Der Waffengang, die Weltpolitik, das Profitidol

16.06.2014

Bundespräsidiale und päpstliche Sichtweisen – ein Kommentar

Joachim Gauck hat ein Interview über seinen Besuch in Norwegen dazu genutzt, eine Aufforderung zu wiederholen, die ihm schon bei der jüngsten Münchener Sicherheitskonferenz viel mediale Aufmerksamkeit einbrachte (Gauck predigt gegen "Drückebergerei"): Die Bundesrepublik müsse sich in der Weltpolitik kräftiger einmischen, auch mit militärischen Mitteln, "zu den Waffen greifen" ("notfalls", der "ultima-ratio"-Vorbehalt gehört ja stets dazu).

Die "früher gebotene Zurückhaltung Deutschlands" sei nicht mehr zeitgemäß. So wie Polizisten, Richter und Lehrer notwendig seien, könne international eben nicht auf den Einsatz von Militär verzichtet werden. Selbstverständlich "auf der Seite der Unterdrückten", im "Kampf für Menschenrechte". Und dabei sei heute ein "deutsches Dominanzgebaren" (so der bundespräsidiale Begriff für einstige deutsche Kriege) nicht mehr zu befürchten.

Der naheliegenden Frage, wo, wann und wie, unter welchen Umständen und Bedenken zu erwartender Folgen solche militärischen Interventionen geboten und gerechtfertigt sein könnten, ging Joachim Gauck nicht nach. Einen Zugriff der Bundeswehr beispielsweise auf Saudi-Arabien wird er freilich nicht im Sinne haben.

Zeitgleich zum deutschen Bundespräsidenten äußerte sich in einem Interview mit der katalonischen Zeitung "La Vanguardia" auch das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zur Bedeutung des Militärs in der Weltgesellschaft. "Der Kapitalismus braucht den Krieg", beschrieb Papst Franziskus kritisch die Lage. Das gegenwärtig herrschende Wirtschaftssystem setze auf Gewalt als Mittel "zum Überleben". Die Rüstungsindustrie opfere Menschenleben im Dienst am "Idol des Profits".

Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen den Sichtweisen dieses Staats- und dieses Kirchenoberhauptes. Hier die Verkündigung des politisch "Prinzipiellen", die Abstraktion von lebensweltlichen Interessen und Wirkungen; dort der kritische Blick auf gesellschaftliche Realitäten. Eine Differenz zwischen zwei gelernten Theologen - die nicht theologisch zu erklären ist.

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