Mehr als 600 Millionen Menschen würden gerne ihr Land verlassen

21.01.2014

Nach den USA stehen Großbritannien, Kanada und Frankreich als Migrationsziele ganz oben

Der Auswanderungswunsch ist weltweit erheblich. Nach Gallup-Erhebungen aus dem letzten Jahr würden 13 Prozent der Erwachsenen, mithin 630 Millionen Menschen, gerne ihr Heimatland verlassen und woanders ihr Glück zu suchen. Am begehrtesten sind weiterhin die USA. Dem "amerikanischen Traum" würden 138 Millionen Menschen folgen. Nach den USA stehen Großbritannien, Kanada und Frankreich als Migrationsziele ganz oben. Nach Saudi-Arabien wollen 29 Millionen, an sechster Stelle steht Deutschland, wohin es 28 Millionen ziehen würde.

Wenn alle auswandern würden, die sich dies vorstellen, dann würde nach dem Potienziellen Netto-Migrationsindex (PNMI) von Gallup die Bevölkerung in Amerika um 13, in Europa um 10 und im Nahen Osten/Nordafrika um 4 Prozent zunehmen, während sie in Asien um 6 Prozent und in Afrika südlich der Sahel-Zone gar um 24 Prozent abnehmen würde. Daran wird deutlich, wo die Not am größten ist.

Der PNMI gibt die nach Umfragen geschätzte Zahl der Menschen als Teil der gesamten erwachsenen Bevölkerung an, die gerne permanent auswandern wollen, vermindert um die Zahl der Menschen, die in dieses Land einwandern wollen. Die neuesten Umfragen wurden 2010-2012 in 154 Ländern gemacht, die PNMI-Werte zum Vergleich stammen aus den Jahren 2007-2009 aus 148 Ländern.

Wenig erstaunlich ist die Migrationsattraktivität in Westeuropa etwa gleich geblieben, während die Krisenländer Spanien, Portugal, Italien und vor allem Griechenland verloren haben, weil hier auch viele Menschen auswandern. Auch wenn manche in Deutschland glauben, das Land sie am begehrtesten, ist dies keineswegs der Fall. Auch in Europa kommt es nur an 13ter Stelle. Am begehrtesten sind unverändert die Schweiz, Luxemburg, Schweden, Norwegen, Island und Großbritannien. Vor Deutschland kommen noch Spanien, Frankreich oder Irland. Die osteuropäischen Länder wie Serbien, Kosovo, Mazedonien, Rumänien oder Armenien sind bei den Auswanderungswilligen nicht hoch im Kurs.

Der PNMI hat aber auch in Amerika, in Kanada und den USA, deutlich nachgelassen. In lateinamerikanische Länder, allen voran Haiti, die Dominikanische Republik, Honduras, El Salvador, Peru oder Kolumbien zieht es weniger Menschen, da hier der Wunsch nach Auswanderung vorherrscht. Im Nahen Osten und in Nordafrika sind Saudi-Arabien und Kuwait hoch attraktiv, hier wird vermutet, dass es Geld und Jobs gibt. Israel steht bei +2 Prozent gleichauf mit Libyen. In Syrien ist wenig verwunderlich der Auswanderungswunsch stark angestiegen, die Nettomigration liegt (2010-2012) wie in Jemen bei -27 Prozent. Auch in Marokko, Algerien und Tunesien liegt der Index bei über 20 Prozent, im Irak beträgt er nur -16 Prozent, aber hier hat sich erst in letzter Zeit wieder die Lage verschärft.

Nach Australien, Neuseeland oder Malaysia zieht es noch immer viele Menschen, in Asien ist nicht Afghanistan, wie man meinen könnte, am wenigsten begehrt, sondern es rangiert noch vor Taiwan, der Mongolei, Bangladesch und Kambodscha. Am stärksten wollen die Menschen aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara auswandern. Die Nettomigration ist in Togo, Uganda, dem Kongo oder Nigeria um die -35 Prozent, in Liberia oder Sierra Leone gar bei -50 Prozent – und darin Haiti oder der Dominikanischen Republik gleich.

Gallup führt die sinkende Nettomigration, auch in vielen noch immer sehr attraktiven Ländern, auf den Einbruch der Weltwirtschaft zurück. Das senke die Bereitschaft auszuwandern. Wenn die Wirtschaft wieder starker wächst, würden auch der Auswanderungswunsch stärker und damit einige der beliebtesten Ziele wieder attraktiver werden.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat gestern gewarnt, die Zuwanderung zu begrenzen, sie müsste vielmehr deutlich zum Wohle des Landes verstärkt werden, um die Wirtschaft wachsen zu lassen. Man ging bereits Überlegungen nach, dass die Zuwanderung aus Südosteuropa auch aufgrund demografischer Entwicklungen bald einknicken könnte und Deutschland sich anderen Regionen gegenüber öffnen müsste. Dabei blickte das Institut in seinem Bericht nach Asien, Afrika scheint in der Wirtschaft bzw. beim wirtschaftsnahen Institut nicht so beliebt zu sein, obgleich hier der Auswanderungsdruck am größten ist (Mit verstärkter Zuwanderung wird alles besser).

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