Handelswachstum trotz Sanktionen

23.12.2014

Der Warenumsatz zwischen Russland und den USA steigt um sieben Prozent, während der mit der EU gleichzeitig um 4,3 Prozent zurückgeht

Den offiziellen russischen Angaben zufolge ist der Handel zwischen Russland und den USA trotz der in diesem Jahr verhängten Sanktionen um sieben Prozent gewachsen. Eine Erklärung für die Entwicklung, von der der russische Staatspräsident Wladimir Putin angeblich "überrascht" ist, wird bislang nicht geliefert und dürfte teilweise im Werteverfall des Rubel gegenüber dem Dollar liegen. Die Zahlen des United States Census Bureau bestätigen aber ein Exportwachstum bis mindestens Ende September.

Mit der EU, die wegen der Aufnahme der Krim in die Russische Föderation ebenfalls Sanktionen gegen Russland verhängte, ging der Warenumsatz im gleichen Zeitraum um 4,3 Prozent zurück. In osteuropäischen EU-Staaten lag der Rückgang sogar bei bis zu zehn Prozent.

Obwohl Deutschland mit einem Minus in Höhe von 3,9 Prozent nur unterdurchschnittlich betroffen war, klagen Verbände über teilweise erhebliche Einbußen. Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie sprach heute Morgen im Bayerischen Rundfunk von Einbußen um bis zu einem Viertel. Betroffen sind neben dem Maschinenbau und der Automobilindustrie auch Unternehmen wie Adidas und der Traktorenhersteller Fendt, der 570 Stellen streichen muss.

Als Gründe für den Rückgang sieht Brossardt neben den EU-Sanktionen und den russischen Gegensanktionen vor allem den Absturz des Rubel. Langfristig hält er aber die Sanktionen für gefährlicher als Währungsschwankungen, weil sie dazu führten, dass sich chinesische und andere asiatische Anbieter in Märkten etablieren, die sie nach Aufhebung der politischen Handelshemmnisse wahrscheinlich weiter beherrschen.

Bertram Brossardt. Foto: blu-news.org. Lizenz: CC BY-SA 2.0.

Der schwache Rubel führte auch dazu, dass die Preise für Grundnahrungsmittel in Russland in den letzten Monaten stark anstiegen: Das dortige Statistikamt verzeichnete trotz einer verhältnismäßig guten Ernte von insgesamt 104 Millionen Tonnen Getreide alleine im November einen Preisanstieg um 22 Prozent für Mehl. Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch schlug deshalb vor, einen Exportzoll für russisches Getreide zu verhängen, der die auf 32 Millionen Tonnen geschätzte Ausfuhr verringern und das heimische Angebot vergrößern soll.

Arkadi Slotschewski, der Präsident des Russischen Verbandes der Getreideproduzenten, plädiert dagegen für einen direkten Ausfuhrstopp, mit dem sich Exporteure auf höhere Gewalt berufen könnten, wenn sie von ausländischen Vertragspartnern auf Schadensersatz verklagt werden.

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