Infratest-Umfrage: Deutsche trauen Medien immer weniger

17.12.2014

NDR-Magazin Zapp will sich heute mit den Ursachen der Glaubwürdigkeitskrise beschäftigen

Einer im Auftrag des NDR-Medienmagazins Zapp vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap durchgeführten Umfrage nach trauen inzwischen stolze 63 Prozent der Deutschen den Medien nicht mehr, wenn es um die Darstellung der Ukrainekrise geht.

Eindeutige Schwerpunkte beim Einkommen, beim Alter, beim Geschlecht oder beim Wohnort gibt es dabei nicht. Nach den Gründen für ihr Misstrauen gefragt, gaben 31 Prozent der Ukrainekrise-Medienskeptiker an, sie hätten den Eindruck, es werde einseitig und nicht objektiv berichtet. 18 Prozent glauben an eine "bewusste Fehlinformation" und neun Prozent an eine Steuerung durch die Politik. Ein beträchtlicher Teil - nämlich 18 Prozent - wollte zu dieser Frage keine Angabe machen.

Grafik: Zapp

Bei anderen Themen haben die Deutschen noch etwas größeres Vertrauen in die Berichterstattung der Fernsehsender, Zeitungen und Zeitschriften: Beim Lokführerstreik haben fünf Prozent sehr großes und weitere 49 Prozent großes Vertrauen - die Skeptiker bilden hier zusammengerechnet lediglich eine Minderheit von 40 Prozent. Geht es um die islamistischen Menschenmetzger in Syrien und im Irak (von deren Taten die deutschen Fernsehsender keine drastischen Dokumente zeigen), misstraut dagegen eine Mehrheit von 53 Prozent den Medien.

Insgesamt haben 15 Prozent der 1.002 soziodemographisch repräsentativ ausgewählten und über Festnetz- und Mobiltelefone Befragten gar kein und weitere 54 Prozent weniger Vertrauen" in die Medien mehr. 14 Prozent machen die Ukraineberichterstattung dafür verantwortlich, dass ihr Vertrauen in traditionelle Informationsangebote insgesamt gesunken ist. Sehr großes und großes Vertrauen existiert nur mehr bei zwei beziehungsweise 27 (und zusammengerechnet 29) Prozent. Nach dem Beginn der Finanzkrise war das Vertrauen allerdings schon einmal auf diesen Wert abgestürzt und danach wieder auf 40 Prozent angestiegen.

In das Bundesverfassungsgericht haben dagegen 19 Prozent sehr großes und weitere 51 Prozent großes Vertrauen. 22 Prozent gaben an, dass sie den Karlsruher Richtern weniger vertrauen, drei Prozent tun dies gar nicht. Allerdings mussten auch diese Institution zwischen April 2012 und Dezember 2014 einen Vertrauensverlust von 78 auf 70 Prozent hinnehmen. Die Gründe dafür wurden in der in der Umfrage nicht ermittelt und hängen möglicherweise mit Enttäuschung darüber zusammen, dass der Souveränitätsaufgabe gegenüber der EU nicht stärker Einhalt geboten wurde.

In der heute Abend um 23.20 Uhr im NDR ausgestrahlten Sendung will sich Zapp mit den Ergebnissen der Studie und den Ursachen der Glaubwürdigkeitskrise befassen. Dabei soll es nicht nur um die Ukrainekrise gehen, sondern auch um andere Bereiche bei denen viele Bürger den Eindruck haben, dass ihre eigene Sicht der Dinge als "Populismus" tabuisiert und unterdrückt wird.

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Hg. Florian Rötzer
Medien im Krieg
Krise zwischen Leitmedien und ihren Rezipienten
Als eBook für 4,99 Euro bei Telepolis erschienen. Thema ist die Vertrauenskrise der Leitmedien durch den Ukraine-Konflikt.

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