Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan neu entfacht

03.08.2014

Unterschiedliche Angaben zum Auslöser

Der seit 1994 ruhende Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach ist erneut ausgebrochen. Zum konkreten Anlass gibt es ebenso unterschiedliche Angaben wie zu den Toten.

Die armenische Regierung spricht von "Saboteuren" aus Aserbaidschan, die versuchten hätten, nach Armenien und in das (in Form einer "asymmetrischen Konföderation" angeschlossene) Gebiet Berg-Karabach einzudringen. Als man dies bemerkte, sei es zu Schießereien gekommen, bei denen ein armenischer Soldat und 14 aserbaidschanische Saboteure das Leben verloren hätten.

Aus Aserbaidschan hieß es dagegen, armenische "Späh- und Sabotagekommandos" seien an der Waffenstillstandslinie gestoppt worden, wobei zehn Soldaten und zwei Feinde ihr Leben lassen mussten. Später verringerte das Verteidigungsministerium in Baku die Zahl der getöteten Aserbaidschaner auf vier.

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan begann Ende der 1980er, als es nach Unabhängigkeitsforderungen der armenischen Mehrheit im autonomen Gebiet Berg-Karabach zu Pogromen in der aserbaidschanischen Stadt Sumgait kam, in deren Folge viele Armenier aus Aserbaidschan flüchten. Insgesamt wurden während der Auseinandersetzungen etwa 530.000 Aserbaidschaner aus von Armeniern kontrollierten Gebieten und 250.000 Armenier aus Aserbaidschan vertrieben - deutlich mehr, als die 140- bis 150.000, die heute in Berg-Karabach leben.

Karte: Telepolis.

Am 2. September 1991 erklärte sich Berg-Karabach für unabhängig, worauf hin aserbaidschanische Truppen einmarschierten und von armenischen Kräften zurückgedrängt wurden. Die armenischen Soldaten besetzten auch einen Korridor zwischen Armenien und Berg-Karabach, der jedoch nicht nur aus den zwei 1929 von Stalin an Aserbaidschan übertragenen, sondern gleich aus sieben überwiegend von Aseris - schiitischen Türken - besiedelten Landkreisen bestand.

Die Frage der völkerrechtlichen Gültigkeit der Abspaltung des eigentlichen Berg-Karabach ist weniger eindeutig als sie auf den ersten Blick scheint: Das am 3. April 1990 erlassene Sowjetgesetz "Über das Verfahren der Entscheidung von Fragen, die mit dem Austritt einer Unionsrepublik verbunden sind" enthielt eine Schutzklausel für autonome Gebiete, die im Falle eines Austritts der Republik aus der Sowjetunion per Volksabstimmung über ihren Status entscheiden sollten - was in Berg-Karabach 1991 geschah.

Anders als im Fall des Kosovo-Gebiets will man aber bei EU und NATO nichts von einer Anerkennung der Unabhängigkeit Berg-Karabachs wissen. Hintergrund ist zum Teil die Haltung des NATO-Mitglieds und EU-Beitrittskandidaten Türkei, die sich zum einen als Schutzmacht Aserbaidschans begreift und zum anderen einen ungelösten historischen Konflikt mit dem armenischen Volk mit sich herumschleppt.

Russland gilt zwar als Schutzmacht Armeniens, lieferte in den letzten beiden Jahrzehnten aber auch Waffen an das ölreiche Aserbaidschan. Nun rief die stellvertretende russische Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa beide Konfliktparteien zum Gewaltverzicht auf und warnte vor einer weiteren Eskalation.

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