Überwachung total

23.06.2014

Wie wir in Zukunft unsere Daten schützen. Peter Schaar (Ex-Bundesbeauftragter für den Datenschutz) im Gespräch mit Klaus Benesch und Christian Grothoff.

Telepolis-Gespräch

Überwachung total

Wie wir in Zukunft unsere Daten schützen

Wie wir in Zukunft unsere Daten schützen
Peter Schaar (Ex-Bundesbeauftragter für den Datenschutz) im Gespräch mit Klaus Benesch und Christian Grothoff

Das Internet, entstanden als Plattform für den ungehinderten Informationsaustausch und als Forum freier Meinungsbildung, degeneriert zunehmend zu einem globalen Überwachungsnetz, wobei sich die verschiedenen staatlichen Akteure um die lohnendsten Fischgründe streiten.

sound

Audio-Mitschnitt der Veranstaltung am 7. Juli
(MP3, 73min, 35MB)

Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit a.D., ist Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz. Er zeigt in seinem neuen Buch, dass es ohne Datenschutz keine Meinungsfreiheit gibt. Edward Snowden war nur der Bote: Geheimdienste haben seit den Terroranschlägen von 2001 das Internet umfassend unterwandert, entstanden ist ein "überwachungs-industrieller Komplex". Weltweit wird alles durchgerastert, was das digitale Netz hergibt. Im Visier stehen nicht nur Terroristen oder Kriminelle, sondern wir alle. Die Datenfischer suchen nach persönliche Informationen, Staats-, Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen - je mehr desto besser.

Das Sicherheitsversprechen der westlichen Welt droht in ein totalüberwachtes Internet zu führen. Abwehrmaßnahmen einzelner Staaten vor der Überwachung anderer könnten aus dem globalen Internet auch ein Patchwork nationaler Netze machen. Aber es ist vor allem durch Snowden etwas in Bewegung gekommen: "Das hermetische System geheimer Überwachung, das seit 2001 auch in demokratischen Gesellschaften errichtet wurde, zeigt die ersten Risse", glaubt Schaar zu beobachten.

Peter Schaar. Bild: Alexander Klink/CC-BY-SA-3.0

Datenschutz dürfte im Gegenzug zunehmend zu einem Wirtschaftsfaktor werden. Schaar hofft auch auf eine neue Bürgerbewegung und eine gesellschaftliche Diskussion, die zu einem neuen politischen Verständnis von Datenschutz und Sicherheit und damit zu den Grundlagen einer demokratischen Informationsgesellschaft führt. Und er empfiehlt, sich mehr um den digitalen Selbstschutz zu kümmern, um das Risiko der Überwachung und des Datendiebstahls zu mindern.

Peter Schaar diskutierte mit Klaus Benesch, Professor für Nordamerikastudien in München, und Christian Grothoff (Professor für Informatik an der TU München) über Demokratie im Informationszeitalter. Moderation: Florian Rötzer (Telepolis)

Das Telepolis Gespräch fand Montag, 7. Juli 2014, 20.00 Uhr, im Literaturhaus München, Salvatorplatz 1, 80333 München statt.

Veranstalter waren die Stiftung Literaturhaus, der Aufbau Verlag und Telepolis.

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