Hat Merkel geweint?

14.05.2014

Über den G20-Gipfel im Herbst 2011 in Cannes, der auch die "Euro-Rettung" zum Thema hatte, ist nun Näheres, besser gesagt: Intimeres bekannt geworden. Damals soll es "hoch" hergegangen sein, wobei dann auch Tränen vergossen worden sein sollen

Die Vertreter der G-20-Staaten erwarteten in Cannes viele verschiedene Themen: von der Finanzmarktregulierung über Handelsüberschüsse und die Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF) bis hin zur zukünftigen Neu-Organisation der G20-Staaten und ihrer Eigenorganisation. Wegen der Ankündigung des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou, ein Referendum über das neue Rettungspaket und die Sparmaßnahmen des hoch verschuldeten Griechenland abhalten zu wollen, fand am 2. November, im Vorfeld des G20-Gipfels, ein Sondertreffen der europäischen Staaten und ihrer politischen Führungen statt.

Laut den "Deutschen Wirtschafts Nachrichten" soll das Foto, auf dem Obama Merkel - tröstend? - nach der Sitzung in den Arm nimmt, im Weißen Haus längere Zeit als Trophäe aufgehängt gewesen sein. Bild: Pete Souza/White House

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll auf dieser Sitzung der G-20-Staaten dann von anderen Teilnehmern der Konferenz gedrängt worden sein, gemeinsam mit den anderen Europäern, die "Speziellen Ziehungsrechte" der Bundesrepublik Deutschland und der anderen europäischen Staaten beim IWF als Sicherheit zu verpfänden. US-Präsident Obama, der die Leitung der Sitzung übernommen hatte, um die Euro-Rettung umzusetzen, soll die Kanzlerin aufgefordert haben, wie die USA eine "Brandmauer" aus Steuergeldern um den Euro zu errichten. Angela Merkel soll dies abgelehnt haben mit dem Hinweis auf das Veto der Deutschen Bundesbank und deren Präsidenten, Jens Weidmann.

Nach einem Bericht der Financial Times soll Merkel in Tränen ausgebrochen sein. "Ich bringe mich nicht selbst um", habe Merkel gesagt, wie Teilnehmer der Konferenz der Zeitung berichtet hätten: "Das ist nicht fair. Ich kann nicht gegen die Bundesbank entscheiden. Das kann ich nicht machen."

Was war da los in dieser Sitzung? Unter dem Eindruck der griechischen Schuldenkrise und den damit einhergehenden Auswirkungen für die globale Wirtschaft hatte die Stabilisierung des Weltwirtschafts- und Finanzsystems auf dem G20-Gipfel weiterhin Priorität. Auf der einen Seite ging es also um Griechenland, aber auch um Spanien und auch Italien. Wie die DWN schreiben, wurde Griechenland arg bedrängt. Sarkozy und die anderen "Staatsmänner und -frauen" setzten durch, dass kein Referendum in Griechenland über das Rettungspaket durchgeführt wird, wie dies Ministerpräsident Papandreou forderte (Quo vadis Graecia?). Die Installation einer Übergangsregierung wurde in die Wege geleitet, der Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten war der ehemalige Zentralbanker Lucas Papademos. Dieser Plan des Regierungswechsels war aus der Sicht der großen Euro-Staaten erfolgreich: Papandreou musste seinen Hut nehmen und Papademos wurde ins Amt gehievt.

Für Italien sollte der IWF 80 Milliarden an Hilfsgeldern bereitstellen, im Gegenzug hätte Italien die Troika ins Land lassen müssen. Dies konnte schließlich von Berlusconi abgewendet werden, stattdessen kam der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Mario Monti nach Rom (Regiert Goldman Sachs nun in Italien?).

In diesem Zusammenhang soll es dann um die Sonderziehungsrechte gegangen sein. Obama habe verlangt, diese zu verpfänden, was Merkel mit den oben zitierten Worten angeblich ablehnte, weil Italien keine Gegenleistung bringen sollte - gemeint war damit, die Troika ins Land zu lassen. Schließlich hätten die USA und Frankreich eingelenkt, weil Obama und Sarkozy wohl klar geworden war, dass sie zu weit gegangen waren. Eine Entscheidung in dieser Sache wurde auf den nächsten Morgen vertagt, an dem dann in dieser Angelegenheit aber nichts weiter geschah.

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