"Geistiges Eigentum" eines Terroristen

14.10.2014

Musiklabels könnten immer noch Tantiemen an die IS-Führungskraft Dennis Cuspert überweisen

Der deutsche Gewaltrapper Dennis Cuspert, der mittlerweile zum Führungszirkel der salafistischen Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) gehört, nahm zwischen 2006 und 2009 mehrere Musikwerke auf: Darunter die Alben "Murda Cocctail Volume 1", "Schwarzer Engel", "Geeni'z" und "Alle Augen auf mich", das auf der Juice-Heft-CD Nummer 69 enthaltene Stück "Willkommen in meiner Welt", den Song "Afrikana" und den Feature-Compilation-Beitrag "Gast ist König".

Außerdem wirkte er am Fler-Song "Am Abzug", am Volkan-T.-Stück "N.D.O.", an "StrassenReport" von Colos, an "Parkin' Lot Pimpin'" und "Bitches and Money" von Kid Hustle, an "an "Der Westen rollt", "Betonmacht" und "Brennt den Club ab" von MC Bogy sowie an mehreren anderen Rapper-Kooperationen mit.

Die deutsche Musikverwertungsgesellschaft GEMA verweigerte auf Fragen nach Zahlungen an Cuspert mit Verweis auf den Datenschutz letzte Woche eine Antwort und teilte gestern schließlich doch mit, dass Cusperts Mitgliedskonto aufgrund des "unbekannten Wohnsitzes" des Rappers seit 2009 gesperrt sei, weshalb die für ihn angefallenen Tantiemen nicht ausbezahlt würden.

Ob Cuspert Geld von den Labels erhält, die seine Werke veröffentlichten, ist weiterhin offen. Teilweise sind die Werke in jedem Fall noch außerhalb des Second-Hand-Markts erhältlich. "Am Abzug", "N.D.O.", "Der Westen rollt", "Betonmacht", "Brennt den Club ab", "Parkin' Lot Pimpin'", "Bitches and Money" und "StrassenReport" werden beispielsweise bei Amazon als MP3-Dateien verkauft.

Beim Berliner Label Streetlife, auf dem 2006 "Murda Cocctail Volume 1" und "Schwarzer Engel" erschienen, heißt es auf Anfragen dazu erst, man kenne gar keinen Dennis Cuspert. Auf den Nachweis der Veröffentlichungen hin verspricht man einen Rückruf, der jedoch unterbleibt.

Das Label Fight4Music, das neben der Cuspert-CD "Geeni'z" auch Aufnahmen des Gewaltrappers Wasīm Taha alias Massiv veröffentlichte, scheint es heute nicht mehr zu geben – zumindest existiert die Website nicht mehr und man findet auch sonst keine Kontaktdaten. Ursache dafür ist möglicherweise ein Namensstreit mit Tahas ehemaliger Plattenfirma Sony BMG, die Fragen dazu nicht beantwortet.

Deso-Dogg-Album "Alle Augen auf mich"

Von der Firma Twenty One Entertainment, die das Cuspert-Album "Alle Augen auf mich" veröffentlichte, findet man immerhin noch ein Facebook-Profil. Unter der dort angegebenen Festnetznummer meldet sich eine Frauenstimme für die Firma Vodafone, die meint, Twenty One Entertainment sei ihr "Chef" Serkan O. Unter der Mobiltelefonnummer, die sie weitergibt, ist jedoch auch nach tagelangen Versuchen niemand zu erreichen.

Das ist insofern besonders schade, als O. seinen Facebook-Spuren nach aus der türkischen Kurdenstadt Diyarbakir kommen und interessante Fragen dazu beantworten könnte, was er dazu sagt, dass sein ehemaliger Schützling Cuspert mit von ihm überwiesenen Geld vielleicht Waffen gekauft hat, die nun dazu benutzt werden, Kurden in Kobanê und anderswo zu massakrieren.

"Aggro Berlin", wo 2006 "Am Abzug" herauskam, hat 2009 alle Verträge mit Rappern gelöst und sich in eine Videoplattform umgewandelt. Wer jetzt für die auf Amazon verkauften Aggro-Stücke kassiert, ist unklar. Auch in den Fällen Swell Creek (wo 2008 "N.D.O." veröffentlicht wurde), NMK Entertainment (wo "Der Westen rollt", "Betonmacht" und "Brennt den Club ab" herauskamen), Big Money Entertainment (wo "Parkin' Lot Pimpin'" und "Bitches and Money" erschienen), und Mellowvibes Records (dem Label, das den "StrassenReport" zu verantworten hat), kann nicht geklärt werden, ob Cusperts "Geistige Eigentumsrechte" nicht nur zu MP3-Verkäufen, sondern auch zu Zahlungen an den IS-Terroristen führen.

Gestoppt werden könnten eventuelle Zahlungen dann, wenn Cuspert in die offizielle UN-Terrorliste aufgenommen wird. Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums ist dafür das Auswärtige Amt zuständig. Dort hieß es auf Fragen zu einer Aufnahme Cusperts in die UN-Terrorliste immer wieder, man rufe innerhalb der nächsten zwei Stunden zurück – aber auch das deutsche Außenministerium erwies sich in dieser Hinsicht als nicht zuverlässiger als ein deutsches Gangsterrap-Label.

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