Die undurchsichtige Rolle der US-Militärberater

03.11.2014

Pläne für eine Großoffensive der irakischen Armee zur Rückeroberung von Gebieten, die der IS kontrolliert, vergrößern den Einfluß der USA und die Wahrscheinlichkeit für Konflikte mit Iran

Eine Großoffensive der irakischen Armee soll im nächsten Jahr entscheidende Schläge gegen die Dschihadistenmilizen des IS führen und bis Ende 2015, die Kontrolle der Regierung in Bagdad über wichtige Städte im Norden des Landes, wie zum Beispiel Mosul, wichtige Verkehrsverbindungen und Grenzübergänge zu Syrien wiederherstellen, die von den IS-Milizen besetzt sind.

Geplant ist die Offensive für das nächste Frühjahr, wie heute in der New York Times nachzulesen ist. Als Quellen für den "major push" mit Ansage werden namentlich nicht genannte Vertreter des irakischen und US-amerikanischen Militärs angegeben.

Warum die Militärs nun Angriffspläne für das nächste Jahr über die Zeitung veröffentlichen, ist nicht ganz klar. Um Selbstbewußtsein gegenüber dem IS zu dokumentieren? Immerhin ist aus den angedeuteten Absichten herauszulesen, dass die bisherige Vorgehensweise, die Luftangriffe, nicht genügen, um die IS-Milizen zurückzudrängen. Dies ist die eine Botschaft; sie wird verknüpft mit dem Hinweis, dass das US-Kommando und irakische Vertreter allen anderen Behauptungen zum Trotz, eine Strategie entwickelt hätten und verfolgen. Diese würde mehr und mehr sichtbar werden, heißt es in dem Artikel - also doch schon bald?

Große Überraschungen bietet die Strategie, soweit sie über den Bericht bekannt wird, nicht. Es geht darum, die Dschihadisten so anzugreifen, dass sie isoliert, also von möglichem Nachschub getrennt werden: Erst soll die Umgebung von Mosul der Kontrolle der IS-Milizen entzogen werden, dann wäre Mosul das nächste Ziel eines Angriffs.

Die Schwierigkeiten dieses Unterfangens und die Implikationen sind sonnenklar, sie dürften mit einer zweiten Botschaft zu tun haben: Man braucht fähige Bodentruppen, nicht nur zur Eroberung, sondern vor allem, um die eroberten Gebiete zu sichern, ein bekanntes Thema aus dem Irakkrieg des vorigen Jahrzehnts, auf das mit dem "Surge", der Verstärkung der US-Truppen geantwortet wurden. Das ist auch diesmal ein Ansatzpunkt. Nur dass es - bisher - nicht um eine vielzahlige Verstärkung amerikanischer Bodentruppen geht, sondern um eine Aufstockung der amreikanischen Militärberater.

Aufstockung

Das ist einer der heiklen Punkte, die mit dem Plan von der Großoffensive auf dem Thementisch serviert wird: die Notwendigkeit einer Erhöhung der Anzahl der US-Militärberater. Das wird nicht nur auf Skepsis, sondern auf Widerstand in Teilen der irakischen Regierung stoßen, weshalb die Aufstockung gut verkauft werden muss.

Im Oktober hatte die andere ausländische Führung, die über großen Einfluss auf die irakische Regierung verfügt, die Regierung Irans, bereits deutlich gemacht, dass eine allzu enge militärische Zusammenarbeit der irakischen Regierung mit den USA unerwünscht ist (vgl. Iran Proposes an Axis Against Islamic State to Iraq as an Alternative to the U.S. Coalition).

Laut Plänen der Militärs, von denen die New York Times berichtet, wären drei neue irakische Divisionen, etwa 20.000 Soldaten nötig, um die Offensive durchzuführen. Dafür würden Ausbilder benötigt, wie auch für die irakischen Sicherheits- und Polizeikräfte, die die zurückeroberten Gebiete halten sollen. Derzeit sollen 1.400 amerikanische Soldaten im Irak sein, darunter etwa 600, die "in beratenden Rollen" agieren.

Künftig 3.500 Berater?

Aus Militärkreisen hat die Zeitung erfahren, dass das Weiße Haus die Zahl der "Berater, Analysten und des Sicherheitspersonals" auf 1.600 beschränkt habe. Zugleich wird der Sprecher des Weißen Hauses, Alistair Baskey, damit zitiert, dass die Zahl nur eine Spiegel des gegenwärtigen Einsatzes wiedergebe, aber keine Norm sei. Aus dem Militärplanungsstab kommen nach den neuen Plänen größere Zahlen. Man brauche etwa 3.500 Soldaten, um die Beratung auf höheres Niveau zu bringen und die irakische Armee wiederaufzubauen.

Das Ganze ist mit vielen Vagheiten umstellt. Davon abgesehen, dass nicht einmal klar ist, ob unter den "Beratern, Ausbilder, Analysten" nicht auch Spezialtruppen sind, die eigenständige Operationen durchführen - in manchen Berichten wurde dies in der Vergangenheit zumindest angedeutet - , ist die militärische Mitwirkung der Berater generell ziemlich offen, wie ein Zitat aus dem Zeitungsbericht erkennen läßt:

Es ist nicht klar, unter welchen Umständen das Weiße Haus den amerikanischen Beratern erluaben wird, irakische Einheiten auf dem Kampffeld zu begleiten oder Luftunterstützung anzufordern, was, wie der Vorsitzende des Generalstabs (Joint Chiefs of Staff) General Martin E. Dempsey, hinwies, nötig wäre.

Die schiitischen Milizen

Wie bereits erwähnt, dürfte der Ausbau des Einflusses amerikanischer Miltärs im Irak auf größere Skepsis in Iran stoßen. Und dies umso mehr, als die irakische Armee zu großen Teilen aus schiitischen Milizen besteht. Und man muss im Zeitungsartikel auch nicht weit suchen, um auf US-Vorhaben zu stoßen, die genau diese Milizen im Visier haben.

So wird, nachdem man auf die Unterstützung amerikanischer Militärberater für die irakischen Armee gegen schiitische Milizen in der Vergangenheit aufmerksam gemacht hat, die Forderung des Chefberaters Obamas in Sachen National Security, Antony J. Blinken, herausgestellt, wonach die schiitischen Milizen aufgelöst werden müssten. Die Gegenraktion des irakischen Präsidenten Fuad Masum, demzufolge die schiitischen Milizen bis zur Niederlage des "Islamischen Staates" benötigt würden, zeigt an, dass hier Konfliktstoff gärt.

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