Energieverbrauch und Emissionen in Deutschland sinken wieder

07.01.2015

Die Energie- und Klimawochenschau: Mehr Erneuerbare, leicht fallende Strompreise und unzuverlässige Atomkraftwerke

Nach ersten Berechnungen der AG Energiebilanzen waren die Treibhausgasemissionen in Deutschland seit dem Jahr 2009 erstmals wieder rückläufig. Gegenüber dem Vorjahr wurden demnach etwa 40 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente weniger ausgestoßen. Damit wurde knapp das Niveau des Jahres 2009 unterboten.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks spricht von einem Rückgang von drei Prozent. Zwar sei ein Teil des gesunkenen Energieverbrauchs auf die milde Witterung zurückzuführen, aber "ein Teil des Rückgangs ist endlich wieder echten Fortschritten im Klimaschutz zu verdanken", so Hendricks. "Rechnerisch bereinigt um den Einfluss der milden Witterung dürften die CO-Emissionen um etwa 1 Prozent gesunken sein", schreibt die AG Energiebilanzen.

Der Energieverbrauch in Deutschland dürfte um 4,8% zurückgegangen sein, wobei der Verbrauch aller fossilen Energieträger rückläufig war. Der Verbrauch erneuerbarer Energien stieg hingegen um 1,4% und erreichte damit einen Anteil von 11,1% am Gesamtenergieverbrauch. Der Mineralölverbrauch ist zwar insgesamt um 1,3% gegenüber dem Vorjahr gesunken, zurückzuführen ist das aber vor allem auf einen niedrigen Heizölkonsum, während der Kraftstoffverbrauch sowohl für Diesel und Ottokraftstoff als auch für Kerosin gestiegen ist. Besonders stark gesunken ist der Erdgasverbrauch, was die AG Energiebilanzen vor allem mit der warmen Witterung begründet. Ein um 2,3 % rückläufiger Verbrauch von Braunkohle dürfte dagegen vor allem auf die Abschaltung mehrerer Kraftwerke zu Revisionszwecken erklärt werden.

Haushalte profitieren kaum

Im Stromsektor ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch im Jahr 2014 von 25,4 % auf 27,3 % gestiegen. Im Dezember konnten neue Windstromrekorde erzielt werden, die sich vermutlich auch im nächsten Jahr fortsetzen werden, da mehrere Offshore-Windparks ans Netz gehen sollen.

Immer öfter haben die hohen Erträge aus Windkraft und Solarenergie im vergangenen Jahr zu niedrigen Strompreisen an der Börse geführt. Laut IWR ist der Preis für Grundlaststrom am Spotmarkt um 13 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Ähnlich verhält es sich mit den Strompreisen zu Spitzenlastzeiten. Und auch am Terminmarkt sinken die Strompreise und liegen für die Jahre 2016 bis 2020 zwischen 3,22 und 3,4 Cent pro kWh.

Die niedrigen Einkaufspreise werden aber in der Regel von den Stromversorgern nicht an die Verbraucher weitergegeben, anders als die in den letzten Jahren stetig gestiegene EEG-Umlage, so dass die erneuerbaren Energien in der Öffentlichkeit vielfach als zu teuer wahrgenommen wurden. Die EEG-Umlage sinkt 2015 erstmalig seit ihrer Einführung, und zwar von 6,24 Cent auf 6,17 Cent pro kWh. Die geringeren Stromkosten, in erster Linie durch die niedrigen Börsenpreise, führen allerdings nur in geringem Maße zu Ersparnissen bei den Privathaushalten. Im Schnitt zahlen Verbraucher nur 0,4% weniger als im Vorjahr, nur ein Drittel der Grundversorger senkt zum Jahresbeginn die Tarife. Von den vier großen Versorgern reduziert lediglich EnBW seine Preise um 1,4%, RWE hat noch keinen Termin für eine Preissenkung genannt und bei E.on und Vattenfall bleibt bislang alles beim Alten.

Dass die Stromversorgung durch erneuerbare Energien zunimmt, während der Verbrauch an fossilen Energieträgern abnimmt und gleichzeitig die Strompreise - wenn auch nur moderat - sinken, entkräftet zumindest die Argumentation derjenigen, die die Energiewende für zu teuer befinden. Zu diskutieren bleibt eher die Unternehmenspolitik, bei fallenden Börsenpreisen einfach höhere Gewinne einzustreichen, statt die Verbraucher zu entlasten.

Globaler Emissionsanstieg erwartet

Die verhalten positiven Zahlen zu Energieverbrauch und Emissionen, die uns zum Ende des Jahres aus Deutschland erreichen, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der weltweite CO2-Ausstoß weiter ansteigt und sich kohlenstoffarme Technologien viel zu langsam durchsetzen.

Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers befindet, dass Kohlendioxidemissionen und Wirtschaftskraft viel zu langsam entkoppelt werden. "Die CO2-Emissionen pro Prozent am Bruttosozialprodukt fielen im Jahr 2013 um 1,2%, was etwas besser war als der Durchschnitt von 0,9% seit dem Jahr 2000. Aber der begrenzte Fortschritt dabei, den Emissionsanstieg vom Wachstum des Bruttosozialprodukts zu entkoppeln, vergrößert die Lücke zwischen dem, was wir tun, und dem, was wir tun müssten", heißt es im Low Carbon Ecnonomy Index 2014. Eigentlich müssten die CO2-Emissionen pro Prozent des Bruttosozialprodukts nämlich um 6,2 % sinken, um den Pfad eines Temperaturanstiegs um maximal 2 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts einzuhalten.

Ausgangspunkt für die Analyse seien Schätzungen des IPCC. Bei einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 bis 3,8 %, wie es der Internationale Währungsfonds für das Jahr 2015 prognostiziert, würden die CO2-Emissionen daher um 2,5% ansteigen, so die Einschätzung von PricewaterhouseCoopers Nachhaltigkeitsdirektor Jonathan Grant. Werde die Dekarbonisierungsrate der Wirtschaft nicht verbessert, laufe die Menschheit Gefahr, dass sich das Klima bis zum Jahr 2100 um vier Grad erwärme, mit all den schwerwiegenden Folgen für Ökosysteme, Lebensgrundlagen und Wirtschaft, die vom IPCC benannt worden sind.

E.on will das AKW Grafenrheinfeld im Mai abschalten. Bild: Rainer Lippert/gemeinfrei

Atomkraftwerke werden oft abgeschaltet

Die Atomkraft hat sich in Deutschland gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil gehalten. Als nächstes will E.on Ende Mai das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz nehmen. Die Anzahl der Störfälle in den neun noch laufenden Reaktoren bewegte sich mit 76, davon 58 meldepflichtigen, in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Aber auch in anderen europäischen Ländern zeigt sich der überalterte Atomkraftwerkspark zunehmend störanfällig. Nach einem Bericht des IWR gefährden die unvorhergesehenen Störungen und damit verbundene Abschaltungen sogar die Versorgungssicherheit. Besonders in Großbritannien und Belgien habe es lange Ausfallzeiten gegeben. Im Dezember blieben in Belgien zeitweise vier der sieben Reaktoren abgeschaltet, das stillgelegte Gaskraftwerk Moerdijk 2 in den Niederlanden musste reaktiviert werden, um die Stromversorgung sicher zu stellen. In Großbritannien berichtete der Gutachter Pete Roche, dass 15 Reaktoren in den vergangenen 3 Jahren insgesamt 62 Mal vom Netz gingen. Am 20. November waren 7 der 15 Reaktoren abgeschaltet und 5 waren gedrosselt. Auch in Großbritannien fürchten Politiker um die sichere Stromversorgung über den Winter.

In Frankreich versprach Präsident François Hollande erneut, das älteste Atomkraftwerk des Landes abzuschalten, ohne jedoch einen konkreten Termin zu nennen. Das im Elsass gelegene Kraftwerk Fessenheim ging bereits 1977 in Betrieb und zeichnet sich durch zahlreiche Störfälle aus. Auch aus der Ukraine sickern trotz mangelhafter Informationspolitik immer wieder Meldungen über Störfälle in Atomkraftwerken durch. Ende Dezember war erneut ein Reaktor des Kraftwerks Saporoschje vorübergehend abgeschaltet worden.

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