Versager werden zunehmend Salafisten

25.10.2014

Verdreifachung innerhalb weniger Jahre

Hans-Georg Maaßen, der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, teilte dem Rundfunksender RBB heute mit, dass sich die Zahl der Salafisten in Deutschland in den letzten Jahren verdreifacht hat: Aktuell sind dem Verfassungsschutz etwa 6.300 Anhänger dieser Ideologie bekannt, die ihren Lebensschwerpunkt in Deutschland haben. Bis zum Jahresende rechnet man mit einer weiteren Steigerung auf 7.000. Eine Entwicklung, die der Inlandsgeheimdienstchef für "besorgniserregend" hält

Ein statistisch gesehen hohes Risiko besteht Maaßen zufolge dann, wenn "vier M" zusammenkommen: "Männlich, muslimisch, Migrationshintergrund, Misserfolge in der Pubertät, der Schule oder in der sozialen Gruppe". Deshalb würden sich die neuen Kharidschiten gezielt Versagern zuwenden, denen sie das Gefühl geben, "vom Underdog zum Topdog zu werden".

Gut sieben Prozent der bekannten Salafisten – also etwa 450 Personen - sind Maaßen nach bislang aus Deutschland ausgereist, um dem Terrorkalifen in Syrien oder im Irak zu dienen. Allerdings werde der Verfassungsschutz häufig erst dann auf solche Personen aufmerksam, wenn sie sich schon im Kriegsgebiet aufhalten und den Fokus des BND oder anderer Auslandsgeheimdienste geraten, die das BfV informieren. Maaßen geht deshalb von einer hohen Dunkelziffer aus.

Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Foto: Bundesministerium des Innern/Sandy Thieme. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Bei sieben bis zehn dieser Ausgereisten gibt es Beweise oder Anhaltspunkte dafür, dass sie sich selbst in die Luft sprengten und dabei versuchten, dem Islamischen Staat (IS) militärische oder sonstige Vorteile zu verschaffen. 150 der Dschihad-Touristen kehrten nach Deutschland zurück, wo der Verfassungsschutz versucht, herauszufinden, wie gefährlich sie sind. Allerdings darf Maaßens Behörde aus rechtlichen Gründen nicht immer "das volle Instrumentarium ausfahren […], um diese Personen unter Kontrolle halten zu können".

Bei etwa zehn Prozent der ins Terrorkalifat ausgereisten Personen handelt es sich um Frauen. Sie sind (ähnlich wie ihre männlichen Äquivalente) meistens zwischen 18 und 25 Jahren alt und fühlen sich den Erkenntnissen des BfV nach "von der Situation und von den jungen Männern [angezogen], die als Mudschaheddin kämpfen". Gefördert würden solche Vorstellungen von einer "Jugendszene", die kitschige Bilder von Dschihad-Ehen verbreitet.

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