Nicht nur der IS, auch der westliche Alliierte Saudi-Arabien pflegt Köpfungen

20.11.2014

Gegenüber Saudi-Arabien wird die Doppelmoral des Westens besonders deutlich

Kopfabschneider gibt es nicht nur bei den islamistischen Terrorgruppen wie dem Islamischen Staat oder al-Nusra. Als islamische Fundamentalisten pflegt dies auch das wahabitische Königreich Saudi-Arabien, ein enger Verbündeter des Westens. Weil Saudi-Arabien geopolitisch als Regionalmacht gegen den Iran wichtig ist und nicht nur Öl liefert, sondern auch ein guter Waffenkäufer ist, sieht man in den westlichen Demokratien gerne darüber hinweg, dass der arabische Freund ein autoritäres Regime ist, das große Nähen zu den Islamisten hat, auch wenn die sunnitischen Fundamentalisten gegenseitig auf Kriegsfuß stehen und das Königreich eine Mauer um sich herum zieht, um sich von den Nachbarstaaten abzuschotten.

Der Islamische Staat ist sicherlich schneller bei der Hand, wenn es um Enthauptungen geht, die er zu einem seiner Kennzeichen machte und öffentlich über Videos zelebriert. Saudi-Arabien, dessen Gesetzgebung gut islamistisch der Scharia unterworfen ist, vollzog gestern die Todesstrafe zum 69. Mal auch auf islamistische Art. Ein Mann wurde enthauptet, der, wie die Medien hervorheben, versuchte, in Frauenkleidern verhüllt zu entkommen, nachdem er einen Soldaten und einen Polizisten erschossen hatte.

Saleh bin Yateem bin Saleh al-Qarni wurde in der Stadt Abha geköpft. Das wird zwar nicht öffentlich über die Medien global vermittelt, aber die Exekutionen finden öffentlich vor Zuschauern als Ritual statt, wie dies auch in europäischen Ländern Usus war. Qarni war verhaftet worden – und zwar von der Religionspolizei, die in Saudi-Arabien viele Freiheiten genießt und die Menschen terrorisiert. Er wurde in einem Fahrzeug mit dem Soldaten und dem Religionspolizisten transportiert.

Offenbar war er nicht durchsucht worden, sondern konnte eine Pistole hervorziehen und die beiden Bewacher erschießen. Möglicherweise konnte er die Waffe auch seinen Bewachern entreißen. Die Story ist ein wenig wirr. Qarni soll dann die Schlüssel geklaut haben, um dann die Droge Kat zu kauen und sich in Frauenkleidung zu verbergen. Die ist praktisch, weil man dann nur noch die Augen sehen kann. Gleichwohl scheint er entdeckt und erneut festgenommen worden zu sein.

Christoph Heyns, der UN-Sonderbeauftragte für extralegale und willkürliche Exekutionen, kritisierte schon zuvor, dass die Verhängung der Todesstrafe unfair geschieht, die Angeklagten dürften oft nicht einmal einen Verteidiger haben. Geständnisse würden auch unter Folter erlangt. Das nennt man einen Unrechtsstaat. Letztes Jahr waren auch schon Menschen geköpft und gekreuzigt worden.

Saudi-Arabien geht auch mit der Todesstrafe gegen Oppositionelle vor. Dieses Jahr sind bereits fünf Oppositionelle, die für mehr Demokratie eintreten, zum Tode verurteilt worden, darunter auch der schiitische Aktivist und Geistliche Nimr al-Nimr. Dieser hatte, so Human Wrights Watch, nur friedliche Proteste befürwortet.

Während die westlichen Staaten ihre angeblichen Werte gerne strategisch hochhalten, beispielsweise aktuell gegenüber Russland, scheinen Demokratie, Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit bei befreundeten Staaten, die auch wirtschaftlich interessant sind, keine Rolle zu spielen. Strategisch werden die Staaten auch im Kampf gegen den Islamischen Staat einbezogen, deren Kultur diesen wie andere islamistische Extremisten hervorgebracht und auch unterstützt hat.

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