71 Prozent der Deutschen lehnen Zeitumstellung ab

25.10.2014

Bundesregierung: Abschaffung der Maßnahme "kein Thema"

In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren in Europa um eine Stunde zurückgestellt. Das geht nun schon seit 1980 so. Damals hoffte man, dass durch die zweimal jährliche Zeitumstellung Energie eingespart wird. Untersuchungen zeigten allerdings, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall ist.

Bei den Bürgern ist die Zeitumstellung extrem unbeliebt: Einer aktuellen Umfrage nach wird sie von 71 Prozent der Deutschen abgelehnt. Als Gründe dafür nennen die Befragten unter anderem Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit, und Konzentrationsstörungen. Zehn Prozent machen die Zeitumstellung sogar für Depressionen verantwortlich.

Trotzdem verlautbarte Bundesegierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch, eine Abschaffung der Zeitumstellung sei für die Kanzlerin und ihr Kabinett "kein Thema", weil sich dafür alle 28 EU-Mitgliedsstaaten einig sein müssten, was "im Moment nicht in Aussicht" stehe.

Grafik: Daniel FR, Plenz. Lizenz: Public Domain.

Außerdem, so Seibert, sei für ihn "nicht ersichtlich, wer dies auf europäischer Ebene ernsthaft betreibe". Das ist insofern bemerkenswert, als ein CDU-Parteitag im April mehrheitlich für einen Antrag des Rheinisch-Bergischen Kreisverbands stimmte, in dem es heißt: "Wir setzen uns dafür ein, dass die Zeitumstellung in Europa abgeschafft wird und zukünftig wieder eine einheitliche ganzjährige Zeit gilt."

Kurz vorher hatte die auch für Energie zuständige bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner öffentlich verlautbart, sie sei eine Gegnerin der von einer sozialdemokratischen Bundesregierung eingeführten und 2001 in eine EU-Richtlinie gegossenen Maßnahme und erwäge, die EU-Kommission über eine Petition dazu zu zwingen, sich mit der Frage zu beschäftigen. Was ein halbes Jahr später daraus wurde, ist unklar: Ein versprochener Rückruf dazu blieb bis zur Fertigstellung dieser Meldung leider aus.

Die Krankenkasse DAK Gesundheit, die die Umfrage zur Zeitumstellung beim Meinungsforschungsinstitut Forsa in Auftrag gegeben hatte, zeigte sich überrascht davon, dass 60 Prozent der Unzufriedenen für eine dauerhafte Sommerzeit anstatt für einen Verbleib bei der von Medizinern präferierten Normalzeit plädieren. In Russland, wo man die zu Sowjetzeiten eingeführte Zeitumstellung nach einem Durchrechnen von Vor- und Nachteilen 2011 ad acta legte, führte die dauerhafte Sommerzeit, für die man sich zuerst entschied, im Winter zu zahlreichen Beschwerden. Deshalb kehrt man dort in der Nacht zum Sonntag zur Normalzeit zurück.

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