Russland schließt Gasdeal mit China

19.05.2014

Die Sanktionspolitik des Westens führt zu einer engeren Kooperation zwischen Russland und China

Demonstrativ wendet sich Russland ab von Europa und kündigt ein Gas- Abkommen mit China an. Während des Besuchs des russischen Präsidenten Putin in Schanghai soll ein Vertrag zwischen Gazprom und der China National Petroleum Corporation (CNPC) unterzeichnet werden, ab 2018 jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Gas in das Nachbarland China zu liefern. Im Vergleich zu Europa, das Russland 2013 160 Milliarden Kubikmeter abgenommen hat, wäre der Export nach China nicht sonderlich groß, dient aber Russlands Diversifizierung, macht also Russland weniger abhängig von Europa. Auch sonst will man die wirtschaftlichen Beziehungen mit China ausbauen.

China steht unter Druck, weniger Kohle zu verbrauchen, nachdem der Smog über den Städten bereits lebensgefährliche Ausmaße angenommen hat. Das Land hat weitgehend während des Ukraine-Konflikts geschwiegen und kann nun die Sanktionspolitik des Westens ausnutzen, während Russland seinen Export aufgrund der Sanktionen und der von der EU angekündigten Politik, die Abhängigkeit von Russland zu verringern, vom Westen in den Osten verlagert.

Über so ein Abkommen wurde schon viele Jahre verhandelt. Mit dem Ukraine-Konflikt kam der Durchbruch. Der Preis pro 1000 Kubikmeter soll zwischen 350 und 380 US-Dollar liegen, etwa der Preis, der auch in Europa erzielt wird. Von der Ukraine will Gazprom hingegen 485 US-Dollar verlangen.

Das Problem ist aber weiterhin, wie das Gas nach China geliefert werden soll. Es gibt bereits eine Pipeline, die in Sibirien an die chinesische Grenze stößt und von dort aus weiter in den Norden des Landes gebaut werden müsste. Geschätzte Kosten 22-30 Milliarden US-Dollar. Nach Russia Today verlangt Gazprom, dass CNPC entweder die Kosten übernimmt oder einen Kredit aufnimmt. Ob das nun gelöst ist, bleibt im Dunklen. Es gab schon einmal 2009 ein weiteres Pipelineprojekt in den Westen von China, das aber zugunsten der sibirischen Pipeline abgebrochen wurde. Mit der Fertigstellung beider Pipelines könnten jährlich 68 Milliarden Kubikmeter geliefert werden. Zudem besteht die Möglichkeit, Gas per Schiff etwa über Wladiwostok nach China zu bringen.

Für russische Kommentatoren zeigt das Abkommen mit China, dass nicht nur das Land boomt und wirtschaftlich stärker wird, sondern dass die Region von China, Indien und Russland dominiert werde, während der Einfluss der USA sinke. Betont hatte Putin in einem Interview auch das angeblich gute Verhältnis der beiden Länder herausgestrichen, die beste Freunde seien:

Zwischen uns sind keine politischen Probleme geblieben, die einen negativen Einfluss auf die Festigung der allumfassenden Zusammenarbeit ausüben könnten. Durch die gemeinsamen Bemühungen haben wir tatsächlich ein musterhaftes Zusammenwirken gestaltet, das ein Modell für die großen Weltmächte werden soll. Ihm liegen die Achtung für die ureigenen Interessen voneinander und eine effektive Arbeit für das Wohl der Völker der beiden Länder zugrunde.

.Während Russland über die Ukraine im Konflikt mit den USA und der EU steht, steigen auch die Spannungen zwischen China und den Nachbarn Vietnam, Japan und Südkorea. Die USA versuchen indes, ähnlich wie Russland den Einfluss Chinas in der Region zu bremsen und geopolitisch die eigene Macht auszubauen. US-Präsident Obama hatte vor seiner zweiten Kandidatur klar gemacht, dass nicht mehr Europa, sondern der asiatische Raum zentral für die amerikanische Geopolitik werde. Möglicherweise diente die vor allem von den USA gewollte Verschärfung des Konflikts mit Russland auch dazu, die EU stärker militärisch und wirtschaftlich auf die eigene Seite zu bringen, um sich mehr auf den asiatisch-pazifischen Raum konzentrieren zu können.

Mit der Annäherung von Russland und China dürfte dies aber nicht unbedingt eine gelungene Strategie gewesen sein. China hat angekündigt, dass während des Besuchs von Putin dieser zusammen mit dem chinesischen Präsidenten eine wichtige Erklärung geben werden.

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