Franziska, Jakob, bitte macht was!

30.07.2014

SPIEGEL-Blog empört sich über "soziale Netzwerke"

Das Imperium schlägt zurück: Nachdem alleine der Telepolis-Artikel über die Zensur im Russland-Forum (SPIEGEL schließt Russland-Forum nach drei Stunden) zum Spiegel-Titelbild vom Montag so viele Tweets bekam wie der Artikel selbst (Artikel: 389. Kritik daran: 370), fühlte sich die Spiegel-Redaktion bemüßigt, in eigener Sache den - natürlich für Leser nicht kommentierbaren - Spiegel-Blog zu aktivieren. "Wer ist der Kriegstreiber?", fragt darin die Redaktion, und hat die Antwort natürlich längst parat.

"Besonders erregte" Besucher, so der Spiegel, der ja das Russland-Forum nach drei Stunden stilllegte, hielten das Titelbild für "kriegstreiberisch". Völlig zu Unrecht natürlich. Denn:

Der SPIEGEL spricht sich in seiner Titelgeschichte dafür aus, Putin und den prorussischen Separatisten in der Ukraine Einhalt zu gebieten - und zwar ausschließlich mit harten wirtschaftlichen Sanktionen und ausdrücklich nur mit nichtmilitärischen Mitteln.

Da davon auszugehen ist, ja Gewissheit besteht, dass nicht nur die Separatisten, sondern auch unser Partner und Nachbar Russland über beträchtliche eigene militärische und nichtmilitärische Mittel verfügt - so könnte ja etwa die Ukraine nächsten Winter ohne Gas verbringen -, ist die Vorstellung, "wirtschaftliche Sanktionen" gegen Russland würden die Lösung der politischen Probleme der Ukraine befördern, äußerst naiv.

Screenshot der Spiegel-Seite.

Schließlich treibt die Ukrainer in der Krim und in der Ost-Ukraine die Hoffnung auf eine bessere wirtschaftliche Situation in Richtung Russland, wo man in jedem Beruf mindestens doppelt so viel verdient wie in der Ukraine, wo es eine Polizei und einen Staat gibt, der ein Mindestmaß an Schutz und Fürsorge gewährt.

Die Regierung der Ukraine ist in keiner Weise befähigt, diese Probleme zu lösen, sondern verstärkt diese in der Hoffnung, dass ihre Rechnungen für Waffen, Söldner, Berater und Gas nun von Brüssel und Washington bezahlt werden. Die Ukraine ist bekanntlich bankrott und kann sich nicht nur keinen Krieg, sondern auch keine Gerichte zur Untersuchung der Maidan-Morde oder auch nur eine funktionierende Verwaltung oder Polizei leisten.

Der SPIEGEL, jahrzehntelang ein regierungsunabhängiges und regierungskritisches Medium, beruft sich nun darauf, dass seine Boykott-Position von der Bundesregierung und von "52 Prozent der Deutschen" geteilt würde:

Diese Forderung ähnelt der veränderten Haltung der Bundesregierung, die solche Sanktionen an diesem Dienstag im Rahmen der EU mitbeschlossen hat - und auch der von 52 Prozent der Deutschen, die laut einer repräsentativen SPIEGEL-Umfrage Sanktionen auch dann unterstützen würden, wenn sie Arbeitsplätze kosten sollten.

Als ob es den Gegnern von Handelskriegen um Arbeitsplätze gehen würde! Deutschland ist ein friedliches Handels-, Kultur- und Industrieland, das anderen Ländern und Regierungen nicht vorschreiben kann, wie dort regiert und verwaltet wird - insbesondere nicht Russland, das der BRD freiwillig die DDR überließ und seine Kredite bis auf den letzten Euro zurückzahlte.

Einige der "besten Freunde" Deutschlands, nämlich die USA, Israel, Katar und Saudi-Arabien verwüsten weite Teile des Nahen Ostens - und zerstören dabei das friedliche Geschäft von Rohstoffen gegen Technologie, das für diese Region die einzige Chance für Wohlstand darstellt. Viele Menschen dort haben sich radikalisiert, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Religion und Kultur vom Westen verachtet werden. Nicht anders ist es in der Ost-Ukraine.

"Organisiert auftretende, anonyme User", schreibt die Spiegel-Redaktion, fielen in den schrecklichen "sozialen Netzwerken" über Deutschlands Leitmedium her.

Nein, ich bin weder organisiert, noch anonym. Vor einigen Jahren schrieb ich noch selbst für Spiegel-Online. Ich habe mit Franziska Augstein bei Urs Jaeggi Schreiben studiert. Jakob, Franziska, bitte macht jetzt etwas. Der Spiegel steht vor einem tiefen Abgrund.

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