Lohnt ein Studium?

14.03.2014

Bislang hat es sich ausgezahlt, einen Hochschulabschluss zu haben, aber das könnte sich mit der Akademikerschwemme und einem veränderten Arbeitsmarkt ändern

Allgemein gilt die Devise, dass diejenigen, die studieren, ein höheres Einkommen erzielen und weniger arbeitslos sind als diejenigen, mit einer niedrigeren Ausbildung. Je besser qualifiziert, desto sicherer ist also die Karriere. Auch deswegen sollen immer mehr Menschen auf die Universitäten gehen, versprochen wird die Bildungsprämie.

Die Bildungsprämie hat es lange gegeben, was auch gerade die Studie Lebensverdienste nach Qualifikationen. Bildung lohnt sich ein Leben lang des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung herausstellte. Knapp zusammengefasst können "Hochschulabsolventen durchschnittlich bis zum 2,7-Fachen dessen verdienen, was Personen ohne beruflichen Abschluss erhalten".

Arno Klönne hatte schon darauf hingewiesen, dass dies in der Vergangenheit so war, als sichere und gut bezahlte Ganztagsjobs die Regel für Akademiker waren. Aber auch hier werden prekäre Lebensbedingungen mit befristeter Beschäftigung, Teilzeit- oder Leiharbeit häufiger. Dazu kommt die Akademikerschwemme (Bringt ein Uni-Examen 2,3 Millionen Euro?).

Die Bedenken stärken neue Zahlen der britischen Statistikbehörde. In Großbritannien wurde massiv daran gearbeitet, die Zahl der Akademiker zu erhöhen. Betrug der Anteil der Hochschulabsolventen 1992 noch 17 Prozent, so war er 2013 auf 38 Prozent angestiegen. Es gilt weiterhin, dass Menschen mit einem Hochschulabschluss eher Arbeit haben, weniger nach einer Arbeit suchen oder aus dem Arbeitsmarkt ganz herausgefallen sind als Menschen mit geringeren Qualifikationen.

Aber die Zahl der Hochschulabsolventen, die Jobs haben, die keinen akademischen Grad benötigen, ist angestiegen, besonders seit der Finanzkrise 2008. Das legt nahe, so die Statistikbehörde vorsichtig, "dass sich das zunehmende Angebot an Graduierten und der mögliche Rückgang der Nachfrage nach diesen darauf auswirkt, welchem Job sie nachgehen". Waren 2001 noch 37 Prozent der kürzlich Graduierten noch in Jobs, die keinen akademischen Abschluss verlangen, so waren es 2013 bereits 47 Prozent. Auch 5 Jahre nach dem Hochschulabschluss sind noch 34 Prozent in solchen Jobs, 2001 waren es 29 Prozent. Das muss nicht heißen, dass sie deswegen alle weniger verdienen, aber bei einem Großteil ist davon auszugehen.

Will man es einfach ausdrücken, dann gibt es doch eine Akademikerschwemme im Hinblick auf die verfügbaren Jobs. Die Bildungsprämie wird nicht mehr eingelöst, aber die Akademiker verdrängen die weniger gut Ausgebildeten aus den Jobs, die bislang für Hochschulabsolventen nicht interessant waren. Und in Großbritannien, wo das Studieren nach der Finanzkrise deutlich teurer geworden ist und sich Studenten aus nicht so reichen Familien hoch verschulden müssen, könnte sich das Studieren für Manche nicht mehr lohnen, zudem dürfte sich eine weitere Verschiebung an den Universitäten ergeben, weil mehr und mehr nur noch das studiert werden wird, was einen Return of Investment verspricht. Das könnte zu einer Verarmung der Kultur und zu einem Niedergang der Geisteswissenschaften führen.

Am besten fahren jedenfalls Mediziner, Medien- und Informationswissenschaftler und Techniker (nicht Ingenieure). Mediziner sind am wenigsten arbeitslos und verdienen am meisten, Medienwissenschaftler und Informatiker kommen in Hinblick auf Arbeitslosigkeit zwar an zweiter Stelle, verdienen aber durchschnittlich am wenigsten und rangieren noch hinter den Kunststudenten. Ingenieure sind zwar zu einem höheren Teil arbeitslos, kommen im Verdienst aber an zweiter Stelle. Sozial-, Rechts-, Sprach-, Kunst- und Geisteswissenschaftler müssen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit rechnen, arbeitslos zu werden. Allerdings fahren Sprach-, Sozial- und Rechtswissenschaftler einkommensmäßig gar nicht so schlecht. Auch Architekten verdienen überraschend ganz gut und sind wenig arbeitslos. "Business and Finance", also genau die Fächer, die man studiert, um an Geld zu kommen, schneiden eher mittelmäßig ab.

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