"Der Untergang des Finanzsystems führt nicht zu einem Weltuntergang"

06.11.2014

Der Investmentbanker Jim Rickards über die Unausweichlichkeit des Zusammenbruchs, Finanzkriege, die Weltwährung und die Flucht aus dem Papiergeld

Jim Rickards arbeitete in der Vergangenheit im Hinblick auf Währungskriege mit militärischen Institutionen und Pentagon-ähnlichen Einrichtungen zusammen. Am War College, wo man sich mit diversen militärischen Szenarien beschäftigt, wurde Jim Rickards engagiert, worauf er zu der Ansicht gelangte, dass sich diese Szenarien für die Kriegsführung nicht immer auf diese Weise abspielen müssen. Jim hat uns diese Dinge gelehrt. Wir wollen uns im nachfolgenden Interview unter anderem auch mit der Frage beschäftigen, wie alternative Szenarien aussehen könnten. Seine Ausführungen sind recht visionär, wenn man die aktuelle Situation bezüglich Russland berücksichtigt.

Sein neuestes Buch "The Death of Money: The Coming Collapse of the International Monetary System" beschäftigt sich ebenfalls mit einer ganzen Reihe von alternativen Szenarien auf diesem Gebiet. Warum ist Gold im bestehenden Geldsystem derart geächtet? Nun, Jim Rickards straft Goldkritiker auf seine ganz eigene Weise Lügen. Jim beschäftigt sich darüber hinaus mit einer ganzen Reihe von fundamentalen Wirtschaftsprognosen, die an der Wall Street und in Mainstreammedien kursieren, und stellt dem seine ganz eigenen Ansichten in Bezug auf die Frage entgegen, wo wir uns im aktuellen Zyklus gerade befinden und wo wir uns hinbewegen.

Ob Fortschritt oder Rückschritt, ich bin der Ansicht, dass Jim einen bewundernswerten Job macht, wenn es darum geht zu versinnbildlichen, welchen Risiken wir heutzutage ausgesetzt sind. Gleiches gilt für seine kritische Sichtweise einiger Schlüsselvorhersagen, die an der Wall Street kursieren. Was ich an Jim wirklich mag, ist der Umstand, dass er sagt: "Sehen Sie, es ist nicht das Ende der Welt. Sondern all diese Dinge sind in der Geschichte auch schon zuvor geschehen. Doch Sie müssen auf die Dinge, die vor uns liegen, gut vorbereitet sein, weil es ansonsten das Ende der Welt sein wird - zumindest was Ihr ganz persönliches Anlageportfolio betrifft."

Jim, das absehbare Scheitern des US-Dollars und die damit verbundenen Implikationen sind dergestalt, dass mit signifikanten Veränderungen im US-Geldsystem auch ein radikaler Wandel im globalen Geldsystem stattfinden wird. Noch können wir uns als Land in der Position behaupten, über die Weltreservewährung zu verfügen. Können Sie uns und unseren Lesern Ihre Sichtweise einmal etwas eingehender zusammenfassen?

Jim Rickards: Selbstverständlich, David. Meinem neuen Buch gab ich den Titel "The Death of Money: The Coming Collapse of the International Monetary System". Wenn die Leute den Subtitel lesen, sagen sie nicht selten: "Halten Sie eine Sekunde inne, Jim, die Art und Weise, wie Sie über das System sprechen, hört sich ganz danach an, als würde die Welt bald untergehen." Natürlich handelt es sich mit Blick auf die aktuelle Situation um eine ernste Angelegenheit, doch ich entgegne diesen Leuten dann stets, dass unsere aktuelle Lage keinen Weltuntergang zur Folge haben wird, wenn unser Papiergeldsystem kollabiert.

Denn das internationale Finanzsystem ist in den letzten 100 Jahren bereits dreimal zusammengebrochen. Es brach im Jahr 1914 zusammen, dann abermals im Jahr 1939 und zuletzt genau genommen auch im Jahr 1971. Und im Zuge von jedem einzelnen dieser Zusammenbrüche ist die Welt keineswegs mit untergegangen. Diese Ereignisse führten nicht dazu, dass wir alle wieder in Höhlen leben mussten oder wir uns nur noch von Konserven ernährten.

Was stets mit solchen Finanzzusammenbrüchen einherging, war jeweils eine zeitliche Periode des ökonomischen Chaos. Allerdings kommen die wesentlichen Finanz- und Handelsmächte in einer solch ernsten Phase zusammen, um sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Daraufhin wird etwas, das jedermann unter dem Begriff "Spielregeln" bekannt ist, umgeschrieben und neu definiert. Und bei dieser Formulierung der "Spielregeln" handelt es sich um einen sehr alten Mosaikstein, der bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und über den definiert wird, auf welche Weise das internationale Finanzsystem zu funktionieren hat. Von manchen Menschen wird ein solcher Systemumbruch als Neuanfang oder Reset bezeichnet. Dieser Begriff trifft den Nagel eigentlich perfekt auf den Kopf. Prinzipiell wird es zur Schaffung eines gänzlich neuen Systems kommen.

Ich versuche in erster Linie meinen Lesern die Beschaffenheit und den Zustand der heutigen Welt zu erklären. Damit verbunden sind vor allem auch Erklärungen, welche Dynamiken und Risiken dem heutigen Finanzsystem zugrundeliegen und warum ein Zusammenbruch unausweichlich ist. Jedermann ist dazu in der Lage, diesen Kollaps kommen zu sehen. Ebenso geht es darum, sich - nach dem Erkennen der aktuellen Situation - auch darüber hinaus Gedanken zu machen, wie ein neues System nach erfolgtem Kollaps aussehen könnte. Es wird der Punkt sein, an dem also China, Russland, die USA, Deutschland und andere Euro-Mitgliedsländer an einem gemeinsamen Tisch Platz nehmen werden, um die bis dahin existierenden Spielregeln umzuschreiben.

Wie würde ein neu aus der Taufe zu hebendes System aussehen? Wenn Sie diese Informationen generieren, können Sie grundsätzlich damit beginnen, sich bereits heutzutage dementsprechend zu positionieren. Zuallererst einmal, um den sich abzeichnenden Kollaps finanziell zu überleben. Und zweitens, um Ihr Vermögen oder Ihre Ersparnisse zu sichern und diese so gut wie nur irgend möglich ins neue System mit hinüber zu retten. Und dies sind eben jene Dinge, mit denen ich mich beschäftige. Die Idee, dass das heutige Finanz- und Papiergeldsystem kollabieren wird, ist in der Tat nicht neu. Vielmehr ist es das, was sich in einem Zyklus von allen 30 bis 40 Jahren abspielt.

Wir befinden uns in einer ganzen Reihe von Finanzkriegen

Sie sind der Ansicht, dass die Finanz- und Kapitalmärkte heutzutage direkt mit allen wichtigen strategischen Entwicklungen in der Welt assoziiert sind. Sie begannen damit, diesen Gedanken in ihrem im Jahr 2011 publizierten Buch namens "Currency Wars" zu entwickeln. Diese Idee entwickelten sie dann in Ihrer Folgepublikation mit dem Titel "The Death of Money" weiter, die seit April dieses Jahres im Handel verfügbar ist. Welche Art von Erleuchtung versprechen Sie sich unter Ihren Lesern, wenn diese Ihr neues Buch lesen?

Jim Rickards: Nun ja, ich hoffe vor allem, dass sie verstehen werden, dass wir uns heute genau genommen in einem Krieg befinden. Es ist kein Krieg, in dem geschossen wird, sondern es ist ein globaler Finanzkrieg, der sich vor all unseren Augen abspielt. Wir befinden uns in einer ganzen Reihe von Finanzkriegen. Einer dieser Kriege wird schon lange mit dem Iran geführt. Und ein weiterer, nämlich der mit Russland, entwickelt sich gerade in Echtzeit. Um an dieser Stelle nur einmal beim Iran zu bleiben, so lässt sich feststellen, dass wir keine Waffen auf das Land abgefeuert haben oder gar dort einmarschiert sind, was wir meiner Ansicht nach auch besser niemals tun sollten.

Dennoch befinden wir uns seit Jahren in einem Finanzkrieg mit dem Iran. Es begann alles damit, als die US-Regierung den Iran aus dem Dollarsystem ausschloss. Dieses Dollarsystem kontrollieren wir sowohl durch die Federal Reserve als auch durch unser eigenes Bankensystem. Der US-Präsident verfügt über die Autorität, ein Land aus dem Dollarsystem auszuschließen, wovon wir in der Vergangenheit auch Gebrauch gemacht haben. Es bedeutet zwar, dass man Rohöl verschiffen, aber nicht auf Basis des US-Dollars bezahlt werden kann. Denn es besteht keine Möglichkeit, US-Dollars zu transferieren, wenn man nicht Mitglied im Club - und somit Teil des Systems - ist.

Also sagte sich die Führung des Iran, nun gut, wir verschiffen Rohöl und lassen uns auf Basis des Euro bezahlen. In Europa existiert ein separates System mit Hauptsitz in Belgien, das sich SWIFT nennt und welches alle Papierwährungen umfasst. Darunter befindet sich der US-Dollar, aber natürlich auch der Euro, der Schweizer Franken, der japanische Yen und so weiter. Also war die Schlussfolgerung der iranischen Führung fast zwingend, nach der das Land sein Rohöl fortan gegen eine Bezahlung auf Euro-Basis verschiffen würde. Nun ja, daraufhin hatte sich die US-Regierung direkt an SWIFT gewandt.

Man hat unsere europäischen Partner dazu gebracht, den Iran aus dem SWIFT-System auszuschließen. Also noch einmal, der Iran konnte zwar weiterhin sein Rohöl verschiffen, doch die Exporteure müssen sich in anderen Währungen wie beispielsweise der indischen Rupien bezahlen lassen. Dazu ist es ebenfalls notwendig, mit einer indischen Bank zusammenzuarbeiten, auf Basis der lokalen Währung zu fakturieren und Konten vor Ort zu unterhalten. Der Iran könnte sich jedoch nicht in einer der Hauptreservewährungen der Welt bezahlen lassen. Hinzu kommt, dass man mit Rupien auch nur Produkte in Indien erwerben kann. Man bekommt also vielleicht eine Menge Curry, doch derartige Transaktionen unterliegen Grenzen.

Und diese Entwicklungen hatten einen ernsthaften Einfluss auf den Iran. Viele Iraner begannen damit, ihr Geld von der Bank abzuholen, um ihre lokale Währung auf blühenden Schwarzmärkten in den US-Dollar umzutauschen. Warum? Nun, vordergründig deswegen, damit die Schmuggler bezahlt werden konnten, die Güter des alltäglichen Bedarfs ins Land brachten. Folge war ein Run auf die lokal ansässigen Banken. Dem Iran blieb nichts anderes übrig, als die heimischen Zinssätze anzuheben, um die Einlagen der Sparer bei den Banken zu erhalten und zu stabilisieren.

Letztendlich ging diese ganze Entwicklung jedoch mit einer starken Inflation einher. So hatten wir dem Iran peu à peu finanziell die Luft abgeschnürt. Unsere Regierung trägt die Schuld an dem erfolgten Run auf iranische Banken, den superhohen Zinssätzen im Land und einer ausufernden Inflation. Ziel war, das iranische Mullah-Regime politisch zu destabilisieren. Im letzten Dezember hat unser Präsident eine ganze Reihe der einst verhängten Sanktionen zurückgenommen, nachdem der Dialog und die damit verbundene Entspannung um Irans Urananreicherungsprogramm begannen.

Punkt ist und bleibt jedoch, dass wir uns mit dem Iran seit einigen Jahren in einem Finanzkrieg befinden. Und kämpft der Iran zurück? Also ich weise meine Leser darauf hin, was am 22. August 2013 geschah. An diesem Tag schloss die Computerbörse NASDAQ, die zweitgrößte Börse in den USA, für einen halben Tag aus Gründen, zu denen niemals offiziell Stellung genommen wurde. Niemand hat jemals einen nachvollziehbaren Grund für diese Börsenschließung auf den Tisch gebracht, weswegen die NASDAQ ihren Handel an diesem Tag einstellte.

Wirtschaftskrieg gegen Russland und Mutual Assured Financial Destruction

Es werden selbstverständlich syrische, iranische oder andere Hacker verdächtigt, dahinter zu stecken. Es dürfe wohl auch der Grund sein, warum wir nicht erfahren, was wirklich an diesem Tag geschehen ist. Es ist genau die Art von Geplänkel, die sich in der Welt dramatisch häuft. Nun befindet sich Russland im Fokus. Ganz offensichtlich hatte Russland seine Finger nach der Halbinsel Krim ausgestreckt und sie sich einverleibt. Im Hinblick auf das politische Spektrum - egal ob links, rechts oder in der Mitte - ist niemand der Ansicht, dass US-Truppen auf der Krim einfallen und dort einen Krieg beginnen sollten. Doch die USA haben sofort mit Wirtschaftssanktionen gedroht, was nichts anderes als eine Form der finanziellen Kriegsführung ist.

Doch es besteht ein immenser Unterschied, so etwas gegen den Iran oder gegen Russland anzuwenden. Grund ist, dass Russland zurückschlagen kann. Ich hatte zuletzt öffentlich meine Ansicht wiederholt, besser nicht davon auszugehen, dass Wirtschaftssanktionen dieser Art allzu weit reichen werden. Okay, vielleicht werden einige der russischen Oligarchen im nächsten Jahr nicht den Superbowl zu sehen bekommen, doch viel schlimmer wird es nicht werden. Der Grund liegt auf der Hand. Wenn wir die Situation eskalieren, wird Russland ebenfalls auf Eskalationskurs gehen. Und Russlands Fähigkeit, solch ein gefährliches Spiel zu betreiben, ist noch größer als das militärische Potenzial des Landes.

Wir befinden uns nun also in einer Lage, die schon wieder sehr dem Kalten Krieg ähnelt. Nicht nur wir verfügen über eine hohe Anzahl von Waffen, um Russland zu zerstören. Auch Russland verfügt über genügend Waffen, um uns zu zerstören, doch keiner von beiden hat sie bis heute jemals benutzt. Es war auch nicht im Sinn beider Länder, die Spannungen zwischen den USA und Russland zu eskalieren, denn ganz egal, was man dem anderen antut - und selbst wenn man seine zerstörerischen Waffen zuerst abfeuert -, würde die andere Seite jederzeit über genügend Waffen verfügen, um entsprechend zurückzufeuern. Beide Seiten würden einer Zerstörung anheim fallen. Einst nannte man dies "Mutual Assured Destruction" oder kurz MAD-Doktrin.

Jetzt sind wir bei Mutual Assured Financial Destruction angekommen. Wenn wir in Richtung Russland eskalieren, eskaliert Russland seinerseits. Darüber hinaus verfügt das Land über die Möglichkeit, seine Hacker auf uns loszulassen, wodurch die New Yorker Börse eines Tages lahm gelegt und geschlossen werden könnte. Und damit beginnt diese katastrophale Spirale der finanziellen Kriegsführung. Nochmals, ich glaube nicht, dass die westlichen Sanktionen allzu weit reichen, denn die Russen werden zurückschlagen. Die Welt, die wir uns schaffen, ist eine sehr gefährliche.

Wir haben die Washingtoner Regierung und einer der wichtigsten Teile dieser Regierung ist das Finanzministerium. Wie Sie bereits ausführten, orchestrierte das Finanzministerium die Währungsabwertung im Iran. David Cohen vom Finanzministerium erklärte zweifelsfrei, dass unsere verhängten Sanktionen dazu gedacht sind, ein landesweit hemmendes Wirtschaftsereignis im Iran hervorzubringen, was nochmals in Richtung des Versuchs einer Entwertung der iranischen Währung tendiert, was Sie gerade beschrieben hatten. Jetzt noch einmal. Cohen ist nicht Teil des Pentagons. Und er ist nicht bei der CIA. Wir sehen jetzt auf andere Weise, wer die eigentliche Regie führt.

Wie Sie ebenfalls erwähnten, sind wir zudem sehr darum bemüht, den Iran auch vom internationalen Kapitaltransfersystem SWIFT abzuschneiden. Jim, teilen wir einer Reihe von Ländern auf diese Weise nicht mit, dass es eine Notwendigkeit zur Schaffung alternativer Systeme gibt, die das heutige System umgehen können? Sozusagen die Schaffung einer Alternative zu SWIFT? Und hierbei handelt es sich doch nur einmal mehr um ein weiteres Beispiel, auf welche Weise unser Finanzministerium eine Reihe von potenziell ungewollten Konsequenzen in Gang setzt. Ist es zu forsch davon auszugehen, dass eine Marginalisierung sowohl des US-Dollars als auch der US-Märkte eine dieser langfristigen Konsequenzen sein könnte?

Jim Rickards: Nein, ich glaube, es ist genau das, was sich im Moment abspielt. Und tatsächlich gab es hierzu einige öffentliche Erklärungen seitens der BRICS-Länder, ein Akronym für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Es gibt noch weitere Mitglieder der G20-Gruppe, die vielleicht nicht Teil der BRICS-Länder sind, die jedoch auch zu den Schwellenländerökonomien gehören. Und diese sprechen sich seit dem Jahr 2009, zuletzt allerdings mit wachsender Häufigkeit, für einen Ausstieg aus dem US-Dollarsystem aus - und somit auch einem Ausstieg aus der bis dato bestehenden US-Dollarhegemonie.

Kurzfristig ist das leichter gesagt als getan. Eigentlich ist ein solcher Ausstieg ziemlich schwierig, denn es lässt sich nahezu alles als Handelswährung nutzen. Wenn zwei Länder miteinander Handel treiben - Sie also Ihre Güter zu mir und ich meine Güter zu Ihnen verschiffe - und wir uns beide einverstanden erklären, die jeweilige Währung des anderen im Rahmen einer Bezahlung zu akzeptieren, dann fakturieren und rechnen wir alles einmal im Jahr ab, vielleicht sogar auf Basis des US-Dollars.

Das ist kein Problem, denn es lässt sich alles als Handelswährung nutzen, wozu selbst Baseballkarten gehören. Doch mit einer Weltreservewährung verhält es sich anders. Denn um eine Weltreservewährung zu haben, benötigt man vor allem frei verfügbare Vermögen. Alles lässt sich vergleichen mit einem Sparkonto. Wenn man Geld spart und auf die hohe Kante legt, sagt man sich: "Okay, ich muss dieses Geld irgendwo anlegen. Ich könnte es auf die Bank bringen, ich könnte auch Aktien oder Immobilien davon kaufen." Irgendwo muss man es letztendlich unterbringen.

Wenn man einmal davon ausginge, ein Land zu sein und sein eigenes Sparkonto zu betreiben, das als Reserveposition fungiert, benötigt man frei verfügbares Vermögen und Kapital. Wenn man in diesem Kontext von Billionen von Dollars spricht - wie es mit Blick auf China, Taiwan, Japan und andere Ländern der Fall ist -, so handelt es sich im Falle des amerikanischen Staatsanleihemarktes um den einzigen Markt in der Welt, der groß genug ist, um diese Art von Kapitalzuflüssen aufzunehmen und zu absorbieren. Es ist eben jener Grund, weswegen der Greenback diesen Vorteil als Weltreservewährung innehat. Wie dem auch sei, die Vereinigten Staaten haben dieses Privileg missbraucht. Wir drucken Billionen von Dollars, um den Versuch zu unternehmen, die eigene Währung permanent zu verbilligen.

Andere Länder bekommen es mit der Angst zu tun, weshalb diese nun eine Reihe von Dingen unternehmen. Eine dieser Maßnahmen basiert auf Gesprächen zur Schaffung einer neuen Weltreservewährung. Bemerkenswerterweise haben die BRICS-Staaten bereits angekündigt, ihre eigenen Internetübertragungsleitungen ausbauen zu wollen. Dieser Ausbau wird in Brasilien beginnen und danach durch den Atlantik ziehen, um Südafrika einzubinden. Dann werden diese Leitungen den Indischen Ozean durchqueren, um Indien anzuschließen, wonach der Ausbau über Sumatra bis nach China gehen wird.

Darauf soll sich die Trasse dann bis nach Wladiwostok ziehen, um Russland einzubinden. Auf diese Weise wird dieser Ausbau lediglich die BRICS-Staaten miteinander verknüpfen. Diese geplante Trasse wird sich also weder mit den Vereinigten Staaten noch mit Europa überschneiden. Und dieser Leitungsausbau könnte sich zukünftig in der Tat als Rückgrat eines eigens aus der Taufe zu hebenden Zahlungssystems der BRICS-Länder erweisen. Sie schaffen ihr eigenes Internet. Darüber hinaus haben die BRICS-Staaten bereits die Schaffung einer eigenen Entwicklungsbank angekündigt. Es finden gerade eine ganze Menge solcher Sachen statt.

Und mal nebenbei erwähnt, hat die Halbinsel Krim mit dem russischen Rubel eine neue Währung erhalten. Es gibt also bereits so etwas wie eine regionale Reservewährung. Man muss nicht den Anspruch haben, eine global akzeptierte Währung aus der Taufe zu heben. Es kann eine Währung geschaffen werden, die sich lediglich in einer bestimmten Region nutzen lässt. Dies könnten Russland und seine Peripherie in Osteuropa und Zentralasien sein. Eine andere Sache, die einzelne Länder in den letzten fünf Jahren forciert haben, ist der Kauf von Gold. Russland hat seine Goldreserven um 70% und China um mehrere 100% erhöht.

Niemand kennt die genaue Anzahl dieser Käufe. Es ist ein Geheimnis, doch wir verfügen über ausreichend Informationen aus Hong Kong, zu den Importen, zu dem aktuellen Minenausstoß sowie anderen Quellen, um zu schätzen, dass Chinas Goldvorräte inzwischen 3.000 bis 4.000 Tonnen umfassen, die im Verhältnis zu den etwa 1.000 Tonnen stehen, über die das Land laut offiziellen Angaben im Jahr 2009 verfügte. Alle Puzzleteile sind an ihrem Platz. Wird es also über Nacht geschehen? Nein, dies ist unwahrscheinlich, man sollte eher von einem Zeitraum von 2 bis 3 Jahren ausgehen.

Wir werden eine anhaltende Verminderung des Außenwerts des US-Dollars sehen, es sei denn, die Vereinigten Staaten ändern endlich ihren Kurs und ergreifen Schritte und Maßnahmen, um den US-Dollar zu stärken. Doch Leitlinie der Federal Reserve wie auch des US-Finanzministeriums ist es, den Außenwert des US-Dollars beständig zu schwächen.

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