Erziehung: Von Monstern beherrscht

14.02.2014

Ein schwedischer Psychiater belebt die Zombiedebatte über tyrannische Kinder neu

Jetzt kommen Rufe nach mehr Autorität auch noch aus Schweden? Aus dem Land, das in vielen Elternköpfen mit einer Art skandinavischer Schule identifiziert wird, deren Erziehung sich eben nicht durch Strenge auszeichnet, sondern durch irgendwie andere, lockerere Methoden und dazu bei Pisa-Tests tolle Ergebnisse einfährt....Der schwedische Psychiater David Eberhard vertritt in seinem Buch eine These, die bereits im Titel klar wird: "Wie Kinder die Macht übernahmen".

Das Buch des Vaters von sechs Kindern hat in Schweden bereits Diskussionen angestoßen. Nun ist es ins Englische übersetzt worden, wird in Publikationen mit großer Reichweite lanciert und reaktiviert in der englischsprachigen Öffentlichkeit die ewige Debatte darüber, wie viel Autorität beim "Parenting" nötig ist.

Damit die Dringlichkeit klar wird - und ein bisschen nationale Schadenfreude geweckt -, gibt es Knallerüberschriften zu lesen, die wie beim Telegraph mit dem Bild aus einem Horrorfilm ('Village of the Damned’) illustriert werden: "Haben Schwedens permissive Eltern eine Generation von Monstern hervorgebracht?"

Manches an den Thesen Eberhards, soweit sie in den Publikationen verbreitet werden, erinnert an die deutschen Anti-laxe-Erziehung-Bestseller "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" und "Tyrannen müssen nicht sein", mit denen der deutsche Psychiater Michael Winterhoff Ende des letzten Jahrzehnts darauf aufmerksam machte, dass immer mehr Kinder in einer Beziehungsstörung aufwachsen (vgl. Nur das Beste für die Kinder).

Auch Winterhoffs schwedischer Berufskollege Eberhard diagnostiziert eine solche Störung. Das schwedische auf Kinder zentrierte Erziehungsmodell sei mit seiner Übersensibilisierung gegenüber Kindern und der Vernachlässigung von Disziplin zu weit gegangen. Weshalb zu befürchten sei, dass eine Generation heranwachse, die sich den Anforderungen des Lebens draußen nicht mehr stellen könne. Weil sie nicht gelernt habe, mit Grenzen umzugehen. Die Unfähigkeit, mit Frustrationen und Enttäuschungen zurechtzukommen, Persönlichkeitsstörungen, Mangel an sozialer Empathie und psychische Erkrankungen seien die für die Volkswirtschaft teure und für Eltern wie Kinder bitteren Folgen der Prinzen- und Prinzessinnenerziehung.

Müdes Lächeln

Das wurde alles bereits in der Elternschule durchgenommen (weniger bekannt ist vielleicht, dass auch Schweden mittlerweile nicht mehr so gut in den Pisa-Tests abschneidet und jetzt auch der schwedische Erziehungsminister mehr Disziplin an den Schulen fordert). Beobachtungen bei Eltern im Süden Deutschlands weisen eher in die Richtung - bis auf ein paar Ausnahmen ("Kinder dürfen auch im Restaurant Kinder sein" und also viel lauter als andere Gäste?) - , dass sich die "Es müssen Grenzen gezogen werden"-Lektion mehrheitlich durchgesetzt hat. Wer von "Grenzen" spricht, die doch bei der Erziehung anzuwenden sind, erntet müdes Lächeln.

Erkennbar bleibt allerdings auch beim Anti-Antiautoritätsprogramm das Auftreten eines gewissen Narzismus, der, wenn es um Erziehung geht, immer auf Bestätigung erpicht ist: Egal, in welche Richtung es gerade läuft, hergezeigt werden muss auf jeden Fall, wie gut man es macht, nämlich besser als der Rest (vgl. Von der elenden Prahlerei unter Eltern).

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