Fracking: Strafprozess in den USA zu langfristigen Umweltschäden

06.01.2014

Die ExxonMobil-Tochter XTO Energy muss sich vor Gericht wegen Grundwasserverschmutzung verantworten

Der amerikanische Präsident lobt Fracking und amerikanische Industrievertreten lieben es, war Ende des vergangenen Jahres über den Fracking-Boom der USA zu lesen. "Das erste Mal in fast zwei Jahrzehnten produzieren wir hier zu Hause mehr Öl, als wir vom Rest der Welt kaufen", freute sich Obama.

Die heimische Öl-Produktion sei auf "dem höchsten Stand seit 24 Jahren", jubelte das Weiße Haus und die IEA prophezeite, dass die USA 2015 die Rolle des global führenden Erdölproduzenten übernehmen werde. Eingeschränkt wurde diese Erfolgsmeldung in den Augen der US-Industrie allerdings mit dem Hinweis, dass Peak Oil dadurch aber nur "um ein paar wenige Jahre verschoben" werde (Peak Oil bleibt trotz Fracking ein Thema).

Umweltschützer und Kritiker weisen längst auf Risiken der Fracking-Fördermethode hin, besonders auf mögliche Kontamination des Grund-und Oberflächenwassers. In den USA steht der Kritik allerdings eine breite Front von Lobbyisten entgegen, die sich für mehr Fracking stark macht (vgl. Wunschliste der US-Konzerne für 2014). Als großer Player gilt die konservative Organisation ALEC, das mit einem anderen mächtigen Lobbynetzwerk, dem der einflussreichen Koch-Brüder (vgl. Das Geld wählt mit), in engerer Beziehung steht.

ALEC sowie vor allem den Think Tanks und Institutionen, die vom Netzwerk der Koch-Brothers finanziert werden, wird von Kritikern vorgeworfen, dass sie auf wissenschaftliche Arbeiten und Statements von Wissenschaftlern Einfluss nehmen, um ihnen mißliebige Kritik zu untergraben (Geld kauft Wissenschaft). Das Netzwerk der Koch-Brüder kann dabei aus einem üppigen Spendertopf schöpfen, nicht nur der beiden Milliardärsbrüder, sondern auch von anderen Geldgebern, wie die Washington Post heute berichtet (vgl. Koch-backed political network, designed to shield donors, raised $400 million in 2012).

Daran lässt sich ablesen, wie viel Lobbydruck beim Thema Fracking in den USA im Spiel ist. Umso bemerkenswerter ist die Entscheidung eines Richters in Pennsylvania, der vergangene Woche eine strafrechtliche Anklage in acht Punkten gegen die ExxonMobil-Tochter XTO Energy für ein Gerichtsverfahren zuließ.

Mehr als 200.000 Liter chemisch versetztes Fracking-Abwasser in den Boden gesickert

Es geht in dem Fall um die Verschmutzung von Grundwasser in einem Fracking-Förderfeld in Pennsylvania ("Marcellus Shale drilling site"). Vorgeworfen wird XTO Energy, dass das Unternehmen im Zusammenhang der Fracking-Förderung im Jahre 2010 "zehntausende Gallonen (3,785 Liter)" von mit Chemikalien versetztem Fracking-Abwasser verklappt hat. Insgesamt sollen mehr als 200.000 Liter des "Wastewater" im Boden versickert sein.

XTO Energy bestreitet die strafrechtliche Relevanz der Vorwürfe mit dem Hinweis, dass dies keine "dauerhafte (schädliche, Einf. d.A.) Auswirkung auf die Umwelt" habe und solche Vorwürfe "gute mit der Umwelt in Einklang stehende Praktiken" entmutige. Dem stehen, worauf die amerikanische Publikation Think Progress hinweist, Untersuchungen entgegen, die gesundheitliche Schäden durch Grundwasser in Gebieten behaupten, in denen es viel Fracking-Förderung gibt.

In Pennsylvania dürfen Mediziner nichts darüber verbreiten, welche chemischen Zusätze beim Fracking verwendet werden. Soviel ist klar: Der Prozess gegen XTO Energy steht auf brisantem Gelände.

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