Die Gefahren des Rückstandsrauchs

26.02.2014

Nach Tierversuchen kann Rauch, der sich auf Gegenständen niederschlägt und dort lange bleibt, Lunge und Leber beschädigen, die Wundheilung beeinträchtigen und Hyperaktivität bewirken

Dass neben Aktivrauchen auch Passivrauchen die Gesundheit gefährdet, ist eine bekannte und weithin akzeptierte Erkenntnis. Rauch schlägt sich auch auf Haaren, Kleidung, Böden, Wänden und allen Gegenständen nieder, die ihm ausgesetzt sind, natürlich auch in Autos. Toxische Rückstände – third-hand smoke, Dritthandrauch bzw. Rückstandsrauch – können über Monate in Räumen gesundheitsgefährdend sein US-Wissenschaftler haben nun die erste Tierstudie über die Folgen des Rückstandsrauchen vorgelegt. Sie ist im Open-Access-Journal PloS One erschienen.

Während durch das Verbrennen von Tabak entstehender Aktiv- und Passivrauch mitsamt den toxischen Substanzen direkt von Rauchern und anwesenden Nichtrauchern eingeatmet wird, wird der Rückstandsrauch, der sich auf Objekten über die Zeit hinweg niederschlägt, zunehmend toxischer. Bestandteile des Rückstandsrauchs reagieren zudem mit der Luft in Innenräumen oder mit den Oberflächen von Gegenständen, wodurch neue toxische Wirkstoffe entstehen können, beispielsweise krebserregende Nitrosamine. Rückstandsrauch stellt eine potenzielle Gefahr für Kinder, die Partner von Rauchern oder Menschen dar, die in Räumen arbeiten, in denen geraucht wird. Die Aufnahme kann über die Haut, durch Einatmen oder durch Nahrung geschehen. Bislang werden die Risiken aber noch unterschätzt, schreiben die Wissenschaftler, was eine Parallele zum Passivrauchen darstellt, das auch zuerst für nicht gesundheitsgefährdend betrachtet wurde und schließlich zur Einführung der ersten Rauchverbote in Innenräumen geführt hat.

Auch wenn eine mögliche gesundheitliche Gefährdung durch Rückstandsrauch bekannt ist, war noch nicht bekannt, wie eine akute oder akkumulierte Aussetzung wirkt und welche Organe vor allem davon betroffen sind. Um die Folgen zu überprüfen, haben die Wissenschaftler, Mäuse der Menge an Rückstandsrauch ausgesetzt, der auch Kinder und andere Personen in Räumen ausgesetzt sind, in denen geraucht wird. Materialien, die in Wohnungen oder Autos häufig vorhanden sind, wurden Rauschmaschinen während 24-26 Wochen, wöchentlich fünfmal und 6 Stunden am Tag Rauch einer Rauchmaschine ausgesetzt. Das ergab eine Feinstaubbelastung von 30+/−5 µg/m3, ähnlich der Belastung von Räumen von Rauchern, die nach der US-Umeltschutzbehörde 15–35 µg/m3.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf die aus dem Rückstandsrauch hervorgehenden Nitrosamine-Werte im Urin der Mäuse, die sechs Monate gemessen wurden und mit denen von 50 Kindern im Alter von 0,5 bis 4 Jahren verglichen wurden, wobei die Nitrosamine-Werte bei den Mäusen um durchschnittlich 20 Prozent niedriger als bei den Kindern lagen. Die Mäuse wurden ab dem Alter von 3 Wochen in die gut gelüfteten Käfige mit den "berauchten" Materialien gesetzt, eine Kontrollgruppe kam in dieselbe Umgebung, nur ohne die dem Rückstandsrauch ausgesetzten Materialien. Nach sechs Monaten wurden die Mäuse getötet und untersucht.

Aussetzung an Rückstandsrauch führt zu einer höheren Ablagerung von Kollagen von Lungenbläschen, links Kontrollgruppe, rechts Rückstandrauchgruppe. Bild: PLoS One/CC BY 2.5

Schäden wurden vor allem in der Leber (erhöhte Lipid-Werte, nicht-alkoholische Fettleber) und der Lunge (beschädigte Lungenbläschen, Entzündungen, Zunahme von Zytokinen) gefunden. Im Blut wurden erhöhte Triglyzerin- und LDL-Werte und niedrigere HDL-Werte gemessen und Störungen beim Insulin-Metabolismus gefunden, woraus sich eine erhöhte Gefährdung für Herzkreislauferkrankungen und Diabetes 2 ableitet. Hautwunden benötigten längere Zeit, um abzuheilen. Bei Rauchern ist allgemein die Wundheilung beeinträchtigt. Im Verhalten waren die dem Rückstandsrauch ausgesetzten Mäuse ängstlicher oder hyperaktiv. Das wiederum sei konsistent mit Beobachtungen, dass es eine Verbindung zwischen Hyperaktivität und der Aussetzung an Rauch gibt.

Die Untersuchungen von Mäusen, die niemals direkt Rauch, sondern nur den Rauchrückständen ausgesetzt waren, belegen, so der Schluss der Wissenschaftler, dass an den aufgetretenen Folgen der Rückstandsrauch eine wichtige Rolle spielt. Man müsse weitere Tierexperimente durchführen, um die möglichen Folgen bei Menschen genauer herauszufinden und Maßnahmen zu entwickeln, vor allem Kinder besser zu schützen, zumal die Folgen erst spät im Leben auftreten können.

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