Was folgt nach dem Glühbirnen-Verbot...

16.08.2014

...und der obsoleten Kaffeemaschinen-Verordnung? Insgesamt 27 Produktgruppen stehen derzeit in der Diskussion

Legionellenfilter, Aquarien, Haar- und Händetrockner, Rolltreppen und Aufzüge, Garten- und Gewächshäuser, Rasenmäher, ... insgesamt 27 Produktgruppen stehen derzeit in der Diskussion. Die Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG sieht die Untersuchung von ausgewählten Produktgruppen hinsichtlich möglicher Energieeinsparungen bei Produktion, Nutzung und Entsorgung vor. Zudem soll geprüft werden, ob es Möglichkeiten gibt, den Verbrauch von Ressourcen und den Ausstoß von Schadstoffen während der Gesamtlebenszeit der Produkte zu reduzieren.

EU-Kommission prüft mitunter Aquarien auf Möglichkeiten der Energieeinsparung. Bild: public domain

Die Ökodesign-Richtlinie versteht die EU als Kernelement ihrer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Industriepolitik. In Artikel 16 wird festgelegt, dass die EU-Kommission Arbeitspläne erstellen soll, die in der Folge abgearbeitet werden. Zuständig für die Erstellung der Arbeitspläne ist die Generaldirektion Unternehmen und Industrie, welche die Vorstudien ausschreibt.

Nachdem inzwischen mehr als zwanzig Produktgruppen nicht nur hinsichtlich ihrer Energieeffizienz und der Energieeinsparpotentiale untersucht, sondern auch die entsprechenden Maßnahmen verordnet wurden, werde nun weitere Produktgruppen für kommende Untersuchungen vorgeschlagen.

Im Gegensatz zu den Verhandlungen zu TTIP und TISA ist der Prozess der EU-Ökodesign-Vorstudien einschließlich der Auswahl der zu untersuchenden Produkte öffentlich dokumentiert und die Stakeholder sind zum Kommentar aufgefordert. Leider sind die Fristen hierzu meist sehr kurz und liegen gerne in der Ferienzeit.

Der Entwurf für den dritten Arbeitsplan im Rahmen der EU-Ökodesign-Richtline wird insgesamt vier Tasks umfassen. Task 3 mit knapp 270 Seiten wurde im Juli veröffentlicht und enthält eine ziemlich wilde Sammlung von Produktgruppen, die man für untersuchungswürdig hält.

Darunter befinden sich Produkte, die den Autoren aus anderen Projekten bekannt waren, die im Zusammenhang mit den vorhergegangenen Arbeitplänen schon einmal in der Diskussion waren oder solchen, in der Vergangenheit schon einmal untersucht wurden und bei welchen man nun aktuell signifikante Zuwächse im Markt festzustellen glaubt.

Zu diesen Produkten, die hier gerade wieder aufblitzen, gehören digitale Projektoren, die in Deutschland meist als Beamer bezeichnet werden. Sie wurden vor wenigen Jahre schon einmal untersucht, im Rahmen der Studie wurde deutlich, dass zumindest in Europa die Verkaufszahlen auf absehbare Zeit rückläufig sind, weil großformatige Flachbildschirme den Projektoren den Markt streitig machen.

In den Blickpunkt kamen die Projektoren jetzt offensichtlich, weil die Prodcom-Zahlen von Eurostat ein plötzliches Wachstum bei den in Europa produzierten Projektoren von 6.000 Stück im Jahre 2009 auf 1,6 Mio. im Jahre 2011 ausgewiesen haben - und dies bei einem dramatischen Preisverfall.

Auf Nachfrage konnte weder Eurostat noch Destatis einen Fehler finden. Da die Länderzahlen fast alle vertraulich sind, ist eine Überprüfung der Zahlen durch Außenstehende nicht möglich.

Auch sonst sind die Vorschläge durchaus lückenhaft. Bei den zur Untersuchung vorgeschlagenen Aquarien werden nur die Heizung und die Beleuchtung als Bereiche mit Einsparpotential aufgeführt. Bei der Beleuchtung ist zu erwarten, dass die heute genutzten T5-Leuchtstoffröhren zügig gegen LED-Stäbe ausgetauscht werden, weil deren Lebenszeit deutlich länger ist.

Bei der Umsetzung von elektrischer Energie in Wärme mittels einer Art Tauchsieder sind die Einsparpotentiale wiederum ziemlich überschaubar. Dies gilt auch für elektrische Wasserkessel, Haar- und Händetrockner. Während sich (Aufsitz-) Rasenmäher in der Produktliste wiederfinden, tauchen die lärmenden Laubbläser dort nicht auf. Dafür finden sich Garten- und Gewächshäuser. Nun mag es ja sein, dass im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung die Zahl der ganzjährig bewohnten Gartenhäuser zunehmen wird, ob hier jedoch jährlich 200.000 bewohnte Einheiten dazukommen ist eher fraglich.

Und bei den Gewächshäusern wird sich mit Sicherheit zeigen, dass der Energiebedarf in nördlichen Gefilden höher ist als im Süden. Mit Systemen der transparenten Wärmedämmung (TWD) ließe sich die Energiebilanz der Gewächshäuser sicher verbessern. Allein die Statik der meisten Gewächshäuser wäre mit dem Gewicht einer TWD wohl überfordert.

Wer viel in Bürogebäuden unterwegs ist, wird dort meist einen Aufzug benutzen und feststellen, dass im Aufzug das Licht brennt. Seit Jahren werden Aufzüge schon mit energieeffizienten Leuchtstoffröhren ausgestattet, die sich ausschalten, wenn der Aufzug nicht benutzt wird. Beim zweiten Energieverbraucher, dem Antriebsmotor, hat sich in den vergangen Jahren gezeigt, dass die alten Motoren vielfach effizienter waren, als die im Austausch eingebauten neuen Systeme.

Sicher könnte man wie bei modernen Straßenbahnen die Abwärtsfahrt des Fahrzeugs im Aufzugsschacht zur Stromerzeugung nutzen. Bei Rolltreppen wird dies auf Kundenwunsch heute schon angeboten. Vielleicht kommt ja jemand auf die Idee, hier das technisch Mögliche mit dem gesundheitlich Nützlichen zu verbinden und vorzuschlagen, Rolltreppen grundsätzlich nur noch abwärts fahren zu lassen, weil Treppensteigen gesund ist, Treppen absteigen jedoch die Kniegelenke belastet. Ob man dafür eine EU-Verordnung benötigt, ist eine andere Frage.

Lassen sich die Überlegungen hinsichtlich möglicher Energieeffizienzsteigerung bei den meisten Produktgruppen noch mehr oder weniger nachvollziehen, so sorgt die Produktgruppe Legionellenfilter beim geneigten Leser erst einmal für ordentliches Stirnrunzeln. Bei den üblichen Legionellenfiltern handelt es sich um textile Filter, die in einer Kartusche eingebaut sind, alle 31 Tage ausgetauscht werden müssen und dann im Hausmüll entsorgt werden.

In der Benutzungsphase benötigen diese Filter keine Energie. Also lässt sich bei dieser Produktgruppe eine Energieeinsparung nur in der Herstellungsphase darstellen. Hier aber kränkelt das für die Einsparungsberechnung vorhandene Tool der Ökodesign-Vorbereitungsstudien. Da sind alle Produktionsprozesse systematisiert und nach einem Produktionsprozess für technische Textilien wird man im vorhandenen Katalog lange suchen.

Offensichtlich verfolgt man mit dem Vorschlag, die Energie-/Ressourceneffizienz bei den Filtern zu steigern, das Ziel, weg von Einweg- und hin zu Mehrwegprodukten zu kommen. Ob dies jedoch für den Bereich der Krankenhäuser, wo die Legionellenfilter mehrheitlich zum Einsatz kommen, der richtige Weg ist, bleibt fraglich.

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