Internet-Radio ohne GEMA-Gebühren

07.02.2014

Ein belgischer Anbieter übernimmt die Abgaben, wenn eine Station genug Hörer hat

Bis in die 1990er Jahre hinein war der private Betrieb einer Radiostation in Deutschland eine relativ aufwendige Sache: Die Erteilung einer Lizenz war aussichtslos und selbst gebastelte Sender hatten oft nur Mini-Reichweiten und wurden aus Angst vor Ortung durch die Graue Post mit einem Kassettenrekorder betrieben und mit Fahrrädern transportiert.

Seit das Internet zum Alltag gehört, ist das Radiomachen sehr viel einfacher geworden. Das hatte zur Folge, dass einige der besten Radiosendungen mittlerweile nicht mehr von traditionellen öffentlich-rechtlichen oder privaten Sendeanstalten gemacht werden: Allem voran das von Frank Rieger und Felix von Leitner vom Chaos Computer Club gestaltete Alternativlos.

Aufgrund der Forderungen von Musikverwertungsgesellschaften sind die privaten Sendungen allerdings häufig sehr wortlastig. Denn selbst dann, wenn er ausschließlich Creative-Commons-Musik spielt, muss ein Senderbetreiber in Deutschland aufgrund der sogenannten GEMA-Vermutung mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen.

Das belgische Unternehmen Radionomy will diese Hemmschwelle für Talente nun herabsetzen: Es macht seit Kurzem nicht nur belgischen und französischen, sondern explizit auch deutschen Internetnutzern das Angebot, einen Sender ins Leben zu rufen und dafür mindestens drei Monate lang alle fälligen Urheberrechtsabgaben zu bezahlen. Wird der Sender insgesamt weniger als zwölf Stunden am Tag gehört, löscht ihn die werbefinanzierte Firma wieder.

Hat er Hörer, die mehr Zeit mit ihm verbringen, dann folgt nach sechs weiteren Monaten die nächste Hürde: Kommt er auf durchschnittlich wenigstens 130 Stunden Aufmerksamkeitsstunden täglich, zahlt Radionomy die Urheberrechtsabgaben weiter. Schenken die Hörer dem Sender bis dahin weniger Zeit, dann muss sich der Betreiber entscheiden, ob er ihn löscht, oder ob er die Zahlungen an die GEMA und die GVL selbst schultert.

Für die Einrichtung einer Radionomy-Radiostation braucht man lediglich ein Notebook, eine Idee für einen Namen, eine Bilddatei für ein Logo und etwas Zeit, um den Sender und die dafür vorgesehene Musik zu beschreiben und Playlisten anzulegen. Zur Registrierung benötigt man einen Namen, ein Geburtsdatum, eine Postleitzahl und eine gültige E-Mail-Adresse, an die ein Bestätigungslink geschickt wird. Anschließend gelangt man über "Erstellen" und "Erstellen Sie ihr Radio" auf die Planner-Seite auf der sich Anleitungen für das weitere Vorgehen finden.

Etwas verwirrend gestaltet ist die Genreauswahl: Erscheint ein rotes Minuszeichen, hat man das Genre gewählt, sieht man ein grünes Pluszeichen, dann kann man es noch wählen. Insgesamt sind fünf Musikgenres möglich. Über "Audio" kann man Playlisten erstellen und dafür entweder in der (wenig über Allerweltsmusik hinausreichende) Radionomy-Musikdatenbank suchen oder Stücke aus der eigenen Sammlung hochladen und anschließend freischalten. Vorgefertigte Wortbeiträge und Jingles lassen sich hier ebenfalls hochladen.

Hat man Playlisten fertig, kann man sie über "Day Templates" zu bestimmten Uhrzeiten platzieren. Danach entsteht eine Senderwebsite mit einem Stream, der sich auch mit Internetradios und auf externen Playern hören lässt. Wer live senden will, muss sich dafür von Radionomy einen Zugangscode einen Upstream zuschicken lassen.

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