Die Google-ähnliche Suchmaschine der NSA

26.08.2014

Mit der seit 2007 existierenden Suchmaschine ICREACH konnten auch Strafverfolgungsbehörden wie FBI oder DEA auf mehr als 850 Milliarden Metadaten zugreifen

Immerhin scheint die NSA nicht Google zu benutzen, der mächtige US-Geheimdienst hat eine eigene Suchmaschine aufgebaut, auf die Dutzende von US-Behörden Zugriff haben. Durchsucht werden können mindestens 850 Milliarden gespeicherte Metadaten von Telefonanrufen über Emails oder Lokalisierungen von Handys bis zu Internetchats, wie aus von Snowden geleakten Dokumenten hervorgeht, die The Intercept nun ausgewertet und vorgestellt hat.

Die Zusammenarbeit zwischen Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden ist damit eng. Nach den Dokumenten können etwa das FBI oder die Drogenbehörde DEA die Suchmaschine ICREACH, die ein Google-ähnliches Interface anbietet, benutzen und damit an Daten von US-Bürgern herankommen, die sie eigentlich nicht erhalten sollten. Wie immer erlaubt der Umweg über das Ausland, was eigentlich verboten ist. Die NSA erschließt die Daten, die nach der noch aus der Zeit Reagans stammende Executive Order 12333 im Ausland ohne Gerichtsbeschluss gesammelt wurden (foreign intelligence). Gerichtlich verwenden kann etwa das FBI die Daten nicht, wenn sie von der NSA kommen, aber es besteht die Möglichkeit der "Parallelkonstruktion", bei der die Herkunft der Daten durch die Konstruktion einer neuen Quelle verschleiert wird.

Geplant wurde die Suchmaschine noch 2005 unter der Präsidentschaft von Bush, 2007 nahm sie ihre Arbeit auf, unter Obama wurde die Umsetzung fortgesetzt. Nach einem Dokument aus dem Jahr 2010 hatten mehr als 1000 Analysten aus 23 Behörden Zugriff, um Bewegungsprofile oder Kommunikationsnetze von Personen zu erkennen. Die Suchmaschine solle realisieren, was als wichtigstes Manko nach 9/11 erkannt worden war, die sollte den Informationsaustausch zwischen den Behörden realisieren und täglich 2-5 Milliarden Aufzeichnungen von mehr als 30 unterschiedlichen Metadaten verarbeiten können. Gesucht werden kann beispielsweise mit einer Telefonnummer, um zu erfahren, wie oft und mit wem eine verdächtige Person telefoniert hat. Das ergibt dann einen Blick in das "soziale Netzwerk" dieser Person mit dem Beifang vieler Menschen, die mit dem Gesetz nicht in Konflikt geraten sind.

Herausgefunden werden sollten nach den Beschreibungen mögliche künftige Bedrohungen, erfasst werden aber auch die "minimierten" Daten von Amerikanern, so dass sie zunächst identifiziert werden, aber, so Intercept, jederzeit vervollständigt werden können, sobald Bedarf besteht.

Das Konzept der NSA-Suchmaschine ist aber, wie Intercept deutlich macht, nicht erst nach 9/11 entstanden, sondern geht bereits auf die 1990er Jahre zurück. Nach einem NSA-Memo wurden bereits in dem gemeinsam von der NSA und der DEA entwickelten Projekt CRISSCROSS Telefonmetadaten ausgewertet, um in Lateinamerika die Kommunikationsnetze von Drogenhändlern herauszubekommen. Ab 1999 hatte offenbar auch das FBI Zugriff, zudem wurde PROTON integriert, um weitere Metadaten etwa von Handys zu erfassen.

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