Britische Regierung plant massives Fracking-Programm

20.12.2013

Versprochen werden Energiesicherheit, Arbeitsplätze und Gewinne für betroffene Gemeinden, Umweltrisiken werden klein geredet

Die britische Regierung, die weder mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien noch mit dem geplanten Neubau von AKWs vorankommt, hat offenbar interessiert in die USA geschaut, wo trotz aller Umweltbedenken ein Fracking-Boom ausgebrochen ist und dort gehofft wird, mit dem noch billigen Schiefergas nicht nur die Energiekosten senken, sondern auch zum größten Öl-Exporteur zu werden und energieintensive Unternehmen anzulocken.

Gelb markiert sind die Gebiete, in denen nach dem Willen der Regierung zusätzlich Fracking-Lizenzen ausgestellt werden können. Bild: gov.uk

Die britische Regierung hat schon letztes Jahr das Office of Unconventional Gas and Oil (OUGO) eingerichtet, um ein umfassendes Frackingprogramm vorzubreiten ("make the best use of our natural resources"). Nach einem Kommissionsbericht geht man von großen Schiefergasvorkommen aus und sieht vor, dass Bohrungen auf 96.000 Quadratkilometern vorgenommen werden können. Betroffen sein könnte 40 Prozent der Fläche Großbritanniens oder fast Zweidrittel der Fläche Englands sein, auch Naturparks und Umweltschutzgebiete werden nicht verschont. Die Umweltrisiken seien niedrig, wenn die Bohrungen richtig durchgeführt werden, so ein Regierungsbericht.

Man hofft, durch massives Fracking die Energiesicherheit herstellen und bis zu 32.000 neue Arbeitsplätze schaffen zu können. Vorgesehen ist die Vergabe von 50-150 Lizenzen, 20-240 Testbohrlöcher könnte es geben, woraus 30-120 Pads mit jeweils 6-24 Quellen auf jeweils 3 Hektar Land entstehen könnten. Für jede Quelle würden 10.000 bis 25.000 Kubikmeter Wasser zum Einpressen benötigt, 24-51 Lastwagen würden täglich fahren müssen, eine Quelle könnte eine Lebensdauer von 20 Jahren haben. Insgesamt könnten bis zu 144 Milliarden Liter Wasser verpresst werden und 108 Milliarden Abwasser entstehen. Allerdings sei noch nicht praktisch abschätzbar, wie viel Schiefergas wirklich und kosteneffizient gefördert werden kann.

Unternehmen sollen durch Steuererleichterungen angelockt werden, während den Gemeinden 100.000 Pfund pro Quelle und ein Anteil von 1 Prozent an den Gewinnen versprochen wird. Jetzt kam allerdings heraus, dass die Regierung nicht vorgesehen hat, dass die Frackingunternehmen die Besitzer von Grundstücken direkt benachrichtigen müssen, wenn sie unter diesen bohren. Sie müssen nach dem Planungsministerium nur einen Hinweis in einer Lokalzeitung machen, Bohrstellen kennzeichnen und eine Konsultation durchführen. Fracking kann Mini-Erdbeben auslösen, wie das in Blackpool 2012 geschehen ist, es kann das Grund- und Oberflächenwasser kontaminieren und zur Luftverschmutzung beitragen.

Jedes Grundbesitzer einzeln zu benachrichtigen, könne man den Unternehmen nicht zumuten, heißt es aus der Planungsbehörde, zudem könnte gar nicht immer gewusst werden, bis wohin genau das Wasser verpresst wird. Nach dem Planungsstaatssekretär sei es oft nicht möglich, "die exakte Route jeder lateralen Bohrung zu identifizieren". Während die Regierung das Fracking vorantreiben will, sind nicht alle Abgeordneten darüber glücklich, wenn dies in ihren Wahlkreisen geschieht. In Blackpool und anderen Orten hat es bereits Proteste gegeben. Mit der Ausweitung des Fracking werden die Proteste zunehmen.

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