Die Enteignung geht weiter!

Matthias Weik und Marc Friedrich haben die Negativzinsen der EZB richtig vorhergesagt - ein Auszug aus ihrem aktuellen Buch "Der Crash ist die Lösung"

Er hat es tatsächlich getan. Wie von uns in unserem Buch Der Crash ist die Lösung vorhergesagt, hat Mario - seines Zeichens Chef der Europäischen Nationalbank - die Zinsen gesenkt und sogar die Minuszinsen installiert. Die Einführung negativer Einlagezinsen sowie die Senkung des Leitzins auf ein historisches Tief unterstreicht lediglich die Ratlosigkeit der Notenbanken und sollte uns allen zeigen, dass die wirtschaftliche Lage in der Eurozone und der Banken verheerender denn je ist und alle bisherigen Maßnahmen doch zu nichts geführt haben. Leider wird das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Ex-Goldman Draghi hat uns auch schon weitere Maßnahmen angedroht.

Alle Entscheidungen der EZB waren bisher gegen die Menschen gerichtet und dienen nur dem Finanzsektor. Dieser Marschlinie bleibt Draghi treu und tut seinen ehemaligen Kollegen einen Gefallen nach dem anderen. Die Profiteure jubeln und der DAX überschreitet erstmal die 10.000 Punkte Marke. Der einzige der bei diesem Wahnsinn offensichtlich vergessen wird sind wir - ein Großteil der Menschen welcher dabei gnadenlos auf der Strecke bleibt.

Denn die Zeche für Draghis desperate und äußerst fragwürdige Entscheidung bezahlen wir: die fleißigen Sparer, die tagtäglich enteignet werden, und die Besitzer von Lebensversicherungen, die in Zukunft noch mit unvorstellbaren Verlusten konfrontiert sein werden. Auch hiervor haben wir bereits in unserem ersten Buch Der größte Raubzug der Geschichte sowie in unserem zweiten Buch abermals explizit gewarnt. Mehr denn je bestätigt es sich, dass die Zeit der Papierwerte vorbei ist und die Zeit der Sachwerte begonnen hat.

Hier ein exklusiver Auszug aus unserem neuen Bestseller Der Crash ist die Lösung - Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten.

Das Dilemma der Notenbanken (S. 212 ff.)

Was die Notenbanken 1929 bei der Großen Depression falsch gemacht haben, nämlich den Geldhahn zuzudrehen und die Wirtschaft sowie den Konsum damit abzuwürgen, wollten sie 2001 und 2008 mit dem anderen Extrem richtig machen - ohne an die verheerenden Nebenwirkungen zu denken. Die Märkte wurden massiv mit Geld geflutet. Noch nie war mehr Geld im Finanzsystem als aktuell.

Noch nie waren die Verschuldung der Staaten höher und die Zinsen der Notenbanken auf globaler Ebene niedriger. Aus dem Leitzins wurde sozusagen ein Leidzins. Niemals zuvor waren die staatlichen und währungspolitischen Eingriffe verzweifelter. Dadurch wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer, und die sozialen und gesellschaftlichen Spannungen nehmen enorm zu.

Die Notenbanken (in der Grafik oben sind das: FED: Federal Reserve System, Zentralbank der USA; EZB: Europäische Zentralbank; BoJ: Bank of Japan; SNB: Schweizerische Nationalbank; PBoC: Peoples Bank of China, Zentralbank der VR China; BoE: Bank of England) haben die Rolle eines Drogendealers eingenommen und müssen die Märkte bis zum bitteren Ende mit ihrer Droge Geld versorgen. Weltweit haben sie durch falsche Entscheidungen, Gesetzesbrüche und ein immer wieder am eigenen Interesse ausgerichtetes Handeln den Nährboden für die nächsten Krisen geschaffen.

Sie haben aber auch Unglaubliches geleistet. Immerhin stand das System seit der Insolvenz der Lehman Brothers 2008 mehrmals nachweislich am Abgrund und wurde immer wieder gerettet. Die Zentralbanker stecken in einer fatalen Zwickmühle, in der sie die Wahl haben zwischen Pest und Cholera: Zinsen anheben oder Zinsen endgültig auf null senken. Oder sogar Wege zu einer Negativverzinsung zu ebnen.

Zinssenkung in Richtung null

Wenn die Notenbanken die Zinsen im Keller belassen, wird es eine heftige Inflation geben. Niedrige Zinsen führen immer wieder zu Blasen, ob es sich nun um Aktien, Immobilien oder Rohstoffe handelt. Letztlich sind sehr viele wirtschaftliche Verwerfungen und Krisen der neueren Zeit seit Auflösung des gedeckten Geldsystems auf eine falsche Notenbankpolitik und auf zu niedrige Leitzinsen zurückzuführen.

Die Technologieblase im Jahr 2000/2001 am NASDAQ und am Neuen Markt in Deutschland wurde durch die Immobilienblase in den USA, England, Irland, Spanien etc. abgelöst (die dann 2008 platzte) und diese dann wieder von der gegenwärtigen Aktienblase, Immobilienblase usw.

Eine Blase muss immer durch eine neue und noch größere Blase aufgefangen werden. Das bedeutet: 2008 haben wir eigentlich nur den Anfang der Katastrophe gesehen. Bildlich gesprochen sind wir 2008 mit 120 Stundenkilometern gegen die Wand gefahren. Aber es war noch keine echte Wand, eher eine Theaterkulisse. Trotzdem haben viele ziemlich heftige Schrammen abbekommen.

Seitdem hat man jährlich mehr und mehr aufs monetäre Gaspedal gedrückt und fährt aktuell 250 Stundenkilometer. Zusätzlich wurden parallel noch die Airbags deaktiviert und der Gurt gelöst. Und die Wand besteht diesmal aus Stein. Der Aufprall wird definitiv tödlich für das Finanzsystem sein. Die nicht von uns Bürgern gewählten Mitglieder der Notenbanken haben sich für die Zinssenkung entschieden. Damit können sie vor allem erst mal für gute Nachrichten sorgen. Zudem hat die Zinssenkung einen schönen und sehr nützlichen Nebeneffekt:

Solange es funktioniert, sind die Hauptprofiteure einer Inflation immer der Staat und die Banken. Der Staat kann sich auf Kosten der Bürger entschulden, und die Banken können sich günstig Geld von der Notenbank leihen, das sie teuer an den Staat, Bürger und Unternehmen weiterverleihen. Ein geniales Geschäftsmodell und ein Garant für bombensichere Gewinne. Eine klassische Win-Win-Situation für die beiden Protagonisten - zu unser aller Nachteil.

Die EZB hält die Zinsen ebenfalls im Keller und hat neben dem rechtlich fragwürdigen Aufkaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions) auch noch ihren Status als vorrangige Gläubigerin der von ihr gehaltenen Papiere ad acta gelegt. Das bedeutetet, wenn ein Land pleitegehen sollte, haftet nicht mehr die EZB mit ihrem limitierten Stammkapital von 7,5 Milliarden (davon zirka 2 Milliarden von der Deutschen Bundesbank) für die aufgekauften Anleihen, sondern die Bürger Europas. Jens Weidmann, seines Zeichens Chef der Deutschen Bundesbank, war der Einzige der 17 Notenbankchefs, der gegen diese Regelung gestimmt hat. Vielleicht auch deshalb, weil er ahnt, dass vor allem die Deutschen noch den einen oder anderen Spargroschen besitzen - und sie durch eine Haftungsunion im Notfall zur Kasse gebeten werden.

Wir alle erleben gerade live das größte Notenbank- und Geldexperiment der Geschichte. Es dürfte inzwischen deutlich geworden sein, dass die Chance eines Gelingens bei diesem Experiment gleich null ist, das Ganze vielmehr in einem Ausmaß scheitern wird, das sich unserer Vorstellung entzieht. Denn durch die enge Verbindung zwischen Wirtschaft, Banken, Staaten, Währungen auf der ganzen Welt, die durch die Globalisierung entstanden ist, kann ein einziger rollender Stein heute eine riesige Lawine auslösen.

Es liegt in der Natur des Kapitalismus, dass es periodischzu Ausbrüchen des Wahnsinns kommt.

(John Kenneth Galbraith, amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler)

Bevor das System in die Knie geht, erwarten wir zunächst einen deflationären Schock, bei dem sich viele Güter massiv verbilligen werden. Erste Tendenzen einer Deflation sind bereits zu erkennen, und die EZB reagiert darauf äußerst allergisch. Das viele billige Geld schwirrt derzeit vor allem im Bankensektor und in den genannten Blasen der Immobilien- und Aktienmärkte herum. Unternehmen und Bürger halten sich dagegen mit Investitionen und Konsumausgaben zurück. Folge: Die Preisspirale rotiert tendenziell nach unten.

Wenn die Geldflut die Realwirtschaft dann doch unter Wasser setzt - und irgendwann muss und wird das passieren - dann ist auch beim Letzten das Vertrauen in die fatale monetäre Rettungspolitik zerstört. Alle Hoffnungen der Zentralbanken, sie könnten ihr billiges Geld irgendwann wieder "einsammeln", sind pure Illusion. Wir werden daher im Anschluss an eine deflationäre Phase eine Inflation erleben, die schließlich in einer Hyperinflation enden wird. Danach werden ein Währungsschnitt und eine Währungsreform durchgeführt. Wer Augen hat zu sehen, kann dies heute schon erkennen.

Denn ökonomisch ist der Euro eigentlich schon gescheitert und wäre in einem freien Markt längst von der Bildfläche verschwunden. Vermutlich ist er überhaupt nur deshalb noch am Leben, weil die Verbissenheit im politischen Lager so extrem stark ist. EZB-Chef Draghi zum Beispiel zementierte dies mit seiner nachgerade fanatischen Botschaft, der Euro sei "irreversibel". Eventuell wird es in Zukunft noch einen Kern-Euro und daneben einige Parallelwährungen geben. Auf der regulativen Ebene werden wir es mit

Maßnahmen wie zum Beispiel Abhebungs- und Barzahlungsbegrenzungen, Steuererhöhungen oder Zwangsabgaben zu tun bekommen. Politik und Finanzsektor wird im Zweifel jedes Mittel recht sein, um Zeit zu gewinnen. Wir Bürger werden uns bis zum finalen Crash an todernste Politikerminen, hektische Krisengipfel, undemokratische Entscheidungen, verzweifelte Rettungsaktionen und partielle Enteignungsmaßnahmen so gewöhnt haben, dass viele Vorzeichen der sich anbahnenden Katastrophe gar nicht mehr auffallen.

Doch wenn die Menschen erst begreifen, dass ihr Geld und auch ihre Rente zum großen Teil weg sind, wird man Ausschreitungen, bürgerkriegsähnliche Zustände und Revolutionen nirgendwo mehr ausschließen können. Der Zorn wird unbeschreiblich sein. Schauen wir uns die einzelnen Szenarien und Entwicklungen genauer an.

Matthias Weik und Marc Friedrich sind Ökonomen, Querdenker, gefragte Redner, Honorarberater und Bestsellerautoren. Die beiden haben zusammen das Buch Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden geschrieben, das im Mai 2012 erschienen ist. Das Buch ist seit fast 2 Jahren in allen wichtigen Bestsellerlisten vertreten und erschien am 15. April als aktualisiertes und überarbeitetes Taschenbuch. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch im deutschsprachigen Raum 2012 & 2013.

Ihr neues Buch Der Crash ist die Lösung hat es auf Anhieb in die Top 10 der Spiegel Bestsellerliste geschafft.

Ein aktuelles Interview zur EZB Entscheidung finden Sie hier.

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