Oktoberfestattentat: Neuer Zeuge will Köhler mit mehreren Personen gesehen haben

08.12.2014

War das Attentat auf das Oktoberfest am 26. September 1980 das Werk eine Einzeläters oder waren mehrere Personen daran beteiligt? Die These, dass der mutmassliche Täter Gundolf Köhler nicht allein gehandelt hat, gewinnt durch einen neuen Zeugen, der nun aufgetaucht ist, weiteren Auftrieb.

Sueddeutsche.de berichtet, dass sich ein Zeuge bei Werner Dietrich ("Die V-Mann-Problematik hat es damals schon gegeben"), jenem Münchner Rechtsanwalt, der die Opfer des Attentats vertritt, gemeldet hat. Er will gesehen haben, wie Köhler vor der Explosion an ein Fahrzeug gegangen ist, in dem mehrere Personen saßen.

Der Zeuge, der laut Sueddeutsche.de noch immer Splitter der Bombe in seinem Körper trägt, habe beobachtet, dass sich ein Mann, den er für Köhler hält, zu einem schwarzen Auto begeben habe, das am Bavariapark stand. Durch das herabgelassene Autofenster habe der Mann mit den Personen im Innern des Fahrzeugs gesprochen. Kurz darauf soll sich der Mann von dem Auto enfernt haben und zu einem Papierkorb gegangen sein - zu jenem Papierkorb, in dem die Bombe war. Der Zeuge soll nach der Explosion kurz das Bewusstsein verloren haben und nur deshalb überlebt haben, weil eine Person, die vor ihm stand, auf ihn gefallen war.

Der Zeuge beabsichtige nun die sich noch in seinem Körper befindlichen Splitter herausoperieren zu lassen, um so möglicherweise die Ermittlungen voran zu treiben. Die Splitter könnten insofern auch von Bedeutung sein, da im Elternhaus von Köhler Metallspäne und Lackspuren gefunden wurden, die vom Fräsen der Sollbruchstellen eines Feuerlöschers stammen könnten, der möglicherweise als äußere Hülle für die Bombe diente. Der Journalist Tobias von Heymann, der sich intensiv mit dem Attentat auf das Oktoberfest auseinandergesetzt hat, sagte 2010 in einem Interview mit Telepolis ("Das Wissen Köhlers wird für den Bau der Bombe nicht gereicht haben"):

TNT-Spuren oder chemisch-technische Apparaturen hat man bei Köhler aber eben nicht gefunden. Auch der genaue Weg des zum Bombenbau verwendeten Feuerlöschers und der englischen Mörsergranathülle zum Attentat ist wie gesagt bis heute nicht geklärt. Ob die kleinen Metallspäne und Lackspuren aus dem Keller Köhlers Elternhauses tatsächlich vom Fräsen der Sollbruchstellen am Bomben-Feuerlöscher stammten, scheint mir ebenfalls mit Fragezeichen versehen. Soweit entsprechende Gutachten bekannt sind, können diese das jedenfalls nicht zu hundert Prozent zweifelsfrei nachweisen. Ein "höchstwahrscheinlich" reicht in so einem gravierenden Fall keinesfalls aus. Falls wider Erwarten doch noch Bombensplitter oder ähnliche Asservate erhalten sind und noch auftauchen sollten, ließe sich das mit heutigen Methoden sicher besser klären als damals in den 1980er Jahren.

Doch unabhängig von dem Wert, den die Bombensplitter im Körper des Mannes für weitere Ermittlungen haben könnten: Warum befinden sich die Angaben, die der Mann zu seinen Beobachtungen gegenüber der Polizei, wie er sagt, gemacht haben will, nicht in der Hauptakte?

Die Merkwürdigkeiten (Gladio und Terror in Deutschland: Das Oktoberfestattentat und Befremdlichkeiten, die den Anschlag auf das Oktoberfestattentat umgeben, sind lang. So wurde beispielsweise nie geklärt, was es mit den Teilen einer Hand auf sich hatte, die gefunden wurden und die die Ermittler keinem Opfer zuordnen konnten.

Unzulänglichkeiten, wie sie bei den Ermittlungen rund um das Oktoberfestattentat auszumachen sind, finden sich auch bei anderen Terroranschlägen in Deutschland, wie etwa im Fall des 1977 ermordeten Generalbundesanwalt Siegfried Buback ("Es war ein Schock für mich, diese Äußerungen zum Karlsruher Attentat zu lesen"), im Fall des ermordeten Deutschen Bank Chefs Alfred Herrhausen oder aber, aktuell, im Fall NSU .

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