Insekten als Nahrungsmittel zum Ausdrucken

06.02.2014

Um die Fleischproduktion zu senken, müsste der verbreitete Ekel vor Insekten als Nahrung umgangen werden. Britische Wissenschaftler schlagen 3D-Drucker mit Insektenpaste vor

Die Welternährungsorganisation FAO empfiehlt schon lange, die Ernährung stärker auf Insekten umzustellen, also auf Entomophagie zu setzen. Angesichts einer weiter wachsenden Weltbevölkerung, der Knappheit der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, der überfischten Meere und der Klimaerwärmung sei eine Zunahme der Fleischproduktion nicht tragbar. Die Nahrungsmittelproduktion müsse sich bis 2050 fast verdoppeln, um die dann 9 Milliarden Menschen zu ernähren.

Eine Portion Mehlwürmer. Bild: Peter Halasz/CC-BY-SA-3.0

Die FAO geht in einem Bericht davon aus, dass bereits 2 Milliarden Menschen auch Insekten als Nahrung zu sich nehmen. Viele Menschen finden es jedoch eklig, Insekten zu essen, obwohl sie nährstoffreich (Proteine, Fett, Vitamine, Mineralien) und gesund sind und ihre Aufzucht die Umwelt sehr viel weniger belastet als die Tierhaltung oder Aquakulturen. Meist werden Insekten noch gesammelt, aber in einigen Ländern wurde bereits mit der Massenzucht begonnen. Natürlich lassen sich Insekten auch als Tiernahrung verwenden und könnten hier den Einsatz von Fischmehl, Soja oder Mais reduzieren. Mit 100 kg an Futter kann man 40 kg Heuschrecken, aber nur 10 kg Rind züchten.

Ein Grund, warum Insekten als Nahrungsmittel von vielen Menschen abgelehnt werden, ist deren Aussehen, aber auch deren Beschaffenheit, wobei sich Maden, Raupen oder Würmer deutlich von Käfern, Grillen oder Schaben mit ihren Panzern unterscheiden. Allerdings gibt es mittlerweile auch hierzulande mehr Restaurants, die Insekten anbieten, es gibt Kochkurse und kaufen kann man sie natürlich wie etwa hier auch. Bei der Ablehnung handelt es sich wohl vor allem um eine kulturelle Gewohnheit, schließlich werden Krabben, Muscheln oder Schnecken auch verzehrt, die manche auch eklig finden.

Um den Ekel vor dem Verspeisen von Insekten zu überwinden, hatten britische Wissenschaftler eine Idee, die durchaus attraktiv erscheint und zudem auf neue Technik setzt. Ken Spears vom Food Centre der der London South Bank University hat eine Möglichkeit entwickelt, Insekten wie Mehlwürmer, die Larven des Mehlkäfers, oder Ameisen zu Mehr zu verarbeiten, das dann mit einem 3D-Drucker in Formen gebracht werden kann, die interessant sind und nicht mehr an Insekten erinnern.

Die Insekten werden getrocknet und dann zu einem Puder vermahlen. Das so entstandene Mehl als Ausgangsprodukt lässt sich, wie Spears dies zusammen mit Susanna Soares, Peter Walters und Deborah Southerland im Projekt Insects au Gratin etwa im Wellcome Trust vorführte, mit Gewürzen, Käse oder Eiskrem mischen, um die daraus entstehende Paste dann in durchaus auch fantastischen sowie künstlerischen Formen auszudrucken. Noch sieht das eher wie eine Spielerei aus, aber der Ansatz ist interessant, zumal jeder, der einen 3D-Drucker hat, dann auch sein eigenes Insektenfutter herstellen kann - als Gebäck oder anschließend gebraten vielleicht auch als Wurst, Schnitzel oder in welcher Form auch immer. Aus dem Mehl lässt sich natürlich auch ganz traditionell Brot gebacken.

Bislang beschränkt sich das Projekt auf Insekten wie Mehlwürmer oder Ameisen, die es in Großbritannien gibt. Spears will die Auswahl aber auf weitere proteinreiche Insekten erweitern. Allerdings gibt es nicht nur das Problem, wie man Insekten schmackhaft und attraktiv zubereiten kann. Es gibt auch rechtliche Probleme. Unklar ist, wie das Töten der Insekten geschehen soll. Das bestehende Schlachtungsgesetz bezieht sich nur auf Wirbeltiere. Es gibt Vorschriften für das Töten von Fischen und sogar für das von Krebstieren oder Schnecken, nicht aber für Insekten:

"Krebstiere, Schnecken und Muscheln dürfen nur in stark kochendem Wasser getötet werden, welches sie vollständig bedecken und nach ihrer Zugabe weiterhin stark kochen muss. Abweichend von Satz 1 dürfen

1. Taschenkrebse durch mechanische Zerstörung der beiden Hauptnervenzentren getötet,

2. Schnecken und Muscheln in über 100 Grad Celsius heißem Dampf getötet sowie

3. Krebstiere elektrisch betäubt oder getötet warden.

Insekten fallen als Bestandteil von Lebensmitteln unter die Novel-Food-Verordnung und müssen genehmigt werden, wenn sie bislang kaum im Handel waren oder verzehrt wurden. Die Frage ist, ob einzelne EU-Mitgliedsländer sie zulassen dürfen, wenn sie sich im Ausland als sicher erwiesen haben. Belgien hat auf dieser Basis zehn Insektenarten zum Verzehr zugelassen.

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