EloKa - die Abhörtruppe der Bundeswehr

09.08.2014

Der BND ist nicht die größte Lauschorganisation Deutschlands: Alles über die Elektronischen Kampfführung (EloKa)

Seit Bekanntwerden der Snowden-Dokumente stehen die Machenschaften des amerikanischen Abhördienstes National Security Agency (NSA) und deren fragwürdige Zusammenarbeit mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages tut so, als wolle er die millionenfache Verletzung der Privatsphäre deutscher Staatsbürger aufarbeiten. Dabei ist der BND gar nicht mal die größte Abhörorganisation in der BRD. Die Bundeswehr betreibt vier Bataillone der so genannten Elektronischen Kampfführung (EloKa), die bei Auslandseinsätzen zum Einsatz kommen.

NATO APP-6a Electronic Warfare/ Taktisches Zeichen ELOKA

Der Begriff der "Elektronischen Kampfführung"

Der Name "Elektronische Kampfführung" (engl. Electronic Warfare - EW) ist irreführend, zumindest erklärungsbedürftig: Die EloKa gehört zur Fernmeldetruppe und verfügt über schätzungsweise 3.000 Soldaten und ist damit personalstärker als die Fernmeldeaufklärungsabteilung des Bundesnachrichtendienstes. Sie hat verschiedene Aufgaben:

Im Rahmen der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung (FmEloAufkl) werden die feindlichen Funkverkehre abgehört. International spricht man hier von der "Signal Intelligence" (SIGINT). Die SIGINT gliedert sich in zwei Bereiche: Im Rahmen der Communications Intelligence (COMINT) werden die Sprech-, Tast- oder Schreibfunkverkehre zur Informations- oder Befehlsweitergabe belauscht. Aufklärungsziel ist die Analyse der gegnerischen Gefechtsordnung (Organisation, Stärke und Ausrüstungsnachweisung - OSTAN bzw. engl. Order-of-the-battle - ORBAT), um Aufschlüsse über die Feindabsichten zu gewinnen, damit man rechtzeitig operative Gegenmaßnahmen einleiten kann. Über mitgehörte Feindgespräche bekommt man auch die gegnerischen Erkenntnisse über den eigenen Truppenaufmarsch gespiegelt und kann seine Einheiten entsprechend umgruppieren.

Bei der "Electronic Intelligence" (ELINT) geht es um das Erfassen der elektromagnetischen Abstrahlungen der gegnerischen Radar- und Funkanlagen zur Luftraumüberwachung, Raketen- oder Drohnensteuerung oder die Ausforschung seiner Computernetzwerke. Die Erfassung dieser telemetrischen Signale dient vor allem der technischen Identifizierung der verwendeten Gerätschaften des Gegners.

Zur Erfassung der gegnerischen Abstrahlungen (COMINT oder ELINT) gehört es auch, die Sendestation zu orten. Untergeordnete Sendestellen sind näher, höhere Befehlsstellen befinden sich weiter entfernt im Hinterland des Gegners. Hat eine Abhörstation in seinem Frequenzsuchlauf einen Sender entdeckt, meldet er dies den Peilern, die die Sendestelle dann orten. Dazu reicht nicht eine einzelne Peilstation aus, da diese nur die ungefähre Richtung nicht aber die Entfernung der Sendestation bestimmen könnte. In der Praxis setzt man gleichzeitig drei Peilstationen ein, die möglichst weit voneinander liegen. Ihre Messungen ergeben ein so genanntes "Fehlerdreieck", in dem sich der fragliche Sender befindet. Dieser kann dann durch Artillerie oder Luftangriffe zerstört werden.

Elektronische Unterstützungsmaßnahmen (EloUM) erfolgen mittels hochempfindlicher Empfangsgeräte, die feindliche Funkemissionen erfassen, aufzeichnen und detailliert auswerten, um daraus abgeleitet eventuell umgehend geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Bekanntestes Beispiel ist das Radarwarngerät in Kampfflugzeugen und Hubschraubern.

Elektronische Gegenmaßnahmen (EloGM) dienen dazu, die gegnerischen Funkverkehre durch Störsender zu täuschen oder zu stören.

Elektronische Schutzmaßnahmen (EloSM) dienen dazu, die eigenen Fernmeldeverkehre gegenüber Ausspähung oder Störung zu schützen. Dies erfolgt u. a. durch Verschleierung oder Verschlüsselung der Kommunikation, strikte "Funkdisziplin" oder technische Maßnahmen und Verfahren.

In den letzten Jahren kam noch die Akustische Aufklärung (Acoutic Intelligence - ACOUSTINT) hinzu, dabei geht es um die Erfassung hydroakustischer Fernmeldeverkehre unter Wasser.

In der Heeresdienstvorschrift Hdv 290/610 "Die Elektronische Kampfführung im Heer" vom Januar 1976 heißt es:

Die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung des Heeres ist ein wesentliches Mittel der Nachrichtengewinnung. Dies gilt nicht nur für den Verteidigungsfall, sondern auch schon für den Frieden. Sie liefert der politischen und militärischen Führung allgemeine und aktuelle Ergebnisse, die bei rascher Auswertung wichtige Erkenntnisse über die Absichten des potentiellen Gegners vermitteln.

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