Hooligans wollen an die Leine

03.11.2014

Die Chaos-Tage mit Falschmeldungen um den neuen Aufmarsch der "Hooligans gegen Salafisten" haben ein Ende. Es geht nach Hannover

Die niedersächische Landeshauptstadt Hannover machte seit Anfang der 1980er Jahre mehrfach Erfahrungen mit den Chaos-Tagen der Punks, nun aber wollen die "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa) die Stadt an der Leine beglücken. Nach den zahlreichen Verwirrungen in den Medien über deren Vorhaben, zurückgezogenen oder gefälschten Anmeldungen teilte das Netzwerk dies zuerst am Sonntag vage mit und wirbt nun selbst für den Aufmarsch. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert und prüfen ein Verbot.

Am Sonntag meldete der NDR, dass die HoGeSa am 15. November in Hannover erscheinen wollen. Ein Mann aus Nordrhein-Westfalen habe für diesen Tag eine Versammlung unter dem Motto "Europa gegen den Terror des Islamismus" per Fax und Mail angemeldet. Zuvor hatte es Verwirrungen darum gegeben, ob ein Aufmarsch an diesem Tage in Hamburg (Marsch auf Hamburg) oder Berlin ("Hooligans gegen Salafisten": Doch eher ein Marsch zum Brandenburger Tor?) stattfinden sollte.

In Berlin soll es sich bei der Anmeldung um eine Fälschung gehandelt haben, bei denen Daten eines Mannes genutzt worden seien, der laut Polizei "sehr aktiv" bei der Anmeldung der Kölner Hooligan-Aktion gewesen sei. Eine Kontaktaufnahme zwischen dem Mann und der Polizei kam jedoch erst zustande, nachdem die Anmeldung den HoGeSa abermals Schlagzeilen beschert hatte.

Verloren haben die HoGeSa offenbar ihren Regionalleiter West, der in Köln noch an der Organisation mitbeteiligt war. Andreas K., der sich selbst Kalle Grabowski nennt, gab seinen Rückzug bekannt. Auch wenn nur zehn Prozent der Teilnehmer in Köln an den Ausschreitungen (Ausschreitungen und Fremdenhass) beteiligt gewesen seien, könne er es nicht mit seinem "Gewissen […] vereinbaren, dass dabei eventuell völlig Unbeteiligte zu Schaden kommen". Unbeteiligte - etwa Migranten - litten laut Focus offenbar weitaus stärker unter der An- und Abreise der Hooligans als bisher bekannt.

Nicht bei jenen Zugreisenden, wohl bei anderen von den Ausschreitungen "Betroffenen" haben sich die HoGeSa in einer Stellungnahme entschuldigt. Allerdings: "Zu erwähnen ist aber auch, dass weniger als zehn Prozent der Teilnehmer sich nicht ordnungsgemäß verhalten haben", heißt es in dem Text weiter. Das wären demnach also rund 500 Randalierer gewesen. Aber auch die Polizei habe sich "nicht immer korrekt verhalten". Und "Steine, Raketen usw. der anderen Seite" seien "auf unsere Veranstaltung" geflogen. "Wir möchten jetzt nicht die Schuld auf andere schieben, aber wir möchten es erwähnen." Überdies versuche man, sie "in die rechte Ecke zu stellen, aber sind wir nicht aus der Mitte?" Man sei "das Volk".

Eine klare Distanzierung von der in Köln auch anzutreffenden oder mit organisierenden rechten Szene, von Neonazis und fremdenfeindlichen sowie neonazistischen Parolen (vgl. Marsch auf Hamburg sowie der rechtslastigen Band "Kategorie C" und zwei weiteren Musikern aus der braunen Szene liest man in der Stellungnahme freilich nicht. Darin gleichen die HoGeSa offenbar ihrem englischen Vorbild, der "English Defence League" (EDL), einer islamfeindlichen Bewegung, die sich schon vor einigen Jahren aus der Hooligan-Szene herausgebildet hat. Auch die EDL bestreitet, rechtsextremistisch oder rassistisch zu sein. Die Realität bei den EDL-Aktionen sieht indes meist anders aus. Das Verständnis darüber, was die "Mitte" sein soll, pendelt zwischen einer primitiv und aggressiv wirkenden leichten Bräune und purem Rechtsextremismus.

Für den Aufmarsch am 15. November - zuerst vorgesehen in Hamburg - hatten rechte Gruppen weiter mobilisiert, obschon die Aktion zeitweise abgesagt worden war. Während die HoGeSa selbst erst am Montagnachmittag eine Information zu dem Aufmarsch online stellten, war es abermals die Neonazi-Splitterpartei "Die Rechte", die rund 18 Stunden zuvor schon mit ihrem Insiderwissen über jene Pläne an die Öffentlichkeit trat. Laut HAZ sagte eine Sprecherin des Verfassungsschutzes, "in der rechtsextremistischen Szene [wird] stark für den 15. November in Hannover mobilisiert".

In Köln demonstrierten eine Woche nach dem HoGeSa-Aufmarsch am 2. November rund 2.000 , laut WDR 3.000 Menschen "Gegen Neonazis, rechte Hooligans und Rassismus". Unter den Teilnehmern waren auch Fans des 1. FC Köln und des SC-Freiburg. Beide Clubs trafen an dem Sonntag in Köln aufeinander.

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