"Das wichtigste Rezept besteht darin, keine Konsumschulden zu machen"

12.12.2013

"Investmentpunk" Gerald Hörhan über seine Finanzschule, die den richtigen Umgang mit Geld lehren soll

Der selbst ernannte "Investmentpunk" Gerald Hörhan (siehe Investmentpunks suchen nach Alternativen aus dem Hamsterrad) hat vor zweieinhalb Jahren eine Finanzschule gegründet, um Privatpersonen für mehr Bildung in finanziellen Fragen des Lebens zu motivieren. Das ist einerseits ein gutes Geschäft, andererseits scheint es dringend notwendig zu sein. Wie viel Finanzbildung braucht es, um erfolgreich zu sein? Kann der private Anleger den Fluss des Geldes überhaupt selbst produktiv steuern oder bleibt dies ein unerreichbares Ziel? Kurz, welche Kenntnisse und Fertigkeiten kann solch eine Finanzschule vermitteln?

Versprochen wird: "Hier lernen Sie Geld." Links auf dem Foto: Gerald Hörhan.

Herr Hörhan, in Ihrem Buch Investmentpunk schildern Sie die Mittelschicht als willfährig funktionierend im Hamsterrad. Sie empfehlen den Lesern auszubrechen und zurückzuschlagen. Wie viele Buchexemplare haben Sie denn verkauft, wie fiel die inhaltliche Resonanz aus?

Gerald Hörhan: Von dem Buch Investmentpunk sind rund 70.000 Exemplare verkauft worden. Es dürfte mittlerweile von mehr als 100.000 Menschen gelesen worden sein. Viele Menschen sind beispielsweise dazu bewogen worden, eine Eigentumswohnung zu kaufen, keine Konsumschulden zu machen und auch sonst keinen Blödsinn mit ihrem Geld anzustellen. Die Resonanz ist also insgesamt sehr positiv zu sehen. Auch viele junge Menschen haben das Buch gekauft, die im Leben etwas erreichen möchten und berechtigterweise die alten Eliten und Patentrezepte in Frage stellen.

Vor zweieinhalb Jahren haben Sie eine Finanzschule gegründet, um den Menschen den richtigen Umgang mit dem Geld zu vermitteln. Wie kam es zu der Idee und was ist das Ziel?

Gerald Hörhan: Wir möchten den Teilnehmern des Seminars zunächst wirtschaftliche Grundbegriffe näher bringen, die es für den richtigen Umgang mit dem Geld braucht. Im zweiten Schritt lernen die Teilnehmer dann konkret und detailliert, wie man etwa Immobilien, Aktien und Anleihen kauft oder Firmenanteile erwirbt. Es ist wie bei einer Fahrschule, denn ähnlich wie beim Autofahren sollte man vorher einen Kurs machen, um sich erfolgreich auf den Finanzmärkten bzw. als Investor zu bewegen.

Gerald Hörhan: Wie sieht in der Finanzschule die Aufgabenteilung zwischen Ihnen und Ihren Partnern aus?

Gerald Hörhan: Wir verkaufen keine Finanzprodukte, sondern befähigen die Leute, selbst erfolgreich zu sein. Dazu sind unterschiedliche Sichtweisen wichtig, zu denen wir mit der Finanzschule beitragen, aus denen die Teilnehmer die für sie jeweils passenden Schlussfolgerungen ziehen können.

Dass normale Menschen von Banken abgezockt werden ist nicht neu, aber wie kann der normal begabte Finanzanleger denn dagegen ankommen?

Gerald Hörhan: Das wichtigste Rezept besteht darin, erst einmal keine Konsumschulden zu machen oder kein Eigenheim auf Pump auf dem Land zu kaufen. Denn deren Wert sinkt aufgrund des Standorts in Zukunft. Ich rate deshalb zu einem Investment von kleineren Immobilien, sprich Eigentumswohnungen in größeren und mittleren Städten, deren Bewertung man allerdings genau unter die Lupe nehmen sollte. Da die Immobilienpreise in den letzten 2 Jahren stark angestiegen sind, muss man auch hier sehr vorsichtig sein. Der Normalbegabte könnte sich außerdem entweder selbst intensiver mit dem Investieren beschäftigen oder aber einen guten Berater suchen. Auch hierfür liefern wir entsprechendes Know-how und Bewertungskriterien. Aber noch einmal, die wichtigste Erkenntnis für Viele lautet erst einmal, jegliche Form von Konsumschulden zu vermeiden.

Den meisten Menschen fehlt es an Disziplin

Auf Ihrer Homepage sagen Sie, dass das Leben für 80 Prozent der Kursteilnehmer anschließend ohne nennenswerte Änderungen weiter geht. 20 Prozent aber würden beginnen, ihr Leben in finanziellen Dingen auf den Kopf zu stellen. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Gerald Hörhan: Das ist unser Praxiswert, der in etwa dem Vergleich aus amerikanischen Finanzseminaren entspricht. Wodurch kommt die hohe Quote zustande? Den meisten Menschen fehlt es an Disziplin. Wer die mitbringt und ein gewisses Streben entwickelt, der hat gute Karten, erfolgreich auch in Dingen der Geldanlage zu sein.

Wie sehen denn die Teilnehmer aus, aus welchen sozialen Schichten und Berufsgruppen stammen sie, gibt es auch Frauen, die sich für das Thema interessieren?

Gerald Hörhan: Da haben wir ein buntes Bild, von Alt bis Jung ist alles vertreten. Auch zwischen Arm und Reich ist alles vertreten. Wir haben rund 40 bis 80 Teilnehmer pro Kurs.

Wenn man hinter die Kulisse der Finanzschule blickt, so fällt auf, dass sich letztlich auch dort wieder professionelle Vermögensberater hinter den Coaching-Angeboten verbergen. Ist das nicht ein Widerspruch in sich, den Menschen einerseits den selbstbewussten Umgang mit den eigenen Finanzen zu vermitteln und sie andererseits doch wieder in die Fänge der so genannten Finanzberater = Produktverkäufer weiter zu reichen?

Gerald Hörhan: Vermögensberatung selbst bieten wir übrigens keine. Das ist ein Missverständnis. Wir bieten aber Coaching-Angebote an, um einzelne Themen Eins-zu-Eins weiter zu vertiefen. Die Palette umfasst dabei ganz unterschiedliche Aspekte, die ganz von den Bedürfnissen der jeweiligen Teilnehmer abhängen. Wir bieten beispielsweise Workshops und individuelle Coachings an, wo wir erklären, wie man eine Immobilie kauft oder sich an einer Firma beteiligt.

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