bei denen Sicherheit und Atommüll kaum eine Rolle spielten.

Diese Technologie ist lange in Vergessenheit geraten, nicht zuletzt, weil die etablierte Atomindustrie wenig Lust verspürt, Neuentwicklung zu betreiben, solange ihre alten Produkte sich bestens verkaufen lassen. Seit ca. zehn Jahren wird in der Fachpresse aber wieder viel darüber diskutiert, man gebe nur einmal bei Google die Begriffe Thorium und Reactor ein, um sich davon zu überzeugen.

Um so erstaunlicher ist es, dass bei uns in der politischen Diskussion kein Sterbenswörtchen darüber zu hören ist. Bei den Grünen versteht man es, ist doch die Atomhysterie geradezu ihr Betriebskapital, und unsere Bundesregierung will ihre Energiewende offensichtlich auch nicht durch zu viel Information in Gefahr bringen. Haben unsere Politiker und ihre Helfer wirklich noch nichts von diesem Potenzial der Kernenergie gehört, oder wird dieser Aspekt aus politischen Gründen verschwiegen? Ersteres spräche gegen ihren Kopf, Letzteres gegen ihren Charakter!

Die Grundlagen dieser Technik werden in Robert Hargraves Buch Thorium: Energy Cheaper than Coal beschrieben und die Geschichte ihrer Entwicklung und der erwähnten Fehlentscheidung in Richard Martins SuperFuel: Thorium, the Green Energy Source for the Future. Da nun aber dem Leser kaum zuzumuten ist, dicke englischsprachige Bücher darüber zu lesen, werde ich im letzten Teil dieser Abhandlung die Technik näher erklären.

Bevor die verschiedenen Energiequellen näher untersucht werden, seien noch einige Zahlen genannt, die zeigen, welch enorme Anstrengungen notwendig sind, um die Klimakatastrophe abzuwenden. In Robert Hargraves Buch1 wird eine Prognose der amerikanischen Energy Information Administration (EIA) genannt, nach der 2035 weltweit 11200 GW thermische Leistung (ohne Elektrizitätserzeugung) und 2600 GW elektrische Leistung benötigt werden.

Setzt man sich zum Ziel, in den nächsten fünfzig Jahren die Stromerzeugung auf moderne Kernkraftwerke umzustellen, und nimmt man als Daumenpeilung für ein schon nicht gerade kleines Kraftwerk eine Leistung von 1 GW an, so hieße das, dass ca. 2600 Kraftwerke gebaut werden müssten, also etwa jede Woche eins, wobei die Zeit für die Entwicklung noch nicht einmal berücksichtigt wurde!

Da der Flüssigsalzreaktor sich sehr gut skalieren lässt, könnte man zur Serienfertigung von Einheiten von etwa 100-200 MW übergehen, die in Fabriken ähnlich der Flugzeugproduktion gebaut und als Einheit zum Aufstellungsort transportiert würden. Das würde die Kosten und die Zulassungsprobleme enorm senken. Im Gegensatz zum Leichtwasserreaktor auf Uranbasis sind bei Thorium in den nächsten zehntausend Jahren keine Engpässe zu erwarten.

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