Wer hat die Boeing 777 der Malaysian Airlines abgeschossen?

18.07.2014

Ein Abschuss würde den Ukraine-Konflikt auf jeden Fall verschärfen

Der Absturz der Boeing 777 der Malaysian Airlines über der Ostukraine scheint alle Kriterien für eine Verschwörung zu enthalten. Gerade wurden von den USA und der EU neue Sanktionen gegen Russland ausgesprochen, während die Ukraine und Russland sich wechselseitig beschuldigen, die jeweils andere Seite unter Beschuss zu nehmen. Die Ukraine wirft Moskau vor, einen Krieg gegen sie zu führen; die Kiewer Regierung schürt aber den Konflikt auch ihrerseits an, weil man an einer Verhandlungslösung und einem Waffenstillstand auf Druck des Maidan und mit Unterstützung der USA und einiger osteuropäischer Länder nicht mehr interessiert zu sein scheint.

Die Vorfälle, die zu einer Eskalation führen sollen oder dies jedenfalls tun, häufen sich, zumal weder die USA noch die Nato zur Deeskalation beitragen. Nun also der Verdacht, dass ein über die Ostukraine in 10.000 Meter Höhe hinwegfliegendes Flugzeug von Amsterdam nach Kuala Lumpur abgeschossen worden sein könnte. Alle 295 Passagiere und Crewmitglieder wurden vermutlich getötet. Neben Malaysiern und Australiern waren vor allem Niederländer an Bord. Aber es sollen auch Deutsche unter den Passagieren gewesen sein.

Die Absturzstelle liegt in der Nähe der russischen Grenze, das Gebiet ist zwischen den Separatisten und den Streitkräften der Regierung umkämpft. Angeblich, so gibt die New York Times die Haltung der US-Regierung wieder, sei das Flugzeug nach den Daten eines US-Satelliten in einer Höhe von 10.000 Meter geflogen und von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden.

Und weil die Separatisten vermutlich nicht die Waffensysteme haben, um ein Flugzeug in dieser Höhe abschießen zu können, kommt in dieser Sichtweise Russland in Betracht. Noch scheint unklar zu sein, von genau wo die Rakete abgeschossen wurde. Klar ist, dass der Absturz oder der Abschuss die Spannungen verstärken wird. US-Vizepräsident Biden hat schon deutlich gemacht, dass es sich um einen schwer wiegenden Vorfall handele. US-Experten arbeiten mit ukrainischen Behörden zusammen, um die vermutlichen Täter herauszufinden.

Der ukrainische Präsident Poroschenko nutzt die Gelegenheit und bezeichnet den Absturz als "Terroranschlag". Kiew bezichtigt die Separatisten, das Flugzeug abgeschossen zu haben, was diese aber abstreiten und erklären, dass die ukrainischen Streitkräfte das Flugzeug womöglich mit einem russischen Spionageflugzeug verwechselt haben. Die ukrainische Regierung geht wiederum davon aus, dass die Separatisten das Passagierflugzeug entweder mit einer Militärmaschine verwechselt haben oder das Flugzeug als Provokation abgeschossen haben. Letzteres wäre aber wohl sehr unwahrscheinlich, weil höchst unklug, da die Separatisten mit einem negativen Image als "Terroristen" zu kämpfen haben.

Bei dem Vorfall fällt einem natürlich auch der Wendepunkt der Maidanbewegung ein. Die Schüsse auf Aktivisten (und Polizisten) haben die Krise zu einer Klimax geführt. Das Abkommen mit der Janukowitsch-Regierung wurde weggewischt und eine neue Regierung implantiert, die nun von den heiliggesprochenen Märtyrern der "göttlichen Hundert" des Maidan legitimiert bzw. unter Druck gesetzt wird. Noch immer ist nicht aufgeklärt, wer die Scharfschützen gewesen sind. Der Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Behörden der Post-Janukowitsch-Zeit an einer Aufklärung nicht interessiert sein könnten. Womöglich waren auch militante Maidan-Aktivisten von den so genannten "Selbstverteidigungskräften" daran beteiligt. Auch der Anschlag in Odessa Blieb bislang weitgehend unaufgeklärt. Vermutet wird, dass hier aus der Maidan-Bewegung entstandene rechtsnationalistische Milizen, die Kiew offiziell anerkannt hat, eine entscheidende Rolle gespielt haben.

In beiden Fällen haben die USA und die EU wenig oder keinen Druck auf Aufklärung ausgeübt. Man könnte vermuten, dass man lieber das Freund-Feindschema aufrechterhalten wollte. Das könnte auch jetzt wieder durchschlagen, da sowohl die ukrainischen Falken und Extremisten als auch die Separatisten an einer Zuspitzung des Konflikts interessiert sind. Letztere, um doch noch russische Truppen zur Unterstützung und "humanitäre" Hilfe hereinzuziehen, während die ukrainischen Nationalisten auf militärische Unterstützung seitens der Nato hoffen.

Russland scheint sich darum zu bemühen, den Vorfall aufzuklären, Putin machte aber erst einmal Kiew dafür verantwortlich, weil es nach der Beendigung des Waffenstillstands das militärische Vorgehen wieder aufgenommen hat. Russische Medien melden, Augenzeugen würden berichten, dass die Passagiermaschiene von einem Kampfflugzeug beschossen worden sei.

Aus Kiew hört man, es gebe ein abgehörtes Telefongespräch zwischen einem russischen Geheimdienstoffizier und einem Kommandeur der Miliz, aus dem hervorgehe, dass Kosaken das Flugzeug abgeschossen hätten.

Allerdings ist es bereits der zweite Absturz eines Flugzeugs der Malasian Airlines in 5 Monaten. Trotz aufwendiger Suche ist unbekannt, wo die MH-370 abgestürzt oder verblieben ist (Flug MH-370: Alles bleibt offen).

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