Mediale Glaubwürdigkeitsdemonstration in die Hose gegangen

21.12.2014

Der bei der Pegida-Demo undercover agierende RTL-Reporter wurde angeblich gefeuert

Es ist schon eine seltsame Begegnung, wenn Reporter des einen Senders auf der Suche nach authentischen Stimmen den Reporter eines anderen Senders befragen, der "undercover" oder "embedded" als Demonstranten auftrat und Stimmungen der Pegida-Anhänger noch einmal zuspitzte. So ist dies bekanntlich geschehen, als Reporter von Panorama am vergangenen Montag die medienscheuen Pegida-Marschierer zum Reden verlocken wollten, weswegen sie sich mit zunehmender Menge an diesen montäglichen Ritualen beteiligen (Undercover-Reporter bei Pegida für Team Wallraff unterwegs).

Warum der Reporter, der vor 2 Jahren vom NDR zu RTL gekommen war, nicht einfach seinen Mund gehalten hat, sondern in die offene Kamera seine angebliche Ausländerangst äußerte, ist nicht bekannt. Sei Auftrag sei es gewesen, so RTL, "Stimmungen und Aussagen für eine spätere Berichterstattung aufzugreifen". Möglicherweise wollte er übereifrig extreme Stimmungen und Aussagen als eine Art "agent provocateur" provozieren. So wie das Prinzip eben auch bei Reality-TV-Sendungen ist. Auf eine Anfrage von Telepolis antwortete übrigens weder Panorama noch RTL.

RTL hat nun schnell die Reißlinie gezogen und den Reporter entlassen, wie Thomas Präkelt der Leiter des RTL-Landesstudios Ost gegenüber Faz.net sagte: "Unser Mitarbeiter hat einen Fehler begangen, der nicht zu entschuldigen ist." Er habe dem Berufsstand geschadet. Tatsächlich ist sein Verhalten verheerend, weil Fernsehsender immer mehr darauf setzen, Volkes Meinung wiederzugeben. Objektivität oder Wahrhaftigkeit wird dann gerne mit O-Tönen demonstriert, die natürlich nie repräsentativ sein können, sondern immer eine Auswahl darstellen, wie zufällig sie auch zustande gekommen sein mag. Dabei müssen die Zuschauer sich darauf verlassen, dass die Befragten nicht nur spontan ihre Meinung äußern, sondern dass auch Auswahl und Schnitt nicht manipulativ sind.

Panorama hatte unter dem Titel "Kontaktversuch: 'Lügenpresse' trifft Pegida" gerade damit geworben und war prompt in die Falle getappt: "Immer wieder beschweren sich die Pegida-Teilnehmer, ihre Äußerungen würden manipuliert. Hier zeigen wir die Panorama Interviews in voller Länge." Man wollte versuchen, "die Menschen einfach mal sprechen zu lassen", schreibt Redaktionsleiter Volker Steinhoff und bedauert: "Nun wird das durch einen RTL-Reporter in Frage gestellt, auch wenn es nur um ein Statement von vielen geht. Wie dämlich." Dämlich könnte aber auch die exzessive Berichterstattung mit O-Tönen sein, die anstelle von Analysen treten, weil sie eben fernsehgerechter sein sollen.

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