Gladio: Bundesregierung beantwortet Fragen zu geheimen Erddepots der Untergrundarmeen

13.03.2014

Weitere Informationen zur Stay-behind-Organisation des BND möglicherweise in alten Aktenbeständen

"Die Bundesregierung ist im Wesentlichen seit Beginn der Auflösung der Staybehind- Organisation des Bundesnachrichtendienstes (BND) um Offenlegung der Tätigkeit dieser Organisation bemüht", heißt es technokratisch formuliert in einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei in Sachen Nato-Geheimarmeen, die auch als Gladio und Stay behind bezeichnet werden.

Im Kern geht es bei der Anfrage der Linkspartei um geheime Erddepots, die 1996 in Berlin entdeckt wurden und in denen Waffen und weitere Ausrüstungsgegenstände enthalten waren. Ulla Jelpke und weitere Abgeordnete wollten unter anderem wissen, wann genau die Depots nach Kenntnis der Bundesregierung entdeckt wurden und wie es überhaupt dazu kam, dass diese Depots gefunden wurden.

Zum Verständnis: Die Mitglieder der Nato-Geheimarmeen haben im Hinblick auf eine mögliche Aktivierung ihrer Untergrundorganisation im Falle einer Invasion durch die Sowjetunion geheime Erdverstecke angelegt. Darin waren allerlei für den Partisanenkampf notwendige Ausrüstungsgegenstände eingelagert.

Laut Bundesregierung befanden sich in den beiden Erdverstecken unter anderem eine Selbstladepistole, 9 mm, mit 2 Magazinen (jeweils mit 8 Patronen), eine Selbstladepistole, 9 mm, mit einem Magazin (mit 13 Patronen), zwei Taschenmesser, ein Springmesser, ein Karton mit 50 Patronen, 3 Handgranaten, eine Funkanlage sowie ein Fernglas, eine Taschenlampe und zwei Tafeln Schokolade. Der Inhalt verdeutlicht, dass es sich bei diesen Erdverstecken nur um kleine Depots gehandelt hat.

Zum Vergleich: 1981 entdeckten Waldarbeiter durch Zufall ein geheimes Waffen-Depot in der Lüneburger Heide. Schnell stellte sich heraus, dass das Depot von dem 44-jährigen Förster und Neo-Nazi Heinz Lembke, angelegt wurde. Lemke saß damals in Untersuchungshaft und gestand bei seiner Vernehmung, weitere Erdverstecke angelegt zu haben. In den Verstecken befanden sich über 13.000 Schuss Munition, 50 Panzerfäuste, über 250 Handgranaten, 160 Kilogramm Sprengstoff und Zünder.

Lemke, dessen Name immer wieder auch im Zusammenhang mit dem Attentat auf das Oktoberfest auftaucht (vgl. "Es wird noch viel Aufklärungsarbeit nötig sein"), wurde erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden, nachdem er angekündigt hatte, umfassend gegenüber der Bundesanwaltschaft auszusagen - einen Tag vor der Vernehmung durch einen Staatsanwalt.

Aus der Antwort der Bundesregierung zu den beiden in Berlin gefundenen Depots geht hervor, "dass das Bundeskanzleramt im Frühjahr 1996 englischsprachige, als "secret" klassifizierte Unterlagen eines Partners erhalten hatte". Aus den Unterlagen konnte entnommen worden, dass "einer der in Berlin stationierten alliierten Schutzmächte mehrere Depots angelegt" hatte. Wie die Bundesregierung weiter darlegt, erhielt das zuständige Landeskriminalamt (LKA) in Berlin die Informationen im April 1996 über die Senatsverwaltung für Inneres in Berlin, die zunächst vom Bundesministerium des Innern informiert wurde.

Wenngleich die Bundesregierung offensichtlich nicht mit letzter Gewissheit sagen kann, ob es sich bei den Depots, die in Berlin gefunden wurden, um von Gladio angelegte Verstecke handelt, so heißt es in der Antwort dennoch: "Inhalt, Umstände sowie zeithistorischer Kontext sprechen dafür, dass es sich dabei um Depots einer Stay-behind-Organisation handelte."

In der Antwort weist die Bundesregierung außerdem darauf hin, dass es für eine Verwicklung der Stay-behind-Organisation des BND mit Terroranschlägen keine Bestätigung gebe. Allerdings sagt die Bundesregierung einige Zeit später darauf, dass längst noch nicht alle Altaktenbestände des BND derzeit erschlossen sind. In einer Antwort der Bundesregierung auf eine weitere Anfrage der Linkspartei zu Gladio vom Oktober 2013 heißt es, dass bisher archivisch 65 Prozent der Akten erschlossen seien.

Die Linkspartei wollte von der Bundesregierung in ihrer kleinen Anfrage auch wissen, welche Personen der Wehrsportgruppe Hoffmann zu welchem Zeitpunkt in einem Trainingscamp im Libanon waren. Die Bundesregierung geht davon aus, gestützt auf Unterlagen des BND, dass sich Hoffmann angeblich im August 1980 in Begleitung von vier weiteren Männern "in Beirut und zuvor in einem Zeltlager der Fatah aufgehalten haben soll".

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