Wenn Journalisten nicht für Online-Inhalte ihres Mediums zahlen wollen

28.05.2014

Überraschendes Ergebnis einer Umfrage, vor allem TV- und Hörfunkjournalisten scheinen von dem, was sie in ihrem Sender machen, nicht viel zu halten

Eine Umfrage unter Journalisten brachte Überraschendes. Für die Studie "Medienmacher 2014 – Recherche, Qualitätsanspruch und Finanzierung im digitalen Alltag" wurden von der der Online-Rechercheplattform ResponseSource.de über 1300 hauptberufliche Journalisten befragt.

Dass das Internet zu einem Hauptmittel für Recherche, Beobachtung und Kommunikation geworden ist, wird nicht erstaunen. Dabei werden vor allem Suchmaschinen und Email benutzt, weniger stark soziale Netzwerke, Blogs und Foren, die von den Älteren offenbar eher gemieden werden. Auch die Internetangebote von Firmen und Parteien würden wenig benutzt. Daraus ergibt sich dann die Behauptung: "Nutzen des Internets für Medienmacher liegt noch weitgehend brach."

Interessanter ist jedoch, dass von befragten Journalisten 71 Prozent für werbefinanzierte Medien und 54 Prozent für Medien arbeiten, die sich über Abos, den Zeitschriftenhandel oder Online-Bezahlmodelle finanzieren (wollen, müsste man vielleicht hinzufügen). Praktisch alle Journalisten arbeiten für Medien, die ihren Content online anbieten. 64 Prozent der Journalisten arbeiten bei Medien, die ihren Content kostenlos und ohne Registrierung anbieten, 30 Prozent bei Medien, die ihren Content im Internet teilweise oder ganz kostenpflichtig anbieten.

Überraschend ist allerdings, dass viele Journalisten vom Wert ihrer Arbeit oder der Medien, bei denen sie hauptberuflich arbeiten, nicht überzeugt sind. 38 Prozent sagen nämlich, sie würden kein Geld für das Lesen der Online-Ausgabe ihres Mediums bezahlen wollen, nur 44 Prozent "signalisierten Zahlungsbereitschaft" – wie gesagt: für ihr eigenes Medium. 17 Prozent wissen es nicht oder machen keine Angabe. Interessant wäre gewesen, wenn auch gefragt worden wäre, ob diejenigen, die nichts für ihr Medium als Leser zahlen würden, denn für den Inhalt anderer Medien bereits einmal gezahlt haben oder dies machen würden. Dann wäre klar, dass sie mit dem der Qualität des Mediums, bei dem sie arbeiten, nicht zufrieden sind, und dass sie womöglich gerne anders arbeiten möchten. Man erfährt lediglich, dass 40 Prozent aller Befragten schon mal für journalistische Inhalte Dritter im Internet bezahlt haben.

Allerdings gibt es Unterschiede. Journalisten, die beim Hörfunk (61%) oder beim Fernsehen (57%) arbeiten, sind am wenigsten bereit, für die Online-Ausgabe ihres Mediums zu zahlen. Die Bereitschaft ist bei Journalisten von Zeitungen (56%), Agenturen (52%) und Zeitschriften (49%) am höchsten. Bei Online-Journalisten würden das mit 43 Prozent auch relativ viele, aber auch Zahl derjenigen, die dafür bereit wären, ist mit 36 Prozent auch relativ hoch.

Es könnte freilich auch sein, dass ein guter Teil der Journalisten ihrem Beruf kein besonderes Ansehen zuerkennt, was auch heißt, sie würden den Job eher leidenschaftslos betreiben. Oder sie stehen eben unter Zwang ihres Arbeitgebers, nicht so arbeiten zu können, wie sie dies für notwendig erachten. Darauf lässt schließen, wenn 61 Prozent erklären, sie hätten häufig nicht genügend Zeit für Recherche.

Am wichtigsten wäre den Journalisten: "komplexe Sachverhalte zu erklären und zu vermitteln", "das Publikum möglichst neutral und präzise zu informieren" und "die Realität genauso abzubilden, wie sie ist". Das steht aber wohl auch im Widerspruch zum Selbstverständnis, "dem Publikum Unterhaltung und Entspannung zu bieten". Das nämlich steht an erster Stelle, gefolgt von: "der Bevölkerung eine Chance zu geben, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen". Dagegen wollen die wenigsten "dem Publikum eigene Ansichten zu präsentieren" oder "die politische Tagesordnung zu beeinflussen und Themen auf die politische Tagesordnung zu setzen".

Dazu scheint der Druck zu wachsen, als originelle Persönlichkeit auftreten zu müssen. Das hat zwar schon immer einen Teil des Journalismus ausgemacht, scheint sich aber allgemeiner durchzusetzen. Anonym Meldungen schreiben, geht gar nicht mehr. 49 Prozent sagen nämlich, dass mit dem Internet die Erwartung gewachsen sei, "sich als individuelle Marke zu präsentieren". Es reicht also nicht mehr, bei einer bekannten Publikation tätig zu sein, sondern man muss auch intern konkurrieren und herausstechen, wobei man als "individuelle Marke" wohl am ehesten reüssiert, wenn man markante oder auch aneckende Meinungen vertritt oder Scoops landet.

Nach einer Umfrage sagen fast 40 Prozent der Deutschen, der Beruf des Journalisten habe kein hohes Ansehen. Bei einem Ranking der Berufe von Allensbach (2013) schneiden die Ärzte, gefolgt von Krankenschwestern, Polizisten und Lehrern am besten ab. Ganz hinten stehen Banker und Fernsehmoderatoren, nicht viel besser sind Politiker angesehen. Journalisten liegen zwar vor den Politikern, Offizieren und Spitzensportler, aber auch ziemlich weit hinten nach Rechtsanwälten, Apothekern und Unternehmern. Bei einer Forsa-Umfrage (2013) bewegen sich Journalisten im mittleren Feld, Tendenz sogar steigend.

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