Made in China für den Westen

22.01.2014

Studie berechnet den Export von Luftverschmutzung durch Outsourcing der Industrieproduktion nach China

China, mittlerweile der weltweit größte Luftverschmutzer, leidet immer wieder unter enormen und lang anhaltenden Smog (China: Gefährlicher Smog hält an). Dieser bedeckt nicht nur die Industrieregionen und die großen Städte wie Peking oder Schanghai, sondern breitet sich auch in Gegenden aus, die bislang weitgehend verschont waren. Es sind allerdings nicht nur China selbst und die Nachbarstaaten vom Smog betroffen, sondern dieser reist auch um die Erde.

Prozent der mit Exporten verbundenen Luftverschmutzung durch Russ im jährlichen Durchschnitt. Bild: University of California/Irvine

US-Wissenschaftler haben nun erstmals, wie sie in ihrer Studie schreiben, die in den Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen ist, die Ausmaße der aus China stammenden Luftverschmutzung durch Smog und Ruß in den USA quantifiziert. Interessant an ihrem Ansatz ist, dass sie den Einfluss der von der chinesischen Exportindustrie produzierten Emissionen auf die globale Atmosphäre berechnet haben, so dass auch deutlich wird, wie stark das Outsourcing der Herstellung insbesondere von Konsumgütern und Produkten wie Fernseher oder Handys nach China nicht nur die Menschen dort gesundheitlich schädigt, sondern der Import dieser Güter in die USA oder Europa auch mit dem Export der Luftverschmutzung verbunden ist. Die chinesischen Exporte sind zwischen 2000 und 2007 um 390 Prozent angewachsen. Die von der billigen Produktion von Gütern ausgehende Umweltverschmutzung (emissions embodied in export - EEE) holt auch die Länder ein, die damit erst einmal die lokale Umwelt- und Luftbelastung sowie die klimabelastenden CO2-Emissionen verringern konnten.

Die aus China stammende gesundheitsgefährdende Luftverschmutzung durch Kohlenmonoxid und Stickstoffoxide sorgt etwa in Los Angeles für einen zusätzlichen Smogtag. An manchen Tagen ist ein Viertel der Schwefelbelastung der Luft an der Westküste mit der Herstellung von Exportgütern verbunden.

2006 waren 36 Prozent der industriellen Emissionen an Schwefeldioxid, 27 Prozent der Stickstoffoxide, 22 Prozent des Kohlenmonoxids und 17 Prozent des Rußes in China mit der Produktion von Exportgütern verbunden. Etwa ein Fünftel dieser Emissionen gehen auf den Export von Gütern in die USA zurück. Nach den Berechnungen trug 2006 die mit dem Export verbundene Luftverschmutzung 3-10 Prozent der jährlichen Schwefelkontamination und 0,5-1,5 Prozent des Ozons im Westen der USA bei. Wenn man die dem Handel mit China verbundenen Emissionen (Stickoxide, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid) den USA zurechnet, würden deren Emissionen um 6-19 Prozent höher sein.

Durch das Outsourcing der Produktion nach China ist die Luftverschmutzung 2006 im Osten der USA geringer geworden, während sie im Westen anstieg, weil hier die Winde den Staub, das Ozon und den Ruß über den Pazifik transportieren. Ruß, so die Wissenschaftler, ist besonders problematisch, weil er nur schwer aus der Atmosphäre ausgewachsen wird und daher über große Entfernungen transportiert wird.

Alle Emissionen gefährden die Gesundheit der Menschen in China und anderswo, aber man kann die Schuld nicht China und seiner Industrie alleine anlasten, so die Autoren, weil sie zu einem guten Teil durch die Herstellung von Gütern entstehen, die von den Menschen in den USA oder anderswo gekauft werden. Das ist zwar lange bekannt und führt auch immer wieder zu Diskussionen etwa bei den Klimaverhandlungen, da sinkende oder geringer ansteigende CO2-Emissionen in Europa oder den USA auch durch das Outsourcing in das Billigindustrieland China verursacht werden. Sowohl bei der Reduktion der CO2-Emissionen als auch bei internationalen Abkommen zur Verbesserung der Luft müsste das berücksichtigt werden, sagen die Autoren, da es einseitig sei, die Emissionen nur der Produktion und nicht auch dem Konsum von Gütern zuzuschreiben.

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