Salafisten vertreiben Armenier aus Kasab

27.03.2014

Türkei lässt al-Nusra-Front angeblich ungehindert die Grenze passieren

Die syrische Stadt Kasab ist ein Überrest des mittelalterlichen Königreiches Kleinarmenien. Bis letzte Woche war die Kleinstadt ein Anlaufpunkt für armenische Flüchtlinge aus Aleppo, ar-Raqqa und anderen Gegenden, aus denen radikale Sunniten Angehörige religiöser Minderheiten vertrieben. Nun mussten die Bewohner der Stadt selbst in die Hafenstadt Latakia fliehen. Grund dafür war die salafistische al-Nusra-Front, die die bis dahin fast ausschließlich christliche Stadt und mehrere armenische Dörfer in ihrer Umgebung am letzten Wochenende mit Mörserattacken verwüstete und eroberte.

Die wenigen Verbleibenden, die zu alt oder zu krank waren, um zu fliehen, wurden von den Salafisten als Geiseln genommen. Alte Leute folterte man angeblich, damit sie verraten, wo Schmuck und ihre Wertgegenstände versteckt sind. Augenzeugen berichten außerdem, dass die Angreifer die nur wenige Kilometer entfernte Grenze ungehindert überschreiten konnten und das einige unter ihnen kein Arabisch, sondern Türkisch sprachen.

Die syrische Regierung legte deshalb beim UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon offiziell Beschwerde ein. Und armenische Verbände in den USA und in Europa appellierten an Barack Obama, den US-Kongress und die EU-Kommission, Druck auf die türkische Regierung auszuüben, damit diese die Dschihadisten nicht länger passiv unterstützt.

In ihren Bittschriften erinnern sie an die Deportationen und Massenmorde an Armeniern im Ersten Weltkrieg. Damals wurden auch zahlreiche Bewohner Kasabs in die Wüstenstadt Deir ez-Zor und nach Jordanien verschleppt. Nachdem Kasab durch den Vertrag von Sèvres französisches Mandatsgebiet wurde, konnten sie zurückkehren. Als Frankreich den Sandschak von Alexandrette, zu dem Kasab damals gehörte, 1938 an die Türkei abtrat, fürchteten die Armenier, erneut vertrieben zu werden und erreichten vor der Rückgabe eine Ausgliederung ihrer Heimat.

Die Berichte über eine türkische Passivhilfe zur Vertreibung der Armenier durch die al-Nusra-Front werfen auch neue Fragen zum Absturz einer syrischen Militärmaschine auf, die am Sonntag von einer türkischen F16 beschossen wurde. Die türkischen Behörden behaupten, die Maschine wäre in den türkischen Luftraum eingedrungen und habe nicht auf warnende Funksprüche reagiert. Der Absturz des Flugzeugs erfolgte jedoch nicht über türkischem Gebiet, sondern in der Nähe von Kasab.

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